Determinanten und Konsequenzen von Milizen-Performance - quantitative und qualitative Untersuchungen der Organisation von Gewalt und Sicherheit zwischen Staat und Gesellschaft
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Weltweit sind Milizen Teil von Gewalt- und Unsicherheitskontexten. Ihr Verhalten unterscheidet sich jedoch maßgeblich: in manchen Fällen begehen Milizen schwere Menschenrechtsverletzungen, in anderen Fällen verbessern sie die lokale Sicherheitssituation für die Bevölkerung. Was erklärt diese Varianz? Die bisherige Forschung hat sich vor allem auf Milizen-Gewalt gegen Zivilisten konzentriert und darauf wie das Verhältnis der Milizen zu staatlichen Institutionen diese Gewalt beeinflusst. Effektive Sicherheitsleistungen durch Milizen und ihre Beziehungen zu lokalen nichtstaatlichen Institutionen haben weniger Aufmerksamkeit erhalten. Zudem haben sich die meisten Studien auf objektive Maße für die Performance von Milizen fokussiert. Die subjektiven Einschätzungen der betroffenen Bevölkerung weichen jedoch oft stark davon ab: einige Milizen erscheinen von außen betrachtet als Sicherheitsbedrohungen, während die lokale Bevölkerung sie als effektive Sicherheitsakteure wahrnimmt – und umgekehrt. Das Ziel des Projekts bestand darin, diese Forschungslücken zu adressieren. Im Zentrum stand die empirische Prüfung theoretischer Argumente zur Bedeutung der Beziehungen zwischen Milizen und staatlichen/nichtstaatlichen Institutionen für die objektive und subjektive Sicherheitswirkung von Milizen. Die empirischen Analysen stützten sich auf qualitative und quantitative Mikro-Analysen in Afghanistan und Mexiko. Die Ergebnisse leisten drei wesentliche Beiträge zur Forschung. In Übereinstimmung mit früheren Studien unterstreichen sie die Bedeutung des institutionellen Kontextes von Milizen: lokale politische Ordnungen und informelle Institutionen haben einen starken Einfluss darauf, wie Milizen handeln und wie ihre Handlungen von der Bevölkerung bewertet werden. Abweichend von dominanten pessimistischen Perspektiven, zeigen wir, dass Gemeinden nichtstaatliche bewaffnete Gruppen etablieren können, die externe Sicherheitsbedrohungen effektiv verringern, ohne selbst zum Sicherheitsrisiko zu werden. Schließlich unterstreichen die Ergebnisse, dass die Wahrnehmungen der Menschen gegenüber Milizen nicht alleine durch deren Verhalten determiniert sind, sondern vor allem auch durch die Fähigkeit der Bevölkerung, dieses Verhalten einzuordnen und zu rationalisieren.
