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Gemeinderatswahlen im deutschen Mehrebenensystem

Antragstellerin Dr. Kerstin Völkl
Fachliche Zuordnung Politikwissenschaft
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 442452026
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes standen die beiden wichtigsten Verhaltensformen von Bürger:innen bei Wahlen zu den Hauptorganen der Gemeinden und Städte: die Wahlbeteiligung und die Wahlentscheidung. Während diese beiden Aspekte des Wahlverhaltens für die Bundesebene in Deutschland umfassend untersucht sind, mangelt es an Studien für die kommunale Ebene. Ein zentraler Grund dafür sind die bestehenden Herausforderungen bei der Fallauswahl und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Daten – insbesondere von Individualdaten. Diese sind insbesondere für die Analyse des Wahlverhaltens notwendig. Ziel des Projektes war es daher, diesen Mangel an Daten und Erkenntnissen hinsichtlich kommunalen Wahlverhaltens zu beheben. Im Rahmen des Projektes wurden in vier Bundesländern jeweils in den ersten Wochen nach den Gemeinderatswahlen telefonische Befragungen durchgeführt. Konkret handelte es sich um die Wahlen in Nordrhein-Westfalen (2020), Hessen (2021), Niedersachsen (2021) und Schleswig-Holstein (2023). Die Daten der einzelnen Befragungen wurden anschließend zu einem integrierten Datensatz zusammengefügt. Da nicht anzunehmen ist, dass sich das Wahlverhalten bei Kommunalwahlen grundlegend von dem auf Bundesebene unterscheidet, und um eine Vergleichbarkeit zu Wahlen auf anderen politischen Ebenen zu ermöglichen, wurden bewährte nationale Erklärungsansätze herangezogen. Diese wurden um ebenenspezifische Faktoren ergänzt, um das relative Gewicht lokaler und nationaler Einflüsse auf Stimmenthaltung und Stimmabgabe bestimmen zu können. Zusätzlich wurden zentrale Kontextfaktoren lokaler Demokratien berücksichtigt: die Gemeindegröße sowie das lokale Wahl- und Parteiensystem. Die Frage nach der Wahlentscheidung bei Gemeinderatswahlen unterscheidet sich aufgrund der Spezifika auf der Angebotsseite und bei den Wahlrechtsregelungen deutlich von anderen Systemebenen. Daher war es notwendig, neue Messinstrumente zu entwickeln. Auch auf Seiten der Erklärungsfaktoren mussten die auf der nationalen Ebene bewährten Messinstrumente auf die kommunale Ebene angepasst werden. Ein zentraler Befund der Analysen ist, dass – anders als in der Forschung teilweise behauptet – lokale Wahlen für die meisten Beteiligten keineswegs von untergeordneter Bedeutung und in erster Linie ein Effekt der übergeordneten Bundespolitik sind. Ebenso konnten – teilweise erstmals auf Individualdatenbasis über mehrere Bundesländer hinweg – spezifische Formen des kommunalen Wahlverhaltens untersucht und neue Erkenntnisse hinsichtlich der Erklärungsfaktoren gewonnen werden. Hierzu zählen die Wahl unabhängiger Wählervereinigungen, das Kumulieren und Panaschieren sowie die Nutzung von Kommunalwahlen als Protestwahl. Darüber hinaus bietet der Datensatz die Möglichkeit, wahlrelevante politischen Einstellungen auf kommunaler und nationaler Systemebene zu analysieren.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Kurzanalyse zu den Gemeinderatswahlen in Nordrhein-Westfalen am 13. September 2020
    Cordes, Malte & Völkl, Kerstin
  • Die hessischen Briefwähler:innen. Eine Analyse zu den Briefwähler:innen bei der hessischen Gemeinderatswahl 2021. Online-Vortrag auf der DVPW- Tagung, 14. bis 16. September 2021
    Cordes, Malte
  • Kurzanalyse zu den Gemeinderatswahlen in Hessen am 12. September 2021
    Höpfner, Armin; Völkl, Kerstin & Cordes, Malte
  • Kurzanalyse zu den Gemeinderatswahlen in Hessen am 14. März 2021
    Cordes, Malte & Völkl, Kerstin
  • Erklärung der Wahlbeteiligung bei Gemeinderatswahlen – Kommunal- oder Bundeseffekt? Vortrag auf der Tagung „50 Jahre Arbeitskreis Lokale Politikforschung – Stand und Perspektiven der Politikforschung“, Universität Heidelberg, 5. bis 6. Oktober 2022
    Cordes, Malte & Völkl, Kerstin
  • Die Wahlbeteiligung bei Gemeinderatswahlen – Kommunal-, Bundesoder Kontexteffekt? Vortrag auf der Tagung „Das Superkommunalwahljahr 2024 and beyond: Herausforderungen und Perspektiven für die lokale Demokratie in Deutschland, Universität Duisburg-Essen, 4. bis 5. Juli 2024
    Völkl, Kerstin
  • Wie „lokal“ sind lokale Wahlen? Parteiwahlverhalten bei Gemeinderatswahlen. Vortrag auf der Jahrestagung AK „Wahlen und politische Einstellungen“, Universität Siegen, 6. bis 7. Juni 2024
    Völkl, Kerstin & Vetter, Angelika
 
 

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