Die relationale Natur der Moral und die Anerkennung des Gegenüber
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Haben moralische Gründe ihren Ursprung in den Ansprüchen und Forderungen bestimmter Personen? Wenn ja, was sagt uns das über das, was wir einander schulden? Was sagt es uns insbesondere darüber, wie wir uns zueinander verhalten und uns gegenseitig anerkennen sollen? Ziel des Projekts war es, diese Fragen zu beantworten und zu erforschen, inwieweit wir Themen der Moralphilosophie auf eine grundlegend relationale Weise angehen können. Die Arbeitshypothese des Projekts lautete, dass der gesamte zwischenmenschliche Bereich der Moral am besten als ein relationaler Bereich verstanden werden kann, der aus gerichteten Verpflichtungen (‚directed duties‘) besteht, die mit den gültigen Ansprüchen bestimmter Individuen korrelieren und ihre normative Quelle in eben diesen haben. Nach der daraus resultierenden Aufassung, die in letzter Zeit einige prominente Verfechter gefunden hat, lässt sich Moral am besten als eine Frage dessen verstehen, was wir jeder einzelnen Person schulden. Die Gesamtheit der zwischenmenschlichen Verpflichtungen in diesen relationalen Begrifen zu verstehen, stellt einen potenziellen Paradigmenwechsel in der Moralphilosophie und der Ethik im weiteren Sinne dar, insofern als dies eine normative Umstrukturierung des zwischenmenschlichen Bereichs nahelegt. Denn die meisten Standarddarstellungen der Moral dessen, „was wir einander schulden“, gehen in die entgegengesetzte Richtung und argumentieren, dass die gesamte Klasse der Verpflichtungen ungerichtet ist und sich aus einem abstrakten Satz von Regeln und Prinzipien oder aus der unparteiischen Sorge um das Allgemeinwohl ergibt. Der Vorteil des vorgeschlagenen neuen relationalen Ansatzes besteht darin, dass er den oft übersehenen einstellungsbezogenen Aspekt der zwischenmenschlichen Moral in den Vordergrund rückt und folglich besser als die nicht-relationalen Standardtheorien der Moral erfasst, was im zwischenmenschlichen Bereich auf dem Spiel steht, nämlich was wir einander schulden: dass Personen als Quellen gültiger Ansprüche das Recht haben, voneinander ein bestimmtes Verhalten zu erwarten, und dass wir nicht einfach etwas Falsches tun, wenn wir nicht das tun, wozu wir verpflichtet sind, sondern dass wir anderen Unrecht tun, indem wir ihre gültigen Ansprüche missachten und es in der Folge versäumen, uns zu ihnen als unseren moralischen Mitmenschen richtig zu verhalten. Dies wiederum ermöglicht es uns, eine ganze Reihe wichtiger moralischer Phänomene und Einstellungen angemessener zu erklären, darunter Schuld, das Wesen zwischenmenschlichen Unrechts, Verantwortung und Anerkennungsrespekt. Das Projekt nahm mehrere Herausforderungen an ein relationales Verständnis der Moral an und versuchte, sie zu beantworten und so dem relationalen Verständnis der Moral weitere Plausibilität und Rechtfertigungskraft zu verleihen. Dies führte zu einer Reihe von veröfentlichten Artikeln und Manuskripten, die derzeit in führenden akademischen Zeitschriften auf diesem Gebiet geprüft werden. Dazu gehören Aufsätze u.a. über die relationale Natur von Schuld (revise and resubmit), über die inherent relationale Praxis der Entschuldigung (Erkenntnis, im Erscheinen), über die fundamentale Idee einer moralischen Beziehung (European Journal of Philosophy, 2023), über den Begrif des Handelns im Namen eines anderen (Canadian Journal of Philosophy, 2022), über den grundlegenden Begrif einer relationalen Pflicht (in Begutachtung), und über die verletzende Natur der moralischen Gleichgültigkeit (Oxford Studies in Normative Ethics, 2024).
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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“Deliberation in the Moral Nexus,” Canadian Journal of Philosophy, Special Issue on the Topic of ‘Relational Ethics’, eds. Rahul Kumar&Jonas Vandieken.
Vandieken, Jonas
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Acting on Behalf of Another. Canadian Journal of Philosophy, 52(5), 540-555.
Edlich, Alexander & Vandieken, Jonas
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Moral friends? The idea of the moral relationship. European Journal of Philosophy, 31(4), 1073-1090.
Vandieken, Jonas
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“Moral Indiference,” Workshop in Normative Ethics in Arizona, Invited Talks at Moral Vulnerability Workshop Oslo, and the Mainz Research Colloquium in Practical Philosophy, 2022.
Betzler, Monika & Vandieken, Jonas
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“Relational Morality, Directed Obligations, and Third Parties,” Invited Talks Colloquium in Social and Political Philosophy, LMU Munich, Ethics and Political Philosophy Group, University of Toronto, and Workshop on Moral Responsibility, University of Lund, 2022.
Vandieken, Jonas
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“Relational Requirements with Relational Foundations: Towards a Relationship-Dependent View of Relational Morality’ presentation at 1st LMU Workshop in Relational Ethics. Moral and Other Relationships: Themes from the Work of R. Jay Wallace at LMU Munich June 2022.
Betzler, Monika & Vandieken, Jonas
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Moral Indifference. Oxford Studies in Normative Ethics Volume 13, 55-76. Oxford University PressOxford.
Betzler, Monika & Vandieken, Jonas
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“The Moral Nexus, Accountability, and Deliberation”, Invited Talk at Departmental Colloquium, SUNY Albany, October 2023.
Vandieken, Jonas
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“Love as Practical Openness to Another in the Moral Nexus,” Workshop presentation at 2nd LMU Workshop in Relational Ethics. ‘The Heart and its Attitudes: Themes from the Work of Stephen Darwall’ at LMU Munich July 2024.
Vandieken, Jonas
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Accountability in the Moral Nexus. Erkenntnis.
Vandieken, Jonas
