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Back to the Future: Archiving Residential Children’s Homes (ARCH) in Scotland and Germany

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 448421360
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Viele Menschen, die eine Zeit ihres Lebens in Heimerziehung verbracht haben, problematisieren, dass sie bislang nur über unzureichende biografische Erinnerungsstützen in Bezug auf das eigene Aufwachsen verfügen. Vor diesem Hintergrund untersuchte die transnationale Studie erstmals länderspezifisch sowie länderübergreifend in Schottland und Deutschland die Möglichkeiten und Grenzen eines identitätsstiftenden Erinnerns an Kindheit, Jugend und den gemeinsamen Alltag mittels (Gemeinschafts-)Archivalien der Heimerziehung. Im Rahmen eines dreiphasigen Vorgehens erfolgte die Analyse historischer, gegenwärtiger und zukünftiger Archivalien als mögliche Erinnerungsstützen. Dabei verdeutlichte die historisch orientierte Analyse der Archivbestände von zwei institutionellen Archiven, dass einer Archivierung des gemeinsamen Alltags jahrzehntelang wenig Relevanz beigemessen wurde – dies gilt insbesondere auch für die Überlieferung der Perspektiven junger Menschen. Da viele historische Archivalien für heimerfahrene Menschen zudem nicht zugänglich waren, ließ sich für beide institutionellen Archive nur ein recht begrenztes Potential für ein identitätsstiftendes Erinnern ermitteln. In Bezug auf die Gegenwart und Zukunft zeigte sich im Rahmen der Untersuchung der partizipativen Entwicklung ‚lebender‘ digitaler Gemeinschaftsarchive mit aktuellen Mitgliedern jeweils einer Wohngruppe in beiden Ländern, dass eine an den Relevanzen und Perspektiven junger Menschen ansetzende Gemeinschaftsarchivierung ein hohes Potential aufwies, identitätsstiftende Erinnerungen zu stützen. In der schottischen Wohngruppe wurde die Arbeit mit einer eigens dafür entwickelten Archivierungssoftware als bereichernde Ergänzung zur mittlerweile gesetzlich geforderten Sammlung individueller Erinnerungsstützen für junge Menschen gedeutet. In der deutschen Wohngruppe wiederum diente die damit verbundene Erstellung von Gemeinschaftsarchivalien dazu, sich abseits von organisationszentrierten Fallakten erstmals mit der Aufzeichnung und Zugänglichkeit von Erinnerungsstützen für junge Menschen auseinander zu setzen. Zudem ließen sich während der gemeinschaftlichen Archivierung mit Kindern und Jugendlichen zahlreiche Praktiken des gemeinsamen biografischen Erinnerns an alltägliche Erlebnisse und Entwicklungen rekonstruieren, die sich bereits in der Gegenwart für die Beteiligten als identitätsbildend erwiesen. Insgesamt verdeutlichte die Studie einerseits das besondere Potential digitaler Gemeinschaftsarchive, die eine in Schottland mittlerweile etablierte und in Deutschland auszubauende Archivierungs- und Erinnerungskultur im Kontext der Heimerziehung erheblich bereichern können. Andererseits stellen eine fachliche Verantwortungsübernahme für Erinnerungsbedarfe zukünftiger Care Leaver*innen, zeitgemäße technisch-digitale Infrastrukturen sowie angemessene Personal- und Zeitressourcen bedeutsame Gelingensbedingungen dar, um das Potential digitaler Gemeinschaftsarchive zukünftig auszuschöpfen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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