Gymnasien und athletische Kultur im Westen und Süden Kleinasiens in Hellenismus und Kaiserzeit
Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Training und Wettkämpfe (Agone) mit nacktem Körper (gymnós) galten schon in der Antike als charakteristisches Merkmal griechischer Lebensweise. Agone sind seit dem 8. Jh. v.Chr. belegt, Gymnasien als spezielle Trainingsplätze jedoch erst seit dem 5. Jh. Im 4. Jh. begannen die griechischen Städte (Poleis), die Gymnasien zu öffentlich finanzierten, von Magistraten geleiteten Institutionen auszubauen. Ein wichtiges Motiv dafür war die Einführung der Ephebie, einer Ausbildungszeit für Bürgersöhne, die in den Gymnasien vor allem für den Kriegsdienst übten, sich aber auch mit Geschichte, Kulten und politischen Praktiken ihrer Polis vertraut machten. Als Orte des Trainings, der Bildung, der gesellschaftlichen Begegnung und der Einübung politischer Werte für alle Altersgruppen wurden die Gymnasien zu einem Symbol bürgerlichen Lebens und blieben auch unter römischer Herrschaft ein unverzichtbares Element griechischer Städte. Als „Bürgerschulen“ standen sie in einer engen Wechselbeziehung mit den langfristigen Entwicklungen der Poleis, die sie teils abbildeten, teils beförderten. Die Beschäftigung mit ihnen führt deshalb zu einer zentralen Frage, die auch heutige politische Systeme beantworten müssen: wie bürgerliche Werte in öffentlichen Bildungseinrichtungen so vermittelt werden können, dass politische Stabilität und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden. Das Projekt hatte zum Ziel, Gymnasien und Agone erstmals über ihre gesamte Geschichte vom 4. Jh. v.Chr. bis zum 4. Jh. n.Chr. und auf Grundlage aller verfügbaren epigraphischen und archäologischen Quellen zu untersuchen. Dafür wurde ein Raum im westlichen und südlichen Kleinasien mit den vorgelagerten Inseln ausgewählt, der eine günstige Quellenlage bietet und Regionen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund umfasst. Gegenüber der bisherigen Forschung ergibt sich ein viel differenzierteres Bild, da erhebliche regionale Unterschiede von Entwicklungsrhythmen, organisatorischer Differenzierung, Ausbaugrad und Leistungsfähigkeit der Gymnasien zu beobachten sind. Die frühesten Belege für öffentliche Gymnasien setzen in Kleinasien um 300 v.Chr. ein, ähnlich früh wie im griechischen Mutterland. Im 4./5. Jh. n.Chr. verschwanden Gymnasien und Agonistik in einem allmählichen Prozess, inschriftliche Nachweise der traditionellen gymnasialen Institutionen setzen aber bereits im 3. Jh. aus. Um die Grundlagen generalisierender Aussagen transparent zu machen, wurde die geographische und chronologische Verteilung der Quellen sorgfältig erfasst. Das Quellenmaterial wurde in einer Datenbank zugänglich gemacht, die weiter vervollständigt wird. Ausstellungen in Bordeaux und München präsentierten das Projekt, das auch in einem zweisprachigen Begleitbuch dargestellt wurde. Die als Abschlusspublikation vorgesehene Monographie befindet sich in Bearbeitung.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
-
Gymnasia and Baths. The Oxford Handbook of Greek Cities in the Roman Empire, 370-385. Oxford University Press.
Bernini, Julie
-
Mehr als nur Sport. GymnAsia in der Antike. München 2024. 144 S.
P. Fröhlich – M. Pichler & Chr. Schuler (Hg.)
-
Aux origines des Jeux Olympiques. GymnAsia. Concours et culture athlétiques dans l’Antiquité grecque, Bordeaux, Éditions Ausonius 2025. 144 p. (2., korr. Auflage)
P. Fröhlich – M. Pichler & Chr. Schuler (Hg.)
