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Disambiguation and Local Politics in the Late Ottoman Levant

Subject Area Islamic Studies, Arabian Studies, Semitic Studies
Term from 2020 to 2024
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 446339882
 
Final Report Year 2024

Final Report Abstract

Das Projekt untersuchte die Region Adana Mitte des 19. Jh. als Teil eines sich neu erfindenden Imperiums. Anhand von schwierigem osmanisch-türkischem, französischem und armenotürkischem Quellenmaterial arbeitete es das antagonistisch-wechselwirkende Verhältnis von Ideal und Praxis, der Deutung und Umdeutung von sozialem Status heraus, um Prozesse der Vereindeutigung von Zugehörigkeit türkischsprachiger, tribaler wie auch nichtmuslimischer, meist armenischer Bevölkerungsgruppen auf soziopolitischer und kommunikativer Ebene zu erschließen. Auf diese Weise wurde der Aufbau von moderner Staatlichkeit nicht als Auferlegung, sondern als Aushandlung und Vereindeutigung durch konkrete Akteure rekonstruiert, um später als primordial behandelte Gruppenidentitäten historisch zu analysieren. Das Projekt ist im Kontext imperialer und kolonialer Geschichte situiert und soll nationalgeschichtliche und modernistische Fehlannahmen korrigieren. Konzentriert auf das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert sieht die Forschung größtenteils die sog. Tanzimat als Mauer zwischen einer Moderne und einem Davor an und übersieht die kausalen Verbindungen zu den späteren Veränderungen. Stattdessen betrachtet das Projekt diesen komplexen Prozess als Schwelle der Veränderung von mehrschichtigen Wechselwirkungen lokaler, regionaler und imperialer Akteure. Dabei arbeitet es heraus, wie die Teilhabe der Akteure umformatiert wurde und sich auf Sozialstruktur, Kommunikationsformen und Akteurskonstellationen auswirkte. Förderlich dafür war die erhöhte Fokussierung auf den Kontext der Provinz Adana, die durch den finanzierungsbedingten Wegfall der anderen Projektkomponente zugleich erforderlich und ermöglicht wurde. Dennoch gelang es, den Kontakt mit Forscherinnen und Forschern des Gebietes auszubauen und ein Modell der Integration von akteurszentriert-relationaler und historischsemantischer Quellenanalyse weiterzuentwickeln, um eine spezifisch nahöstliche „Modernität“ in den Blick zu nehmen.

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