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Medienwissenschaftliche Formate und Praktiken im Kontext sozialer und digitaler Vernetzung: Eine ethnografische und netnografische Studie kontemporärer Wissenschaftskultur

Antragstellerin Dr. Sophie Einwächter
Fachliche Zuordnung Theater- und Medienwissenschaften
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441413969
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das ethnografische Projekt identifizierte und untersuchte Medien, die im professionellen Alltag von Medienwissenschaftler*innen zum Einsatz kommen und erarbeitete aus der Befragung zentraler Akteur*innen heraus deren Problembewusstsein bezüglich ihres Einsatzes. Hierbei fand es vielfältige Beispiele dafür, wie digitale Medien Wissenschaftskulturen prägen und transformieren – mit dezidiert geisteswissenschaftlicher Perspektive, die in der Wissenschaftsforschung bislang unterrepräsentiert ist. Ergebnis ist: In Forschung, Lehre, Publikation, Vernetzung und akademischer (Selbst)Verwaltung spielen digitale Medien zentrale Rollen. Sie ermöglichen oder behindern reibungslose Arbeitsabläufe, sie konsolidieren bereits bestehende Machtverhältnisse oder helfen, diese herauszufordern – in Zeiten gesellschaftlicher Spannung bedingen sie überdies neue Verletzlichkeiten, wenn sie beispielsweise Ansatzpunkte für neue Angriffe auf Wissenschaftler*innen liefern. Das Projekt lieferte anhand von 30 ausführlichen problemzentrierten Interviews (50-90 min. lang) sowie Fallstudien (u.a. zu Rezensionen, Lektürelisten, Videokonferenzen, Forschungsdatenpublikationen) eine Erhebung relevanter Konfliktfelder und Austragungsorte von medialer Transformation in der Geisteswissenschaft. Während sich die Open Access-Bewegung weiter strukturell und fachkulturell auf dem Vormarsch befand, vermochten digitale Datensammlungen, Listen und Repositorien etablierte Kanon- und Gefolgschaftseffekte im Fach zu unterlaufen. Die Bereitschaft von Akteur*innen, Daten zu publizieren, hielt sich jedoch weiterhin trotz starker infrastruktureller Förderung in Grenzen. In den Jahren der Projektlaufzeit wurden Digitalisierungseffekte durch die einsetzende Covid-19-Pandemie – gewissermaßen im Zeitraffer – verstärkt erlebbar: Forschung und Lehre fand plötzlich fast ausschließlich medial gestützt und virtuell statt, hierbei halfen bereits etablierte digitale Infrastrukturen und Praktiken. Medial wurden nun auch neue Belastungen des ohnehin prekären geisteswissenschaftlichen Wissenschaftsalltags sichtbar: Funktionsfähige mediale Lösungen für Lehre, Datenverwaltung und Forschung gingen bei den für das Projekt Befragten vielfach mit Eigeninvestitionen einher oder erfolgten in rechtlicher Grauzone, die für Unbehagen sorgten. Bei den digitalen Medien, die untersucht wurden, manifestierten sich Abhängigkeiten von proprietären Anbietern, die schnell eine Marktdominanz erreichten, funktionsfähige Lösungen jedoch weniger datensensibel bereitstellten. Als prekär stellten sich auch die Entgrenzungseffekte der neuen medialen Lehr- und Lernwelten heraus, die für die Pandemie spezifisch waren. Die Problematik ohnehin entgrenzter Lebens- und Arbeitswelten der Akteur*innen wurde generell medial verstärkt. Insofern lieferte das Projekt eine Dokumentation medienwissenschaftlicher Arbeitskultur aus den Jahren 2021-2024 mitsamt von Einblicken in die besondere wissenschaftskulturelle Prekarität aus den Pandemiejahren bis zu den ersten Aus- und Einwirkungen von künstlicher Intelligenz.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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