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Kollektivphänomene im digitalen Raum - Kriminologische Dimensionen und strafrechtliche Herausforderungen
Antragstellerin
Dr. Amina Hoppe
Fachliche Zuordnung
Kriminologie
Strafrecht
Strafrecht
Förderung
Förderung von 2020 bis 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 446948974
Durch die Entwicklungen der Digitalisierung und der weitreichenden Vernetzung haben sich neue Kommunikationsformen entwickelt, bei der sich eine Vielzahl von Personen an einem öffentlichen Austausch beteiligen und den sozialen digitalen Raum auch zu kollektiv wirkenden emotionalisierten, kritischen Äußerungen bis hin zu Angriffen gegen Dritte nutzen. Das beantragte Projekt wird diese Phänomene am Beispiel des Netzwerks Twitter genauer beleuchten.Die bisherigen strafrechtlichen Untersuchungen hierzu beschränken sich auf die Strafbarkeit einzelner Personen nach der derzeitigen Gesetzeslage, kriminologische Forschungen insbesondere des deutschsprachigen Raums fehlen weitgehend. In Anbetracht der sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse, die in diesen Fällen Kollektive mit zentralen Akteuren und starke gruppendynamische Effekte annehmen, und unter Berücksichtigung der besonderen Wirkungen, die sich erst durch das gleichzeitige Handeln einer Vielzahl von Personen ergeben, sind weitergehende Untersuchungen zu den kriminologischen und strafrechtlichen Besonderheiten dieser Kollektivphänomene angezeigt.Daher hat sich das Projekt zum Ziel gesetzt, das schädigende Potenzial dieser Phänomene als Gesamtheit kriminologisch zu untersuchen und anhand dieser Erkenntnisse die strafrechtlichen Regelungen kritisch zu hinterfragen.Die strafrechtliche Untersuchung baut dabei auf einer eigenen empirischen Erhebung auf. Hierfür werden Daten genutzt, die im Vorfeld des Projekts automatisiert erhoben werden. Dazu werden über einen Zeitraum von sechs Monaten die aufkommenden Themen im deutschsprachigen Twitter-Netzwerk anhand der verwendeten Hashtags ausgewertet. So können thematische Wellen frühzeitig erkannt und die dazugehörigen Beiträge sowie die Struktur der beteiligten Accounts noch während des Stattfindens der Welle erfasst werden, sodass auch später gelöschte Beiträge, die möglicherweise vermehrt kritische oder strafrechtlich relevante Inhalte aufweisen, aufgezeichnet werden.Im Rahmen des Projekts werden diese Daten um weitere Erhebungen ergänzt und ausgewertet. Anhand statistischer Werte und Textanalysen werden dabei grundlegende Strukturen der Kollektivphänomene sowie ihr inhaltlicher und sprachlicher Verlauf erfasst, wodurch die beeinträchtigten Rechtsgüter sichtbar werden. Im Rahmen von sozialen Netzwerkanalysen wird darüber hinaus die Struktur der beteiligten Akteure und die Intensität der Beteiligung untersucht. Diese Erkenntnisse werden zur Überprüfung der strafrechtlichen Zurechnungssystematik und zur Untersuchung der Strafbarkeit zentraler Akteure genutzt. Darüber hinaus werden konkrete Verhaltensweisen, wie die Nutzung automatisierter Accounts, sog. Bots, und die mehrfache Beteiligung an derartigen Phänomenen analysiert sowie die Strafwürdigkeit dieses Verhaltens diskutiert.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
