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Auf was können wir uns einigen? Theoriebildung und Modellierung von Friedensvertragsinhalten, Kompromissbereitschaft und deren Einfluss auf bewaffneten innerstaatlichen Konflikt

Fachliche Zuordnung Politikwissenschaft
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 448508600
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Empirische Forschungsergebnisse legen nahe, dass Friedensabkommen in bewaffneten innerstaatlichen Konflikten dann besonders stabilisierend und befriedend wirken, wenn diese Abkommen spezifische Themen regulieren, wie beispielsweise Powersharing, Verteilungsgerechtigkeit und Mechanismen zum Informationsaustausch. Allerdings gibt es nur sehr wenige Forschungsarbeiten, die untersuchen, unter welchen Umständen bestimmte Inhalte in Friedensabkommen Einzug halten. Bisher erforscht nur eine sehr kleine Zahl von Studien, wann einzelne Bestimmungen in Friedensverträgen festgeschrieben werden. Jedoch beziehen sich diese Arbeiten kaum aufeinander und die Ergebnisse sind nicht in der Lage, den vollständigen Inhalt der Abkommen zu erklären. Somit fehlt ein übergreifender theoretischer und empirischer Ansatz, der erklärt wann und wie Akteure in zentralen und mutmaßlich kontroversen Themengebieten Kompromisse erzielen können. Zudem haben wir nur wenig Evidenz welche Variablen den Inhalt von Friedensabkommen beeinflussen. Dieses Projekt greift diese Forschungslücke auf, indem es eine theoretische Perspektive entwickelt und empirisch evaluiert, die den Inhalt von Friedensabkommen in verschiedenen Konflikten erklärt. Wir argumentieren, dass Vertragsinhalte davon abhängen, wie kontrovers der jeweilige Inhalt ist und wie hoch die Kompromissbereitschaft der Konfliktparteien ist. Wir führen das Konzept der compromise propensity als neue, empirisch bisher unbeachtete latente Variable ein, welche die Bereitschaft und Fähigkeit der Parteien widerspiegelt, Zugeständnisse zu machen. Mithilfe der Item-Response-Theorie (IRT) modellieren und testen wir unsere Theorie, indem wir die relative Schwierigkeit von Inhalten bestimmen und die Kompromissbereitschaft der Akteure messen. Unsere Theorie ermöglicht, den Inhalt von Friedensvereinbarungen mit Unterschieden im Konfliktkontext, -dynamik und der Beteiligung Dritter zu erklären. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der strukturelle Kontext des Konflikts Friedensprozesse und deren Inhalt wesentlich verändert. Wir weisen nach, dass umfassende Friedensverträge in territorialen Konflikten weniger häufig sind, da die zentralen Themen in diesen Konflikten deutlich kontroverser sind. Mediation scheint jedoch die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, auch schwierige Themen zu lösen. Wir zeigen empirisch, dass sich die latente compromise propensity und Vertragsinhalte über Konfliktereignisdaten mit akzeptabler Präzision vorhersagen lässt. Insbesondere der geografische Ort der Kämpfe ist hierbei ein guter Prädiktor. Darüber hinaus scheinen Sanktionen die compromise propensity bei nicht-territorialen Konflikten zu erhöhen, wirken sich aber möglicherweise negativ auf territoriale Konflikte aus. Unsere empirischen Ergebnisse verdeutlichen zudem, dass im Anschluss an umfassendere Friedensverträge (partial bzw. comprehensive agreements), die gemessene, latente compromise propensity Rückschlüsse auf die künftige Konfliktintensität gibt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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