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Eine Typologie afrikanischer Science Fiction (2006-2018): Strategien der Selbstrepräsentation im globalen Kulturmarkt

Antragsteller Dr. Peter Maurits
Fachliche Zuordnung Afrika-, Amerika- und Ozeanienbezogene Wissenschaften
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441611873
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Gegen Ende der 2000er Jahre erlebte die afrikanische Science-Fiction und Speculative Fiction (ASF) einen spektakulären Aufschwung. Während Deirdre Byrne 2004 noch die geringe Verbreitung von ASF beklagte, katapultierten Werke wie Beukes Johannesburg-Roman Moxyland (2008) und Kahiu’s Film Pumzi (2009) das Genre binnen fünf Jahren ins Rampenlicht. Autoren, Redakteure und Fans schufen Infrastrukturen wie Zeitschriften und Preise. Innerhalb eines Jahrzehnts gewannen ASF-Autoren alle großen internationalen SF-Preise, fanden Aufnahme in großen Verlagsprogrammen und wurden von Studios wie HBO/Disney adaptiert. Dieses Projekt analysierte die Triebkräfte hinter ASFs Aufstieg, seinen Wandel (2008- 2023) und die damaligen Debatten. Zunächst: Afrikanische SF hat eine lange Tradition, bildete aber nie eine kohärente Bewegung; frühe Werke wurden als magischer Realismus fehlklassifiziert. Der Wandel begann, als der Druck auf Autoren nachließ, "ernste Literatur" zu produzieren – parallel zum Aufstieg des Afrofuturismus in den USA und einer wachsenden Nachfrage nach spezifisch afrikanischer Speculative Fiction. Doch ASF blühte erst nach der Finanzkrise 2008 auf: weniger als Krisengenre denn als Produkt ihrer Risse – ein Raum der Spaltung, der neue Zukünfte ermöglichte (sichtbar im US-China-Konflikt), aber auch neoliberale Ausbeutung verstärkte. In diesem Widerspruch wurde Speculative Fiction zum privilegierten Ort der Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft. Zweitens, ASF vollzog eine formale Wende: von Kurzgeschichten zu Romanen, von Online- zu Printpublikationen. Thematisch vermischten sich Revolutionsmotive mit Unterdrückung, während "afrikanische Weltreiche" häuslichen Erzählungen wichen. Drittens entbrannten Debatten um ASFs "Afrikanität" und dystopische Tendenzen, die utopische Gegenentwürfe provozierten. Paradoxerweise wurde ASF, obwohl aus der Abkehr vom Realismus entstanden, zunehmend als politisches Genre verstanden. Gleichzeitig wurde es in den globalen Literaturbetrieb integriert – doch dominieren bis heute diasporische Stimmen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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