Was sagt Mann dazu? Eine Analyse des legislativen Verhaltens männlicher Abgeordneter angesichts des steigenden Frauenanteils in den Parlamenten
Zusammenfassung der Projektergebnisse
In den letzten Jahrzehnten ist der Frauenanteil in Parlamenten weltweit deutlich gestiegen. Umfassende Forschung zeigt, dass die neu gewählten weiblichen Abgeordneten die parlamentarische Agenda prägen, indem sie verstärkt Themen wie Gesundheit, Familienpolitik oder Gleichstellung in den Diskurs einbringen. Wenig erforscht war bislang jedoch, inwieweit und unter welchen Bedingungen auch männliche Abgeordnete die Interessen von Frauen vertreten. Dieses Projekt schließt diese Forschungslücke und untersuchte die Gruppe von Abgeordneten, die auch heute noch die Mehrheit der Mandate innehat. Dazu analysierte das Projekt das Verhalten von Abgeordneten in den deutschen Landtagen. Der Fokus auf die Landtage stellte einen einheitlichen politischen Rahmen mit Hinblick auf die Handlungsmöglichkeiten der Abgeordneten sicher und erhöhte somit die Vergleichbarkeit der Fälle. Gleichzeitig bilden die Bundesländer einen Mikrokosmus westlicher Demokratien bezüglich der Varianz des Frauenanteils in den Parlamenten, aber auch anderen relevanten Faktoren wie Wahlsystem und postmaterialistische und feministische Werte in der Gesellschaft. Zur Erhebung der substanziellen Repräsentation von Frauen – also der Frage, inwieweit einzelne Abgeordnete Fraueninteressen vertreten – wurden drei Indikatoren herangezogen: (1) Geschlechterbezüge in parlamentarischen Anfragen, (2) Thematische Bezüge zu Fraueninteressen in Reden und (3) Selbsteinschätzung der Abgeordneten in Interviews. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Unterschiede zwischen männliche und weibliche Abgeordnete für die substanzielle Repräsentation von Frauen nicht statistisch sind. Vielmehr hängt der Einsatz von Männern für die Interessen von Frauen von gesellschaftlichen Trends und dem parteipolitischen Kontext ab. So wirken sich insbesondere gesellschaftliche Zustimmung für Gleichstellung, der Frauenanteil in der Fraktion und ein niedriges Alter positiv auf die substanzielle Repräsentation von Frauen durch männliche Abgeordnete aus. Weiterhin wurde deutlich, dass, während in progressiven Parteien mit hohen Frauenanteilen Männer zunehmend Frauenthemen aufgreifen, in konservativen Parteien ein gegenläufiger Trend vorliegt. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass Männer eine selektive Strategie der substanziellen Repräsentation anwenden und Fraueninteressen durch eine „maskuline Linse“ betrachten. Männliche Abgeordnete greifen die Interessen von Frauen besonders dann auf, wenn diese mit klassischen „männlichen“ Politikfeldern wie Wirtschaft, Finanzen oder Sicherheit verknüpft wurden. Diese Ergebnisse bestärken die besondere Bedeutung einer paritätischen Repräsentation von Frauen in den Parlamenten. Der gesellschaftliche Wertewandel wird nicht automatisch dazu führen, dass männliche Abgeordnete vollumfänglich responsiv zu den Interessen von Frauen werden, sondern es Bedarf Frauen in den Parlamenten als Vermittlerinnen. Außerdem bleiben Frauen in den Parlamenten in besonderem Maße dafür verantwortlich, Frauenthemen im engeren Sinne, wie häusliche Gewalt oder Familienpolitik, im Parlament zu thematisieren.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Let’s talk about sex! Male MPs claiming to represent women’s interests in plenary debates, Papier präsentiert auf dem DVPW Congress, September 2021.
Kroeber, Corinna
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Let’s talk about sex! Male MPs claiming to represent women’s interests in plenary debates, Papier präsentiert auf der ECPR General Conference, August/September 2021.
Kroeber, Corinna
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Let’s talk about sex! Male MPs claiming to represent women’s interests in plenary debates, Papier präsentiert auf der the Jahrestagung der European Political Science Association, Juni 2021.
Kroeber, Corinna
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How men MPs react to women's presence in parliaments, Papier präsentiert im Rahmen des Workshops Women as Political Actors: Contemporary Barriers, Challenges and Opportunities in Greifswald, September 2022.
Kroeber, Corinna & Darius Ribbe
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When Do Men MPs Claim to Represent Women in Plenary Debates—Time-Series Cross-Sectional Evidence from the German States. Political Research Quarterly, 76(2), 1024-1037.
Kroeber, Corinna
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Women leading parties, fractions, and plenary debates: Critical actors to break the glass ceiling, Papier präsentiert auf der Conference on Political Careers in Basel, Juni 2022.
Kroeber, Corinna
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Women leading parties, fractions, and plenary debates: Critical actors to break the glass ceiling, Papier präsentiert auf der Jahrestagung der European Political Science Association, Juni 2022.
Kroeber, Corinna
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„When do men MPs claim to represent women in plenary debates – Time-series cross-sectional evidence from the German states, Blog Post published at Counting Counts
Kroeber, Corinna
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Gendered Patterns of Committee Assignments—To What Extent Are Women in Parliamentary Party Groups Game Changers?. Parliamentary Affairs, 77(3), 623-643.
Kroeber, Corinna
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German State parliaments – Individual and contextual data, GESIS, Cologne. Data File Version 1.0.0
Kroeber, Corinna
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How men change their substantial priorities as more women enter parliament, Papier präsentiert im Rahmen der DYNAMICS Lecture Series an der Humboldt Universität, Januar 2023.
Kroeber, Corinna & Darius Ribbe
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How men change their substantial priorities as more women enter parliament, Papier präsentiert im Rahmen des Kolloquiums für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Mainz, Januar 2023.
Kroeber, Corinna & Darius Ribbe
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How men MPs react to women's presence in parliaments, Papier präsentiert auf der ECPR General Conference, September 2023.
Kroeber, Corinna & Darius Ribbe
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How men MPs react to women's presence in parliaments, Papier präsentiert auf der Tagung der ECPR Standing Group on Parliaments, Juli 2023.
Kroeber, Corinna & Darius Ribbe
