Speakers, listeners, languages: Patterns of variability and contrast in spoken language dynamics
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Ziel dieses Projektes war es, ein tieferes Verständnis zu erlangen davon, wie die grundlegende Dynamik der Sprachproduktion und -wahrnehmung durch sprachspezifische Strukturen geprägt wird und gleichzeitig zwischen Individuen einer Sprachgemeinschaft systematisch variieren kann. Die Art und Weise, wie wir einzelne Sprachlaute produzieren, wird stark von den Nachbarlauten beeinflusst, die ihnen zeitlich vorausgehen und folgen, ein Phänomen, das als Koartikulation bekannt ist. Koartikulation gewährleistet eine schnelle und effektive Kommunikation - sie wird aktiv geplant und ist Teil eines erlernten, sprachspezifischen Sprecherwissens. Auch in der Wahrnehmung erwarten und nutzen Hörer die koartikulationsbedingte Veränderlichkeit des Sprachsignals. Obwohl immer wieder davon ausgegangen wird, dass phonologischer Kontrast - d. h. welche Laute zum Lautinventar einer Sprache gehören – das zeitliche Ausmaß der Koartikulation einschränkt, sind die empirischen Belege für diese Behauptung nicht eindeutig, da die Variation zwischen den Sprachen nicht unbedingt so verläuft, wie es die phonologische Struktur vorhersagt. Gleichzeitig haben neuere Studien aufgedeckt, dass die erhebliche individuelle Variation, die bei der Signalisierung von phonologischem Kontrast beobachtet wird, möglicherweise mehr als nur experimentelles „Rauschen“ ist. Stattdessen sollte diese Variation als Teil einer hochdimensionalen, sprachspezifischen Dynamik verstanden werden, die das Wissen der Sprecher um Wechselbeziehungen in Sprachwahrnehmung und -produktion widerspiegelt. Ein fundiertes Verständnis solch einer strukturierten Variation muss in der Forschung jedoch erst noch erlangt werden. Diese neue Sichtweise auf individuelle Variation wurde auch bisher nicht mit unserem Wissen über systematische Variation zwischen Sprachen integriert. Unser mangelndes Wissen in diesem Bereich ist auch darauf zurückzuführen, dass es an nur wenige sprachübergreifenden Studien mit einer angemessenen Probandenzahl gibt, die sowohl Verallgemeinerungen über Variation innerhalb einer Sprache als auch zwischen verschiedenen Sprachen zulassen. Ziel des Projektes war es daher, einen umfassenden Überblick über die Beziehung zwischen Sprachwahrnehmung und -produktion zu erhalten, so dass strukturierte Variation sowohl zwischen Individuen als auch zwischen Sprachen beleuchtet werden kann. Um zu einem tiefergehenden Verständnis davon zu gelangen, wie sich die phonologische Struktur auf die Sprachsignaldynamik auswirken kann, konzentrierte sich unsere Arbeit auf zwei phonologische Kontraste – Nasalität und Lippenrundung – in drei Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch). Das Projekt wollte damit neue Perspektiven darauf eröffnen, warum und wie sich Sprachen voneinander unterscheiden und welche kognitiven Beziehungen zwischen Sprachproduktion und -wahrnehmung innerhalb und zwischen Individuen bestehen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Language specificity vs speaker variability of anticipatory labial coarticulation in German and English. In R. Skarnitzl & J. Volín (Eds.), Proceedings of the 20th International Conference of the Phonetic Sciences, Prague (pp. 2105-2109).
Lo, J. J. H., Carignan, C., Pouplier, M., Alderton, R., Rodriquez, F., Evans, B. G. & Reinisch, E.
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The window of opportunity: Anticipatory nasal coarticulation in three languages. Proceedings of the 20th International Conference of the Phonetic Sciences, Prague, (pp.2085-2089).
Pouplier, M., Rodriquez, F., Alderton, R., Lo, J. H., Reinisch, E., Evans, B. G. & Christopher, C.
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What French speakers' nasal vowels tell us about anticipatory nasal coarticulation. Proceedings of the 20th International Conference of the Phonetic Sciences, Prague (pp. 848-852).
Rodriquez, F., Pouplier, M., Alderton, R., Lo, J. H., Evans, B. G., Reinisch, E. & Carignan, C.
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Coarticulation across Languages (CoAL). Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung, LMU Munich.
Carignan, C., Pouplier, M., Lo, J. H., Rodriquez, F., Alderton, R., Evans, B. G., Reinisch, E., Howson, Ph. & Neubert, K.
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Language-specific and individual variation in anticipatory nasal coarticulation: A comparative study of American English, French, and German. Journal of Phonetics, 107, 101365.
Pouplier, Marianne; Rodriquez, Francesco; Lo, Justin J.H.; Alderton, Roy; Evans, Bronwen G.; Reinisch, Eva & Carignan, Christopher
