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Kontextsensitive Wahrnehmung bei risikobehafteter Entscheidungsfindung

Fachliche Zuordnung Wirtschaftstheorie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 440656074
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Mit der Einführung der Regret Theory in den 1980er Jahren haben die Wirtschaftswissenschaften die Idee der kontextabhängigen Präferenzen für Entscheidungen unter Risiko aufgegriffen. Das bedeutet, dass die Bewertung einer bestimmten risikobehafteten Option durch den Entscheidungsträger nicht nur von den Eigenschaften dieser betrachteten Option abhängt, sondern auch von den Eigenschaften der anderen Optionen, die der Entscheidungsträger zur Auswahl hat. Das Interesse an kontextabhängigen Risikopräferenzen ließ in den späten 1990er Jahren weitgehend nach, da zwei wichtige Herausforderungen nicht zufriedenstellend gelöst werden konnten. Erstens konnte kein Konsens darüber erzielt werden, wie kontextabhängige Theorien, die intransitive Präferenzen induzieren, über paarweise Entscheidungen hinaus erweitert werden können. Zweitens wurde in experimentellen Studien nachgewiesen, dass das beobachtete Verhalten stark von der Form der Problempräsentation beeinflusst wird, was sich nur schwer mit diesen Theorien vereinbaren ließ. Die Einführung der Salience Theory hat das Interesse an kontextabhängigen Risikopräferenzen wiederbelebt, und infolgedessen hat eine Fülle von Beiträgen, sowohl theoretischer als auch empirischer/experimenteller Art, damit begonnen, die Implikationen kontextabhängiger Theorien neu zu erforschen und ihre Vorhersagen zu testen. Dieses Projekt umfasst vier Forschungsarbeiten und eine in Arbeit befindliche Studie, die einen Beitrag zur bestehenden Literatur über kontextabhängige Entscheidungen und zu den übergreifenden Bereichen der Entscheidungsfindung unter Risiko und im Zeitverlauf leisten. In der ersten Forschungsarbeit erweitern wir das ursprüngliche regret-theoretische Modell über paarweise Entscheidungen hinaus und testen die Vorhersagen des erweiterten Modells hinsichtlich des Auftretens von Decoy-Effekten experimentell. Die zweite Forschungsarbeit wurde durch die kürzlich gewonnene Erkenntnis inspiriert, dass die Salience Theory und die Regret Theory, trotz sehr unterschiedlicher psychologischer Grundlagen, für paarweise Entscheidungen nahezu identische theoretische Vorhersagen machen und daher bei der Beobachtung des tatsächlichen Entscheidungsverhaltens nicht zu unterscheiden sind. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis zielen wir in der zweiten Forschungsarbeit darauf ab, experimentell zu klären, ob Entscheidungen, die gegen kanonische Axiome der Entscheidungstheorie verstoßen, wie es von kontextabhängigen Theorien vorhergesagt wird, bewusste Entscheidungen im Sinne der Regret Theory oder unbeabsichtigte Fehler im Sinne der Salience Theory darstellen. Das dritte Forschungspapier untersucht, wie die durch Salienz verzerrte Wahrnehmung die Effizienzeigenschaften des Ergebnisses einer Prinzipal-Agenten- Beziehung bei Vorliegen von Moral Hazard beeinflusst. Das vierte Forschungspapier erweitert die theoretischen Erkenntnisse aus der kontextabhängigen Entscheidungsfindung unter Risiko auf den Bereich der intertemporalen Entscheidungsfindung.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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