Das letzte deutsche Kaiserpaar und sein Leibarzt: Wilhelm II. und Auguste Victoria im niederländischen Exil (1919-1924) im Spiegel der Tagebücher des Dr. med. Alfred Haehner (1880-1949) - ein Editionsprojekt
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die historisch-kritische Edition der Tagebuchaufzeichnungen des letzten Leibarztes des exilierten deutschen Kaisers Wilhelm II., Alfred Haehner, erschließt eine bisher weitgehend verschlossen gebliebene Quelle für einen breiten Leserkreis. Sie schließt damit eine Lücke innerhalb der Hohenzollernforschung, aber auch in der Forschung zur Zwischenkriegszeit in Mitteleuropa. Sie erlaubt einen unmittelbaren Blick auf die ersten Exiljahre Wilhelms II. in den Niederlanden, der ungeachtet der Isolation seine verlorene Macht wiederzuerlangen und seine Umgebung im Rahmen dieses Vorhabens an sich zu binden und einzusetzen suchte. Zudem gewährt sie Zugang zu den ideologischen und politischen Triebfedern, die den Diskurs in Amerongen und Doorn bestimmten. Die Perspektive des Leibarztes Haehner, der erst 1919, nach Ende der Hohenzollernmonarchie, deren Protagonisten persönlich näher kennenlernte, unterscheidet sich stark von dem Blickwinkel derjenigen, die Wilhelm II. bereits in seiner Regierungszeit begleitet hatten und der politischen oder militärischen Elite des Kaiserreiches angehört hatten. Das macht seine Aufzeichnungen zu einer unverzichtbaren Quelle für die Geschichte und das Fortleben der deutschen Monarchie nach 1918. Die Edition hat schließlich erreicht, die im Tagebuch sichtbaren Aspekte, die weit über bisherige Annahmen hinsichtlich des Quellengehaltes hinausgehen, herausgearbeitet zu haben. Die Edition der Haehner-Tagebücher hat vorhandene Editionstools (hier in Form des Oxygen Editor) entsprechend ihrer Ansprüche genutzt und angepasst. Revolutionäre technische oder methodische Innovationen sind aus ihr nicht hervorgegangen. Ihr Erfolg bestätigt dennoch klar die sinnvolle Nutzbarkeit moderner Werkzeuge der digitalen Text- und Datenverarbeitung. Nicht nur die weniger fehleranfällige Arbeit mit einem auf die spezifischen Bedürfnisse der Edition zugeschnittenen Programm, sondern besonders die inhaltlichen Verknüpfungen, Referenzierungen und Querverweise innerhalb des Quellentextes, die in einer digitalen Arbeitsumgebung deutlich schneller und tiefgreifender erarbeitet und für den Nutzer zugänglich gemacht werden können, steigern die Qualität einer jeden Quellenedition. Trotz der nach wie vor bestehenden Vorteile klassischer Druckeditionen sollte deshalb mit Nachdruck auf die erweiterten Potentiale digitaler Webeditionen hingewiesen und diese, so wie es auch vielfach schon geschieht, in zukünftigen Projekten in sinnvoller Ergänzung der klassischen heuristischen Verfahren der Geschichtswissenschaften eingesetzt werden.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Alfred Anton Maria Haehner, in: Internetportal Rheinische Geschichte
Sabine Mangold-Will
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Sophie Haehner, in: Internetportal Rheinische Geschichte
Sabine Mangold-Will, Jessica Bredemeier & Antonia Hütten
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Der Leibarzt des Kaiserpaares – im Dienst, aber auch Propagandist der Hohenzollern? Zur Person des Dr. med. Alfred Haehner und dem Quellenwert seines „Holländischen Tagebuchs“ (1919–1924), in: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Jahresbericht 2021, München 2022, 41-56.
Sabine Mangold-Will
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Monarchie in der Transformation, in: H-Soz-Kult, 07.07.2023
Martin Kauder
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Vom Erfolg eines Misserfolgs. Leo Schwering und das »Holländische Tagebuch« von Alfred Haehner. Geschichte in Köln 70 (2023), 189-200. Böhlau Verlag.
Kauder, Martin
