Strategien des Sammelns und der Darstellung Chinas im Deutschland des 19. Jahrhunderts: Gothas Chinesisches Kabinett
Kunstgeschichte
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt erforscht die Geschichte der chinesisch-europäischen Kulturverflechtungen aus der Perspektive der materiellen Kultur und der Geschichte der Sammlungen. Es verschafft neue Aufmerksamkeit auf das historische Chinesische Kabinett in Gotha, das von Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822) um 1800 gegründet wurde. Einst die bedeutendste chinesische Sammlung in Kontinentaleuropa, geriet es nach seiner Auflösung in den 1870er Jahren in Vergessenheit. Auf der Basis von Archivrecherchen und der Erkundung vergessener historischer Zusammenhänge zwischen Ideen, Räumen und Artefakten wird die Geschichte der Sammlung aufgearbeitet. Die Sammlung begann mit wenigen „fremden“ Objekten in der frühneuzeitlichen Kunstkammer und entwickelte sich um 1800 zu einem privaten chinesischen Kabinett und um 1850 zu einer öffentlichen ethnografischen Sammlung. Das Projekt ist innovativ und interdisziplinär: Es verwendet Methoden wie Objektbiographien, Provenienzforschung und Diskursanalyse, um die Sammlung zu kontextualisieren und sie mit dem europäischen Imperialismus des 19. Jahrhunderts und der Expansion ethnographischer Museen in Verbindung zu bringen. Historiker charakterisieren die europäische Rezeption Chinas als einen Wandel von der „Sinophilie“ der frühen Neuzeit zur „Sinophobie“ des späten 18. und 19. Jahrhunderts. Die Untersuchung zeigt eine ähnliche, wenn auch weniger polarisierende Entwicklung bei den Strategien zum Sammeln und Ausstellen von chinesischen Objekten. Chinesische Kabinette in europäischen Palästen präsentierten China als ein fernes Reich voller Reichtum, Wunder und Potenzial. Im Gegensatz dazu führte die Professionalisierung der ethnografischen Museen im 19. Jahrhundert zu Ausstellungen, die behaupteten, eine genaue Darstellung Chinas in Miniatur zu vermitteln. In ethnografischen Ausstellungen riefen chinesische Artefakte in den Vorstellungen des Museumspublikums nicht mehr Staunen und grenzenloses Potenzial hervor, sondern präsentierten stattdessen einen begrenzten und erfassbaren Nationalstaat. Das Projekt führte zu 4 Aufsätzen sowie zu einem Monografie-Projekt (in Vorbereitung). Die Publikationen kontextualisieren die chinesischen Sammlungen in Gotha im Kontext der europäischen Auseinandersetzung mit China. Sie präsentieren auch wichtige neue Erkenntnisse, wie die Entstehung und Entwicklung der Sammlung, Netzwerke von Sammlern und Forschern, Publikumsrezeption und Beiträge zum Wissen über China. Die laufenden Ergebnisse wurden auf Konferenzen wie der Renaissance Society of America und der European Association of Chinese Studies vorgestellt. Die Forschung führte auch zu einer Zusammenarbeit mit der Friedenstein Stiftung Gotha und zu einem internationalen Workshop „From Cabinets to Museums: Exploring Histories of Chinese Collections in Europe“ (2024). Während der Projektlaufzeit wurden die laufenden Ergebnisse in Workshops, Seminaren und Vorträgen an Museen und Universitäten vorgestellt.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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‘Exploring the History of Friedenstein’s Chinese Cabinet’, Research in Gotha Blog
Emily Teo
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‘From Kunstkammer to Chinese Cabinet: Collecting and Categorizing Chinese Objects’, Networks and Practices of Connoisseurship (Warburg-Haus, Hamburg, 2-4 June 2022)
Emily Teo
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““Truly Chinese”: Transporting Chinese Objects to Germany in the Nineteenth Century”’ Transporting Culture (Historians of Eighteenth-Century Art and Architecture, online, 20 Oct 2022)
Emily Teo
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Duke August’s Chinese Cabinet at Gotha: Authenticity and Connoisseurship of Asian Objects in Germany. Networks and Practices of Connoisseurship in the Global Eighteenth Century, 203-220. De Gruyter.
Teo, Emily
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‘Private Collection to Public Display: Curating Gotha’s Chinese and Japanese Museum (1820- 1860)’, Publics of the First Public Museums I. Institutional Sources (XVIII-XIX c.) (Sapienza Università di Roma, 19-21 October 2023) [Video Link]
Emily Teo
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‘Encountering Qing China in European Museums.’ Presented in ‘Encountering China: European Travellers in the Long Nineteenth Century’, European Association of Chinese Studies Biennial Conference (Tallinn, 26-30 August 2024)
Emily Teo
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‘The Literary Kunstkammer: From Travellers’ Accounts to Collectors’ Cabinets.’ Presented in ‘Collecting and Knowledge Production through Travel’, Renaissance Society of America 2024 (Palmer House, Chicago, 21-23 March 2024)
Emily Teo
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‘Distant Splendour: The Transmission of Asian Art from Text to Object’ Presented in ‘Asia in the Global Renaissance’, Renaissance Society of America 2025 (Boston, 20-22 March 2025)
Emily Teo
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‘Mirroring the Chinese Emperor in European Palaces.’ Presented in ‘Techne, Collecting, and the Practice of Good Governance’, Renaissance Society of America (Boston, 20-22 March 2025)
Emily Teo
