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Wilhelm Gottlieb Beckers Werk „Der Plauische Grund“ (1799) und sein Beitrag zur deutschen Gartenhistoriografie

Fachliche Zuordnung Architektur, Bau- und Konstruktionsgeschichte, Bauforschung, Ressourcenökonomie im Bauwesen
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 448694461
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Wilhelm Gottlieb Becker (1753–1813) und sein Werk „Der Plauische Grund“ (1799/1, 1801/2) stehen im Mittelpunkt des Projekts. Die Forschung versucht, die Diskrepanz zwischen der Anerkennung Beckers im Kreis der zeitgenössischen Gelehrten und Aufklärer und seiner heutigen Rezeption aufzuheben: Er gehört zum Kreis jener Aufklärer, die im Bereich landschaftsbildender Ästhetik, Zukunftsmodelle entwickeln. Sein als markanter Meilenstein initiierter Prachtband „Der Plauische Grund“ versucht – zunächst einmal unter dem Bild des Landschaftsgartens – Ideen zusammenzuführen, durchbricht diese Idee jedoch und sieht in der ästhetischen Aufwertung einer vorhandenen, durch Natur und Menschen geprägten Landschaft die Möglichkeit, auch eine neue Gesellschaft zu formen. Das Zusammenspiel von Kunst, Gartenbau, Landwirtschaft, Naturgeschichte und -kunde, Gesellschaft usw. löst sich für ihn in der Landschaft auf, wenn es durch Ästhetik gehöht, verbessert und von wirklichen Reformen begleitet wird. Da die Abfassung seines Werks von 1792 bis 1799 vor dem Hintergrund der dramatischen Ereignisse der europäischen Politik geschieht, emanzipiert sich auch der Autor und lässt sein Werk ideengeschichtlich zwischen Möglichkeit und Utopie changieren. Im Sinne romantischer Entgrenzung steht in seinem Fokus nicht mehr der Garten, der vom Haus und der Herrschaft definiert wird, sondern die Idealisierung und die gemeinschaftliche Aneignung eines Landschaftsraums. Als auflagenorientierter Gesellschaftsautor – aber auch Kunstverständiger und arrivierter Gartenspezialist – merkt er, dass er hier nicht nur Traditionelles bedienen, sondern auch etwas Neues vorstellen und bewegen kann. Die erste Auflage verfehlt ihren Erfolg nicht, eine zweite folgt. Es ist nicht nur der „Reform-Kaiser“ Leopold II., sondern die Magnaten der Habsburger-Lande, die seine Ideen – wenn nicht widerspiegeln – so doch als für ihre Herrschaften maßgeblich erachten. Die Entwicklungen, die die napoleonische Politik in Europa hervorrief, aber auch der Tod Beckers 1813, ließen ihm keine Möglichkeit, seine Ideen weiterzuentwickeln. Am Ende blieben sie deshalb vielleicht nur Utopie. Diese holistische Sicht, die durch ihn gelegt wurde, war jedoch nach ihm nicht vergessen, sondern tauchte in der Generation seiner Nachfolger (Lenné, Vorherr, Pückler) aufgrund unterschiedlicher Hintergründe wieder auf. Sie formten aus dem Begriff der Beckerschen „Gartenlandschaft“ die Landesverschönerung, die bis heute ein Teil der Landschaftsplanung ist.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Wilhelm Gottlieb Beckers Der Plauische Grund (1799) als Schritt zu einer neuen Gartenästhetik. Vortrag bei Fachtagung "Zwischen Lex horti und Laissez-faire: Transgressionen im Garten der Vormoderne", Wernigerode 04.11.21
    Gottschalk, Anja & Köhler, Marcus
  • Wilhelm Gottlieb Beckers Werk 'Der Plauische Grund' (1799) und sein Beitrag zur deutschen Gartenhistoriografie. Vortrag im Rahmen des 13. Gartenhistorischen Forschungskolloquiums an der Leibniz Universität Hannover, Hannover 04.09.21
    Gottschalk, Anja
  • Harmonische Vielfalt, Mischung und Kontraste: Zu Wald und Gehölzen in Wilhelm Gottlieb Beckers ˈDer Plauische Grundˈ (1799), in: Dresdner Geschichtsverein (Hg.): Dresdner Hefte. Beiträge zur Kulturgeschichte, H. 151, Dresden 2022, S. 24–34
    Gottschalk, Anja
  • Leite mich demnach, du holde Schülerin der Natur, gefällige Kunst [...]: – Wilhelm Gottlieb Beckers Der Plauische Grund (1799), in: Die Gartenkunst, Jahrgang 34, Heft 1/2022, Worms 2022, S. 67–76
    Gottschalk, Anja
  • Die Genese der Verschönerungsprogrammatik in den Werken von Wilhelm Gottlieb Becker (1753–1813). Vortrag zum Doktorandenkolloquium TU Dresden/Bauhaus-Universität Weimar, Weimar am 14.07.23
    Gottschalk, Anja
  • Wilhelm Gottlieb Beckers Werk Der Plauische Grund (1799) und sein Konzept der Gartenlandschaften. Vortrag im Rahmen des internationalen Symposiums „Verschönerte Landschaften in Mittel- und Mittelosteuropa!“, TU Dresden am 31.03.23
    Gottschalk, Anja
  • Das Phänomen der verschönerten Landschaft im Überblick. Vortrag (Lehrimport) an der Professur für Denkmalpflege und Entwerfen, TU Dresden 07.11.24
    Gottschalk, Anja
  • Das Seifersdorfer Thal (1792) als Meilenstein im Wirken Wilhelm Gottlieb Beckers und Johann Adolph Darnstedts. Vortrag im Rahmen der Fachtagung Das Seifersdorfer Tal – Facetten einer gestalteten Landschaft, Radeberg am 19.04.24
    Gottschalk, Anja
  • Vorwort & Danksagung. AHA! Miszellen zur Gartengeschichte und Gartendenkmalpflege(9), 12-17.
    Gottschalk, Anja
  • Wilhelm Gottlieb Beckers "Der Plauische Grund" (1799) als Schritt zu einer neuen Gartenästhetik, in: Gutgesell, Natalie; Juranek, Christian; Ziegler, Hendrik (Hg.): Europäische Gärten der Vormoderne. Zwischen Ordnungswillen und Freiheitsdrang, Wettin-Löbejün 2024, S. 189–205
    Gottschalk, Anja & Köhler, Marcus
  • Wilhelm Gottlieb Beckers (1753–1813) Konzept der Gartenlandschaft als Schritt zu einer neuen Gartenästhetik um 1800. Vortrag im Rahmen der Reihe Hellgrün der Pückler-Gesellschaft e.V. Berlin, Berlin am 01.03.24
    Gottschalk, Anja
  • Wilhelm Gottlieb Beckers Beitrag zur Gartenkunst im ausgehenden 18. Jahrhundert. Vortrag im Rahmen einer Führung der Irish Georgian Society durch das Seifersdorfer Tal am 22.09.24
    Gottschalk, Anja
  • Wilhelm Gottlieb Beckers Werk »Der Plauische Grund« (1799) und sein Konzept der »Gartenlandschaften«. AHA! Miszellen zur Gartengeschichte und Gartendenkmalpflege(9), 18-43.
    Gottschalk, Anja
 
 

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