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Enaktive Wahrnehmung

Fachliche Zuordnung Biologische Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 449495537
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Wahrnehmung ist aktiv. Wir erkunden unsere Umgebung, indem wir uns bewegen. Wenn wir jedoch unseren Körper, unseren Kopf oder unsere Augen bewegen, erzeugen wir visuelle Reize auf der Netzhaut, die keine Bewegung in der Außenwelt widerspiegeln. Diese selbst erzeugten Reize, die von unseren Handlungen abhängen, müssen von Reizen unterschieden werden, die von Objekten in unserer Umgebung ausgehen. Im Projekt „Enaktive Wahrnehmung“ wurde die Frage, wie das Gehirn sensomotorische Kontingenzen verarbeitet, in sechs Experimenten untersucht. Die ersten beiden Experimente widmeten sich der selbst erzeugten visuellen Bewegung auf der Netzhaut bei der Ausführung von sakkadischen Augenbewegungen. Wir fanden Evidenz für eine neue Theorie, die erklärt warum wir die selbstproduzierte visuelle Bewegung nicht sehen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das sensomotorische System an die wiederholte Exposition gegenüber intra-sakkadischer visueller Bewegung gewöhnt. Wir trennen also die selbst erzeugte visuelle Bewegung von der externen Bewegung, da erstere vollkommen vorhersehbar ist und daher vernachlässigt wird. Durch die Ausführung von Sakkaden verändern wir auch die Beziehung zwischen unserer internen Repräsentation des Raums und dem externen Raum. In Experiment 3 wurde die visuelle Lokalisierung von Objekten im Raum um den Zeitpunkt der Sakkadenausführung herum gemessen. Wir stellten die Hypothese auf, dass Vorhersagen über die selbst erzeugte visuelle Bewegung während einer Sakkade auch die Fehllokalisierung erklären könnten. Unsere Experimente haben diese Hypothese jedoch nicht bestätigt. Sensomotorische Kontingenzen, die während kombinierter Augen-Kopf-Bewegungen auftreten, wurden in Experiment 4 in einem Virtual-Reality-Setup untersucht. In kopfgetragenen Displays konnten wir die Geschwindigkeit der selbst erzeugten visuellen Bewegung, die während einer Kopfbewegung auftritt, manipulieren. Wir fanden heraus, dass die Teilnehmer ihr Gefühl der visuellen Stabilität, d.h. ihre Dissoziation zwischen selbst erzeugter und externer Bewegung, von Versuch zu Versuch neu kalibrierten. Experiment 5 befasste sich mit sensomotorischen Kontingenzen bei zielgerichteten Greifbewegungen. Wenn wir einen Knopf drücken, um einen Ton zu erzeugen, nehmen wir eine taktile Stimulation wahr, wenn wir das Objekt berühren, und wir erzeugen eine auditive Empfindung. Unsere Ergebnisse zeigten, dass die Aufmerksamkeit, die bei der Verarbeitung der Berührungsempfindung auf die taktile Modalität gelenkt wird, die sensorische Abschwächung für den selbst erzeugten Ton erklärt. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse des Projekts „Enaktive Wahrnehmung“, dass das sensomotorische System sensomotorische Kontingenzen vorhersagt, die bei Augen-, Kopf- und Greifbewegungen auftreten. Diese Vorhersagen sorgen für Wahrnehmungsstabilität, indem sie die Verarbeitung von selbst erzeugten sensorischen Reizen reduzieren.

Link zum Abschlussbericht

https://psycharchives.org/en/item/06553d4e-b625-4f4a-a390-3d809352b508

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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