Die Relevanz von Familie für Sozialrechtsansprüche im internationalen Vergleich: Zwischen Gewährung von Leitungen und Einforderung familiärer Solidarität
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Staatliche Umverteilung zu verstehen gehört seit jeher zu den Hauptanliegen der sozialwissenschaftlichen Forschung. Und tatsächlich verstehen wir heute, nach zahlreichen und sehr verschiedenartigen frühen und gegenwärtigen Analysen, viele Facetten, Unterschiede und Dynamiken dieser Umverteilung. So haben wir beispielsweise umfassende Kenntnis über Umverteilung zwischen verschiedenen sozialen Gruppen wie die zwischen Reichen und Armen oder zwischen der gegenwärtig arbeitenden und gegenwärtig nicht arbeitenden Bevölkerung. Ein bedeutender Faktor in wohlfahrtsstaatlicher Umverteilung wurde jedoch weitgehend ignoriert: die Familie. Das ist verwunderlich, da Familienmitgliedschaft einen starken Einfluss auf den Grad der Umverteilung hat und somit, neben anderen, ein wichtiges Prinzip wohlfahrtsstaatlicher Umverteilung ist. Ein besseres Verständnis dieses Umverteilungsprinzips kann unser gängiges Verständnis von Wohlfahrtsstaaten und ihren Unterschieden, die gemeinhin in Wohlfahrtsregime gefasst werden, in Frage stellen. Da Forschungsprojekt hat Erkenntnisse zu drei bedeutenden Facetten von Umverteilung hervorgebracht: (1) als Umverteilungsprinzip, (2) konkretisiert als, wie wir sie nennen, spezifische Umverteilungslogiken, und (3) umgesetzt mittels Implementation. Das Projekt adressierte diese drei Facetten und analysiert sie für Familie auf der Basis von grundlegenden Erkenntnissen über das Design und die Unterschiede von Wohlfahrtsstaaten. So ist es, erstens, naheliegend, anzunehmen, dass sich der Grad, zu dem Familie in der wohlfahrtsstaatlichen Umverteilung relevant ist, zwischen Wohlfahrtsstaaten unterscheidet. Wir haben diese internationale Varianz berechnet, aber auch zeigen können, dass Familie in jedem europäischen Wohlfahrtsstaat für die Umverteilung relevant ist. Zweitens können auch internationale Differenzen in Bezug darauf erwartet werden, wie unterschiedliche Familienformen von Umverteilungsregelungen adressiert werden, so dass Umverteilung für einige Familienformen vorteilhafter ist als für anderen. Wir haben dabei verschiedene Umverteilungslogiken herausgearbeitet und ihre internationalen Übereinstimmungen und Differenzen adressiert. Und drittens lassen frühere Erkenntnisse zu den verschiedenen Herausforderungen in der Implementation von Umverteilungsregelungen erwarten, dass die vorgesehene Umverteilung von der faktischen abweicht und somit die in Regelungen vorgesehenen Unterschiede in der Umverteilung durch deren Implementation größer oder kleiner ausfallen. Wir haben die Abweichungen berechnet und auch hier die internationalen Differenzen aufgezeigt. Diese letzte Facette der Umverteilung widmet sich der Frage, welche Daten genutzt werden, um wohlfahrtsstaatliche Unterschiede zu bestimmen – und Regimetypen zu identifizieren. Die Erkenntnisse dieses Projektes leisten einen empirischen, theoretischen und methodischen Beitrag zur vergleichenden Gesellschafts-, Wohlfahrtsstaats- und zum Teil Familienforschung. Zudem tragen sie dazu bei, wohlfahrtsstaatliche Umverteilung, die Position von Familie in ihr, und die Diskrepanz zwischen demokratisch beschlossener Umverteilung und ihrer Implementation zu verstehen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Annual ESPAnet Conference Up for the Future? Social policies in challenged societies Leuven, 31.8.-03.09.2021 online Paper Präsentation Family as a redistributive principle of welfare states: an international comparison
Patricia Frericks & Martin Gurín
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Annual ESPAnet Conference Up for the Future? Social policies in challenged societies Leuven, 31.8.-03.09.2021 online, Paper Präsentation Societal redistribution in terms of family: Developing a theoretical typology
Patricia Frericks & Pascal Angerhausen
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Annual International Conference on Public Policy (ICPP5), Barcelona 06.-08.07.2021 Paper Präsentation Dis/advantaging different family forms: the redistributive logic of the German welfare state
Patricia Frericks mit Julia Höppner & Martin Gurín
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Family as a Redistributive Principle of the Welfare State. The Case of Germany. Journal of Social Policy, 52(2), 449-469.
FRERICKS, PATRICIA; GURÍN, MARTIN & HÖPPNER, JULIA
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Annual ESPAnet Conference Social Policy Change between Path Dependency and Innovation, Wien 14.-16.09.2022 Paper Präsentation Do families get what the welfare state expects? Differences between social rights and welfare state outcomes among families in European welfare states
Patricia Frericks & Julia Höppner
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Annual ESPAnet Conference “Social Policy Change between Path Dependency and Innovation”, Wien 14.-16.09.2022 Paper Präsentation Mapping inequalities in terms of family: family as the redistributive principle of welfare states
Patricia Frericks mit Martin Gurín & Julia Höppner
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ESA RN 26 mid-term conference in cooperation with the FNA From the cradle to the grave? Social policy in diverse temporal and spatial contexts, Berlin 07.-08.10.2022 Paper Präsenation Deserving and undeserving families? Welfare state redistribution by family form
Patricia Frericks mit Julia Höppner & Martin Gurín
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Family as a redistributive principle of welfare states: An international comparison. Journal of European Social Policy, 33(1), 52-66.
Frericks, Patricia & Gurín, Martin
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5th Fiscal Policy Modelling Workshop, Fiscal Policy Analysis unit of the European Commission’s Joint Research Centre, Sevilla 23.-24.3.2023 • Vortrag nach Einladung zu Analysing redistributive logics of welfare states by EU- ROMOD focusing on family as a redistributive principle
Patricia Frericks mit Julia Höppner & Martin Gurín
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ESPAnet Annual Conference Warsaw 2023, Warschau 7.-9.9.2023 Paper Präsentation Redistribution towards family: How European welfare states address distinct family forms
Patricia Frericks & Julia Höppner
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Evoluce nové metody: institucionální analýza přerozdělování veřejných prostředků na příkladu rodiny (Chapter 15) [Evolution einer neuen Methode: Institutionelle Analyse sozialpolitischer Umverteilung am Beispiel Familie], in: Fantastická data ve veřejné politice a jak je využít, p. 502-526, Eva M. Hejzlarová, Magdaléna Mouralová, Martina Štěpánková Štýbrová. Univerzita Karolinum: Prag
Frericks, P., Gurín, M. & Höppner, J.
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Family in societal redistribution: a theoretical inquiry. International Journal of Sociology and Social Policy, 43(13/14), 212-228.
Frericks, Patricia
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FIS-Forum 2023: Sozialpolitik für die nächste(n) Generation(en), Berlin 21.-22.9.2023 Paper Präsentation Sozialpolitik für die (ganze) nächste Generation? Umverteilung finanzieller Ressourcen nach Familienformen im europäischen Vergleich
Patricia Frericks & Julia Höppner
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Jahrestagung der DGS-Sektion Sozialpolitik Der Sozialstaat als Sortiermaschine - Kategorien und Kategorisierungsprozesse in der Sozialpolitik, Köln 26.-27.6.2023 Paper Präsentation „Familie(n) als Kategorie für Umverteilung – europäische Wohlfahrtsstaaten im Vergleich“
Patricia Frericks & Julia Höppner
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Mapping redistribution in terms of family: A European comparison. International Sociology, 38(3), 269-289.
Frericks, Patricia; Gurín, Martin & Höppner, Julia
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Social Policy Association Conference 2023: Rising Inequalities and Poverty: What role for Social Policy? Nottingham 5.-7.7.2023 • Paper Präsentation Uneven welfare state redistribution to families and the role of taxes and transfers
Patricia Frericks & Martin Gurín
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Umverteilung im deutschen Wohlfahrtsstaat: Familie zwischen gewährten und eingeforderten Ressourcen. Zeitschrift für Sozialreform, 69(2), 143-166.
Frericks, Patricia; Höppner, Julia & Gurín, Martin
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The unequal conversion of intended redistribution into factual redistribution in Europe and its impact on social inequalities between families. Acta Sociologica, 67(4), 446-462.
Frericks, Patricia & Höppner, Julia
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Weniger Haben als Soll. Differenzen zwischen de jure und de facto Umverteilung für arme Familien im europäischen Vergleich. Der weite Weg zum Bürgergeld, 149-168. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Frericks, Patricia & Höppner, Julia
