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Von "Armennahrung" zu "Nutri-Getreide": die Herausbildung einer neuen Hirse-Assemblage in Odisha, Indien

Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445737126
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt befasste sich mit Hirse als zentraler Ressource in Odisha, Indien. Auf Basis ethnologischer und archäobotanischer Forschungen wurden Kontinuitäten und Veränderungen im Umgang mit Hirsesorten in städtischen und ländlichen Kontexten untersucht. Nach Jahrzehnten der Bevorzugung von Getreidesorten wie Reis, Weizen und Mais hat die Neubewertung von Hirsen als ökologisch und gesundheitlich relevante Ressourcen zu einer Reihe neuer Maßnahmen geführt, die in Odisha sowohl von staatlicher Seite als auch mit Hilfe von NROs eingeführt wurden. Einerseits schaffen diese Akteure Anreize für Landwirte, mehr Hirse anzubauen. Andererseits versuchen sie, die Stadtbewohner von den gesundheitlichen Vorteilen dieses Getreides zu überzeugen. Das Forschungsprojekt konzentrierte sich daher auf die Aktivitäten der Odisha Millet Mission (OMM; jetzt: Shree Anna Abhiyan) und deren Auswirkungen auf Produzenten und Konsumenten. So wurden Hirsen in das staatliche Verteilungssystem (PDS) aufgenommen, Saatgutbanken errichtet und lokale Hirsesorten (landraces) identifiziert, der Anbau von Hirse, insbesondere Fingerhirse, in Projektfarmen durch neue Technologien gefördert, der Konsum von Hirsen durch Restaurants, Kochevents und Rezeptbücher angeregt, die Vermarktung durch Messen (z.B. millet convention), Sportereignisse (z.B. Hockey WM) und Feste (z.B. raja festival) gesteigert, der Aufbau staatlicher (mandi) und lokaler (haat) Märkte für Hirsen vorangetrieben. Das Projekt hat diese Entwicklungen insbesondere in zwei ländlichen Regionen von Odisha, im Gajapati-Distrikt und im Koraput-Distrikt, sowie in der Hauptstadt Bhubaneswar erforscht. Es hat sich gezeigt, dass in ländlichen Regionen vor allem Fingerhirse vermehrt angebaut und kommerziell vertrieben wird, dass im städtischen Kontext vielfältige und sehr kreative Wege gefunden wurden, Hirsen zu vermarkten, dass Hirsen inzwischen in die lokalen Produktions- und Verlaufsketten eingebunden sind, welche die Produkte aus den Dörfern mit den Verbrauchern in den Städten verbinden, dass Hirsen im ruralen Gebiet als Grundnahrungsmittel mancherorts an Bedeutung verloren haben, aber nach wie vor vor allem für Frauen eine große Rolle im alltäglichen Leben und bei religiösen Anlässen spielen. Das Projekt hat in Kooperation mit der Universität Groningen und der Utkal-Universität eine eigene Webseite geschaffen, unterstützte den Aufbau eines archäobotanischen Getreidearchivs, hat zur Produktion eines Films beigetragen, eine kleine Ausstellung kuratiert und war an der Konzeption eines Massive Open Online Course (MOOC) beteiligt. Eine Dissertation wurde abgeschlossen, eine weitere steht vor der Fertigstellung.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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