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Definition der Regeln für die Zielerkennung und -regulation durch Roquin in vivo

Fachliche Zuordnung Allgemeine Genetik und funktionelle Genomforschung
Biochemie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 443239947
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Posttranskriptionelle Genregulation ist entscheidend für die korrekte zeitliche und strikte Kontrolle der Genexpression. Im Falle einer Fehlregulation ist sie die zugrundeliegende Ursache verschiedenster Pathologien. Auf mRNA-Ebene wird diese Kontrolle durch cisregulatorische Elemente vermittelt, welche in den nicht-translatierten Regionen codiert sind. Diese Elemente werden von RNA-bindenden Proteinen (RBPs) aufgrund ihrer Sequenz und/oder Struktur erkannt. Die Bindung eines RBPs an eine Ziel-mRNA kontrolliert z.B. deren Stabilität. Die immunregulatorischen Roquin-Proteine sind von zentraler Bedeutung um Entzündungsreaktionen zeitlich zu begrenzen, indem sie mRNAs destabilisieren, welche proinflammatorische Proteine codieren. Roquin-Proteine kennzeichnet ihre einzigartige Erkennung der Form von RNA-Stammschleifen, den sogenannten CDEs (constitutive decay elements) und ADEs (alternative decay elements). CDEs sind Stammschleifen mit einer Trinukleotid-Schleife, ADEs tragen eine Hexanukleotid-Schleife. Welche Sequenzen genau die Bindung von Roquin-Proteinen und damit eine Destabilisierung von mRNAs vermitteln ist dabei unklar. Weiterhin werden in der Literatur auch Stammschleifen mit anderen Schleifengrößen als Bindemotiv für Roquin-Proteine diskutiert. Dies weist auf mehrere neue, noch undefinierte, cis-regulatorische Elemente hin, welche für die effiziente mRNA-Repression durch Roquin entscheidend sind. Darüber hinaus ist die Bedeutung des flankierenden Sequenzkontextes am Roquin-vermittelten mRNA-Abbau unklar. Neben der einzigartigen ROQ-Domäne, welche die Stammschleifen in Ziel-mRNAs erkennt, kodieren Roquin-Proteine auch für eine Zinkfinger-Domäne (ZnF) mit unbekannter RNA-Bindepräferenz. Mit Hilfe von RNA Bind-n-Seq (RBNS) haben wir die RNA-Bindepräferenz sowohl der ROQ-Domäne als auch des ZnF systematisch charakterisiert. Wir konnten dadurch neue CDE- und ADE-Motive aufdecken, welche effizient Roquin-Bindung in vitro vermitteln. Weiterhin konnten wir zeigen, dass diese Motive auch in vivo die mRNA-Stabilität steuern und damit neue bona fide Roquin Ziel-mRNAs identifizieren. Darüber hinaus haben wir Wechselwirkungen zwischen Roquinvermitteltem mRNA-Abbau und ARE (AU-reiche Elemente)-vermitteltem Abbau untersucht, beides wichtige Modulatoren von Entzündungsreaktionen. Wir konnten zeigen, dass AU-reiche CDEs in ihrer ungefalteten Form mit RBPs interagieren können, welche lineare AU-reiche Sequenzen erkennen, was auf eine duale Funktion dieser CDEs im mRNA-Abbau schließen lässt. Interessanterweise erkennt auch der ZnF AU-reiche Sequenzen, welche im Zusammenspiel mit Stammschleifen zur Bindung von Roquin an Ziel-mRNAs beitragen. Insgesamt konnten wir die RNA-Bindepräferenz eines zentralen Immunregulators im Detail aufklären sowie einen Grundstein für die zentrale Funktion von RNA-Strukturen im mRNA-Metabolismus legen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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