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Vermögen und das Gute: Welchen Beitrag können Vermögen für die Erklärung von Wertaussagen und Normativität leisten?

Antragstellerinnen / Antragsteller Professor Dr. Erasmus Mayr; Professorin Dr. Barbara Vetter
Fachliche Zuordnung Praktische Philosophie
Theoretische Philosophie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 439616221
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Unsere Handlungen sind meist Ausübungen von Vermögen: Fähigkeiten und Fertigkeiten, Tugenden und Charakterzüge. Diese Vermögen ermöglichen nicht nur unsere Handlungen, sondern tragen nach weit verbreiteter Ansicht auch zu deren Bewertung bei. Wir schreiben Erfolgen einen höheren Wert zu, wenn sie die Ausübung eines Vermögens sind: Ein Tor im Fußball stellt eine größere Leistung dar, wenn es Ergebnis einer Fähigkeit und nicht ein bloßer Zufallstreffer war; und es ist moralisch mehr wert, wenn eine Person ein Versprechen einhält, weil sie ehrlich ist, als wenn sie es nur tut, weil ihr zufällig gerade danach war. Manche philosophischen Auffassungen gehen zudem davon aus, dass Vermögen selbst die Basis für Werte und Normen sind, indem sie allen, die das Vermögen besitzen oder ausüben, einen normativen Standard auferlegen. So würde z.B. jede Person, die die Fähigkeit zum praktischen Überlegen besitzt, allein deshalb schon bestimmten Normen darüber unterliegen, wie sie überlegen soll. Das Projekt Capacities and the Good untersuchte grundlegende Fragen über Vermögen und deren Rolle für Werte und Normen an der Schnittstelle von Metaphysik, Ethik, Handlungstheorie und Erkenntnistheorie. Hierfür wurde zunächst eine allgemeine Auffassung von Fähigkeiten (im Gegensatz zu bloßen Dispositionen, Neigungen oder Tendenzen) entwickelt. Fähigkeiten, so die Idee, zeichnen sich durch eine besondere Form der Adaptivität aus, der flexiblen Anpassung sowohl an äußere Umstände als auch an die verschiedenen und teils im Widerspruch miteinander stehenden Ziele und Werte der Handelnden selbst. Im Gegensatz zu bestehenden Ansätzen in der Literatur bietet der Adaptivitätsansatz einen theoretischen Rahmen, in dem die Ausübung von Fähigkeiten, und insbesondere auch die Möglichkeit der nicht ganz erfolgreichen Ausübung, plausibel erklärt werden kann. Mit dieser Auffassung im Hintergrund untersuchte das Projekt u.a. die Frage, welche Vermögen relevant für Verantwortung sind, wobei die Rolle der Fehlbarkeit von Vermögen sowie ihre Erklärungsfunktion besonders herausgearbeitet wurden. Weiterhin haben wir neue Argumente in der Debatte zum ethischen Konstitutivismus entwickelt – jener Auffassung, dass bestimmte unserer Vermögen die Basis für ethische Normen und Gründe sind, da ihnen konstitutive Standards ‚eingeschrieben‘ sind, denen wir bei der Ausübung dieser Vermögen automatisch unterliegen. Und schließlich haben wir Fragen der Erkenntnistheorie diskutiert, wobei die Natur und der besondere Wert von kognitiven Fähigkeiten im Vordergrund standen und letztlich auch die alte Frage, warum Wissen – das normalerweise das Ergebnis der Ausübung unserer kognitiven Fähigkeiten ist – besser sein sollte als bloß wahre Meinung.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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