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Die Globalisierung der mediterranen Wirtschaft im siebten Jahrhundert

Antragsteller Dr. Paolo Tedesco
Fachliche Zuordnung Mittelalterliche Geschichte
Alte Geschichte
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 446316191
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Bis zuletzt wurde in zeitgenössischen Diskussionen über den nachrömischen Mittelmeerraum die Auffassung vertreten, dass der Handel nur funktionieren könne, wenn ein zentralisierter Staat genügend Kontrolle über seine Gebiete verfügt: Es ist, als ob Staatenmodelle wie das des spätrömischen Reiches die einzigen wären, die wirtschaftlichen Wohlstand (und auch politische Stabilität) sicherstellen können. Nach dieser Ansicht besteht die Studie der Wirtschaft dieser Jahrhunderte zunächst darin zu bewerten, ob die Nachfolger der Römer in der Lage waren Steuern im römischen Stil (insbesondere Grundsteuer) von den lokalen Grundbesitzern einzutreiben. Wenn derartige Steuern tatsächlich erhoben wurden, sollten wir diese Königreiche als erfolgreiche regionale Fortsetzung des spätrömischen Reiches betrachten. Wenn andererseits die königliche Autorität keine Steuern im römischen Stil erheben konnte, verfügten die Zentralregierungen über keine reelle Macht. Letztendlich waren diese Königreiche zum Scheitern verurteilt, weil es ihnen an den notwendigen wirtschaftlichen (und damit politischen) Strukturen mangelte, um ein Überleben nach 600 zu gewährleisten. Dieses Projekt verfolgt einen anderen Ansatz: Es gibt keinen Grund, den wirtschaftlichen Wohlstand westlicher Barbarenkönigreiche und ihre Teilnahme am Mittelmeerhandel eng an ihre Fähigkeit zur Reproduktion des spätrömischen Staatssystems zu knüpfen. Tatsächlich haben sich nachrömische Gesellschaften durch andere Methoden der Überschussproduktion aufrechterhalten, wie im Falle von Afrika, Italien oder der Iberischen Halbinsel. Offenbar konnten die Menschen in diesen Gebieten genug Ressourcen mobilisieren, um recht lebhafte lokale und regionale Märkte zu versorgen. Natürlich hatten sich die Beziehungen zwischen den Zentralbehörden und der produzierenden Bevölkerung hochgradig verändert, sodass eine gleichermaßen tiefgreifende Transformation in der Wirtschaft dieser neuen Staaten verursacht wurde. Diese Veränderungen geschahen jedoch schrittweise: Von der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts bis zum 7. Jahrhundert verlagerten sich die Vermögensverhältnisse in den westlichen Mittelmeergesellschaften von einem System, das teilweise auf Steuern angewiesen war, zu einem, das größtenteils auf der direkten Aneignung von Land und Arbeit beruhte. Dieser Prozess verlief nicht linear, da er zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten als Reaktion auf die verschiedenen Kontexte auf lokaler, regionaler und landesweiter Ebene stattfand. Unabhängig vom spezifischen Zeitpunkt dieses Wandels, führte der abnehmende politische Wert der Besteuerung im Laufe des 7. Jahrhunderts nicht zwangsläufig zu einer Schwächung der Agrarproduktion. Jedoch hatte sich sowohl die Art als auch der Umfang des Warenverkehrs in Nordafrika, Spanien und anderen Regionen des westlichen Mittelmeers bereits weit vor der Islamischen Expansion im 7. Jahrhundert verändert.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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