Detailseite
Projekt Druckansicht

Sprachliche Manifestation von Widerstand in der psychodynamischen Psychotherapie

Antragstellerinnen / Antragsteller Professor Dr. Arnulf Deppermann; Dr. Inka Montan
Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445514280
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Widerstand ist ein zentrales psychoanalytisches Konzept. Seine empirische Erfassung ist in der psychodynamischen Psychotherapieprozessforschung jedoch bislang nicht etabliert. Das mag u. a. an der mangelnden Reliabilität der wenigen bislang existierenden Instrumente zur Erfassung von Widerstand und der darin vorliegenden Konfundierung der Erfassung von Widerstandsintensität und -qualität liegen. Mit der in diesem Projekt entwickelten RESIST Rating Scale liegt nun ein Rating-Instrument vor, welches es erlaubt, mit einer sehr guten Interrater-Reliabilität sowohl 28 verschiedene Widerstandsqualitäten (sog. „Widerstandstechniken“), als auch die Widerstandsintensität innerhalb videographierter Psychotherapiesitzungen zu erfassen, jeweils sowohl in 5-Minuten-Sequenzen als auch für die gesamte Sitzung. Die RESIST Rating Scale stellt damit ein wichtiges neues Werkzeug im Instrumentarium der psychodynamischen Psychotherapieprozessforschung dar. Es ermöglicht, Widerstand in Zusammenhang mit Merkmalen der Patient:innen, Therapeut:innen und dem therapeutischen Prozess zu untersuchen. Das zum Instrument gehörige Manual beschreibt die 28 verschiedenen Widerstandstechniken systematisch und veranschaulicht sie anhand klinischer Fallbeispiele. Es kann als Lehrmaterial dazu dienen, Widerstandsmanifestationen in der psychotherapeutischen Aus- bzw. Weiterbildung zu illustrieren. Aus konversationsanalytischer Sicht konnten einige Widerstände, insbesondere Übertragungswiderstände, nicht in den Daten bestätigt werden, da sie oftmals nicht auf der interaktionalen Oberfläche sichtbar und von den Therapeut:innen nicht als Widerstand behandelt werden. Statt von Widerstand kann in vielen Fällen eher von ‚disalignment‘ oder ‚dispreference‘ gesprochen werden. Die qualitative longitudinale Untersuchung von Veränderung des Widerstands im Verlauf einer Therapie hat – anders als bisherige Studien – ergeben, dass sich beide Gesprächspartner:innen hinsichlich ihres interaktional-kommunikativen Verhaltens verändern und das solche Veränderungen oftmals geringer sind als möglicherweise erwartet oder erwünscht.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung