Fähigkeiten, Erwartungen und Persönlichkeit als Determinanten des fächerspezifischen Studienerfolges
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Persönlichkeitsmerkmale und ökonomische Präferenzen sind wichtige Faktoren für Bildung, Arbeitsmarkterfolg und viele weitere nicht-ökonomische Ergebnisgrößen. Angesichts der Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen insbesondere in der Bildung und im Arbeitsmarkt stellt sich die zentrale Frage, woher die markanten Unterschiede kommen, die man in diesen Dimensionen zwischen verschiedenen Studienbereichen und Berufen beobachtet. Einerseits gibt es zunehmend Hinweise auf eine Selbstselektion nach kognitiven und insbesondere nicht-kognitiven Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Andererseits könnten Persönlichkeitsmerkmale formbar sein, sodass Unterschiede in den Merkmalen zwischen Berufen auf unterschiedliche Umgebungseinflüsse zurückzuführen sein könnten. In den meisten Arbeiten zu Persönlichkeitsmerkmalen sowie zu Bildungs- und Arbeitsmarktergebnissen ist jedoch nicht vollständig klar, ob Unterschiede in Präferenzen und Merkmalen ein Ergebnis der Selbstselektion, der Arbeitsnachfrage nach spezifischen nicht-kognitiven Fähigkeiten oder der Umgebung sind, in der sich Beschäftigte und Studenten befinden. Zudem beruht die verfügbare Evidenz zur Selbstselektion oft auf Studien zu spezifischen Berufen, oder es werden sehr spezifische Persönlichkeitsmerkmale untersucht, was Fragen bzgl. der Generalisierbarkeit der Ergebnisse aufwirft. Vor diesem Hintergrund haben wir uns in diesem Projekt mit der Frage befasst, ob die unterschiedliche Verteilung von Persönlichkeitsmerkmalen und Präferenzen von Studierenden zwischen Studienfächern auf Selbstselektion zurückgeht oder ob die zu beobachtbaren Unterschiede auf die Formbarkeit von Persönlichkeit und Präferenzen unter den Gegebenheiten des gewählten Studiengangs zurückzuführen ist. Die Untersuchung beruht auf einer einzigartigen Kombination von Umfrage- und Registerdaten von mehreren Kohorten von Studierenden einer großen Universität in Deutschland. Der betrachtete Kontext ermöglicht es uns, die Selbstselektion in Studienrichtungen nach wirtschaftlichen Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen, die Beziehung zwischen Präferenzen, Persönlichkeitsmerkmalen und Bildungsergebnissen sowie die Formbarkeit der Präferenzen und Merkmale der Studierenden im universitären Kontext zu untersuchen. Unsere Hauptbefunde sind wie folgt: Erstens ist die anfängliche Selbstselektion entscheidend, um Unterschiede in der Persönlichkeit zwischen Studienfächern zu verstehen. Zweitens ist die Formbarkeit von Präferenzen und Merkmalen an der Universität eher gering ausgeprägt. Drittens sind Merkmale und Präferenzen in den verschiedenen Studienbereichen für die Vorhersage des akademischen Erfolgs unterschiedlich bedeutsam.
