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Die Relevanz von Familie für Sozialrechtsansprüche im internationalen Vergleich: Zwischen Gewährung von Leitungen und Einforderung familiärer Solidarität

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 438088800
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Staatliche Umverteilung zu verstehen gehört seit jeher zu den Hauptanliegen der sozialwissenschaftlichen Forschung. Und tatsächlich verstehen wir heute, nach zahlreichen und sehr verschiedenartigen frühen und gegenwärtigen Analysen, viele Facetten, Unterschiede und Dynamiken dieser Umverteilung. So haben wir beispielsweise umfassende Kenntnis über Umverteilung zwischen verschiedenen sozialen Gruppen wie die zwischen Reichen und Armen oder zwischen der gegenwärtig arbeitenden und gegenwärtig nicht arbeitenden Bevölkerung. Ein bedeutender Faktor in wohlfahrtsstaatlicher Umverteilung wurde jedoch weitgehend ignoriert: die Familie. Das ist verwunderlich, da Familienmitgliedschaft einen starken Einfluss auf den Grad der Umverteilung hat und somit, neben anderen, ein wichtiges Prinzip wohlfahrtsstaatlicher Umverteilung ist. Ein besseres Verständnis dieses Umverteilungsprinzips kann unser gängiges Verständnis von Wohlfahrtsstaaten und ihren Unterschieden, die gemeinhin in Wohlfahrtsregime gefasst werden, in Frage stellen. Da Forschungsprojekt hat Erkenntnisse zu drei bedeutenden Facetten von Umverteilung hervorgebracht: (1) als Umverteilungsprinzip, (2) konkretisiert als, wie wir sie nennen, spezifische Umverteilungslogiken, und (3) umgesetzt mittels Implementation. Das Projekt adressierte diese drei Facetten und analysiert sie für Familie auf der Basis von grundlegenden Erkenntnissen über das Design und die Unterschiede von Wohlfahrtsstaaten. So ist es, erstens, naheliegend, anzunehmen, dass sich der Grad, zu dem Familie in der wohlfahrtsstaatlichen Umverteilung relevant ist, zwischen Wohlfahrtsstaaten unterscheidet. Wir haben diese internationale Varianz berechnet, aber auch zeigen können, dass Familie in jedem europäischen Wohlfahrtsstaat für die Umverteilung relevant ist. Zweitens können auch internationale Differenzen in Bezug darauf erwartet werden, wie unterschiedliche Familienformen von Umverteilungsregelungen adressiert werden, so dass Umverteilung für einige Familienformen vorteilhafter ist als für anderen. Wir haben dabei verschiedene Umverteilungslogiken herausgearbeitet und ihre internationalen Übereinstimmungen und Differenzen adressiert. Und drittens lassen frühere Erkenntnisse zu den verschiedenen Herausforderungen in der Implementation von Umverteilungsregelungen erwarten, dass die vorgesehene Umverteilung von der faktischen abweicht und somit die in Regelungen vorgesehenen Unterschiede in der Umverteilung durch deren Implementation größer oder kleiner ausfallen. Wir haben die Abweichungen berechnet und auch hier die internationalen Differenzen aufgezeigt. Diese letzte Facette der Umverteilung widmet sich der Frage, welche Daten genutzt werden, um wohlfahrtsstaatliche Unterschiede zu bestimmen – und Regimetypen zu identifizieren. Die Erkenntnisse dieses Projektes leisten einen empirischen, theoretischen und methodischen Beitrag zur vergleichenden Gesellschafts-, Wohlfahrtsstaats- und zum Teil Familienforschung. Zudem tragen sie dazu bei, wohlfahrtsstaatliche Umverteilung, die Position von Familie in ihr, und die Diskrepanz zwischen demokratisch beschlossener Umverteilung und ihrer Implementation zu verstehen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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