Detailseite
Projekt Druckansicht

Wissenschaftliches Netzwerk "Partizipative Translationswissenschaft. Heteroglossische Kommunikation aus Akteursperspektive.

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung von 2020 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445467008
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Netzwerk beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern Translation angesichts komplexer gesellschaftlicher und individueller Mehrsprachigkeitsprofile gesellschaftliche und interaktive Partizipation ermöglicht. Zunächst dominierten Diskussionen um den Partizipationsbegriff, der weit gefasst und im Hinblick auf Inklusion und Demokratisierung als „Hochwertbegriff“ verstanden wurde. In den ersten beiden Treffen des Netzwerks wurde Partizipation als Forschungsmethode für die empirische Untersuchung von mehrsprachigen und Translationssettings mit unmittelbarem forschungsrelevantem Anwendungsbezug in den Mittelpunkt gerückt. Partizipation setzt die Kategorisierung von Personengruppen und damit verbundene Exklusionsmechanismen voraus. Damit Personen partizipieren können, müssen sie in gesellschaftspolitische Kategorien passen. Dies zeigte sich in den beiden folgenden Treffen in den Präsentationen der unterschiedlichen Forschungsdesigns der Netzwerkmitglieder. Institutionen als gesellschaftspolitische Metaebene, die vom Netzwerk zusätzlich zu den zunächst konzipierten Analyseebenen der Makro- und der Mikroeben festgelegt wurde, wurden als meist geschlossene Systeme identifiziert, die Partizipation bereits auf struktureller Ebene erschweren oder verhindern. Dies verschärft sich durch die Teilnahme mehrsprachiger Akteure, deren Anwesenheit oft Anlass zu expliziten, metapragmatischen, abwertenden sowie exkludierenden Äußerungen bis hin zu Stigmatisierungen und verbaler Gewalt geben. Anhand der präsentierten Forschungsszenarien wurde Mehrsprachigkeit als ein in der Realität ‚chaotisches‘ und schwer fassbares Phänomen aufgefasst. Ein überraschendes Ergebnis der Diskussionen des Netzwerks war die Erkenntnis, dass Translation monolinguale Orientierungen zementieren und Mehrsprachigkeit verhindern kann. Die Vorträge und Diskussionen ergaben, dass normative Qualitätskriterien in der Translation eher hemmend für die Entwicklung neuer, erweiterter Begriffe von Translation und Möglichkeiten von Partizipation wirken. Fragen nach Neubestimmungen von Translation, die stärker auf aktuelle, diffuse Mehrsprachigkeitsszenarien (Heteroglossie) reagieren, waren zwar Teil von Forschungsergebnissen und Diskussionen, konnten aber nicht abschließen konzeptualisiert und konkretisiert werden.

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung