Detailseite
Projekt Druckansicht

Zur Korrektur negativer Erwartungen bei Personen mit depressiver Symptomatik - Eine experimentelle Untersuchungsreihe

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 449791349
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Personen mit depressiver Symptomatik haben Schwierigkeiten damit, etablierte negative Sichtweisen zu korrigieren, wenn sie neue positive Erfahrungen machen. Als ein neuer Mechanismus dieser ungünstigen Informationsverarbeitung wird der Prozess der kognitiven Immunisierung diskutiert: Demnach werden positive Erfahrungen, die negativen Erwartungen widersprechen, nachträglich abgewertet oder umgedeutet. Ziel des Projekts war es, in zwei experimentellen Studien den Einfluss von kognitiver Immunisierung auf die Korrektur negativer Erwartungen bei Menschen mit Depressionen genauer zu untersuchen. Dazu wurden etablierte experimentelle Paradigmen der Depressionsforschung verwendet, die für dieses Projekt leicht abgewandelt wurden: In Studie 1 wurde die Veränderung negativer Leistungserwartungen durch positives Leistungsfeedback untersucht, während in Studie 2 die Veränderung negativer Zukunftserwartungen und Therapieerwartungen durch positive Erfahrungsberichte anderer Patient:innen betrachtet wurde. In beiden Studien wurde kognitive Immunisierung in einer expermentellen Bedingung gefördert, in einer anderen gehemmt. Zusätzlich gab es eine Ablenkungskontrollbedingung und eine Kontrollbedingung ohne Instruktion. Als zusätzliche Fragestellung wurde für beide Teilprojekte untersucht, ob es Unterschiede zwischen Menschen mit episodischer (MDE) vs. persistierender depressiver Störung (PDD) in der Veränderung negativer Erwartungen und im Ansprechen auf die jeweiligen experimentellen Manipulationen gibt. In Studie 1 wurden 139 Personen mit diagnostizierter depressiver Störung eingeschlossen (davon n = 63 mit MDE und n = 76 mit PDD). Die Ergebnisse zeigen, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen in den experimentellen Gruppen hinsichtlich der Veränderung negativer Leistungserwartungen gab. In Studie 2 (N = 156, davon n = 102 mit MDE und n = 54 mit PDD) zeigte sich insgesamt ebenfalls kein signifikanter Unterschied zwischen den experimentellen Bedingungen in der Veränderung negativer Zukunftserwartungen, wobei es hier unerwarteterweise Geschlechtsunterschiede gab. Bezüglich des Vergleiches von MDE vs. PDD zeigten sich keine signifikanten Unterschiede im Kontext von Leistungserwartungen (Studie 1), jedoch hinsichtlich der Veränderung von Therapieerwartungen (Studie 2): So passten Personen mit MDE ihre Therapieerwartungen nach Betrachten der positiven Erfahrungsberichte relativ stark an, während diese Veränderung bei Menschen mit PDD deutlich schwächer ausfiel. Die Ergebnsise von Studie 2 zeigen auch, dass Menschen mit PDD besonders stark auf die Manipulation zur Förderung von kognitiver Immunisierung reagierten und insbesondere in dieser experimentellen Bedingung ihre Therapieerwartungen sehr wenig veränderten. Die Projektergebnisse legen nahe, dass kognitive Immunisierung zwar durchaus ein relevanter Faktor hinsichtlich der ausbleibenden Korrektur negativer Erwartungen bei Depressionen sein kann, seine Bedeutung jedoch differenziert zu betrachten ist.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung