Die Entwicklung von Textschreibkompetenz im Grundschulalter: Referenzielle und relationale Kohärenz
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Im schulischen Kontext stehen Kinder vor der anspruchsvollen Aufgabe, ihre Texte kohärent zu gestalten. Dies muss sowohl auf der Ebene der relationalen als auch auf der der referenziellen Kohärenz geschehen. Ziel des hier beschriebenen Projekts war es, mittels eines umfangreichen longitudinalen Korpus von Grundschultexten in zwei Teilprojekten die Entwicklung referenzieller und relationaler Kohärenz im Grundschulalter zu untersuchen. Die Ergebnisse hinsichtlich relationaler Kohärenz decken sich weitestgehend mit früheren Studien in Bezug auf den Erwerb von Kohärenzrelationen und den Ausbau des Konnektoreninventars. Zudem zeigte sich, dass sich die syntaktischen Positionierungen von Adverbkonnektoren mit einer deutlichen Vorfeld-Präferenz klar von Positionierungen in der Erwachsenensprache unterscheiden. Auch die Ergebnisse hinsichtlich referenzieller Kohärenz bei direkter Anaphorik stimmen mit früheren Studien überein. Dies gilt beispielsweise für die späte Verwendung indefiniter Nominalphrasen zur Referenteneinführung oder für Präferenzen hinsichtlich bestimmter Protagonistentypen. Erstmals untersucht wurde die Entwicklung der Verwendung von kognitiv anspruchsvolleren Anapherntypen wie indirekten Anaphern, Komplexanaphern und Pluralanaphern in Kindertexten. Indirekte Anaphern sind überwiegend als schemabasierte indirekte Anaphern schon im Verlauf des ersten Schuljahres zu finden, sind aber zu Beginn der Schreibentwicklung nicht immer eindeutig von definiten Referenteneinführungen abgrenzbar; mutmaßlich ist dies auch darauf zurückzuführen, dass Kinder zu Beginn der Entwicklung noch nicht umfassend den Wissensstand eines Lesers berücksichtigen können. Komplexanaphern treten in formelartiger Gestalt wie Das war toll in Erlebniserzählungen sehr früh auf, aber Verwendungen, die über diese Basisstruktur hinausgehen, sind nicht nur deutlich seltener, sondern auch erst deutlich später in den Kindertexten zu entdecken. Pluralanaphern werden einige Monate früher verwendet als Komplexanaphern. Bei allen drei komplexen Anapherntypen zeigen sich die folgenden zwei Tendenzen: Zum einen erhöht sich die Distanz zwischen den komplexen Anapherntypen und ihren Bezugsausdrücken sukzessive von der ersten bis zur vierten Klasse. Zum anderen wird das grammatische Inventar an Ausdrucksmöglichkeiten z.B. hinsichtlich Wortartenkategorien und Satzgliedfunktionen im Laufe der Grundschulzeit zunehmend variabel. Generell sind jedoch lexikalische Realisierungen erst spät zu beobachten. Alle Entwicklungen gehen typischerweise von einfachen Grundmustern aus, die im Laufe der Entwicklung ausdifferenziert werden, und davon, dass spezifische Konstruktionen von lokalen zu globalen Zusammenhängen ausgeweitet werden. Dabei zeigte sich, dass die Verwendung bestimmter Konstruktionstypen offenbar gut durch bestimmte lenkende Schreibaufgaben angestoßen werden kann. Die Entwicklung hin zur Erwachsenensprache ist jedoch am Ende der Grundschulzeit noch nicht abgeschlossen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Die Entwicklung kognitiv komplexer Anapherntypen in schriftlichen Texten von Grundschulkindern. Vortrag, 23. Norddeutsches Linguistisches Kolloquium
Lohmann, Amelie
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Phasen der Kohärenzentwicklung: Referenzielle und relationale Kohärenz in schriftlichen Texten von Grundschulkindern. Vortrag, 23. Norddeutsches Linguistisches Kolloquium
Linerova, Karolina
