Stoic Logic of Language With Chrysippus and Beyond
Final Report Abstract
Auch nach Chrysipp gab es in der Sprachlogik der Stoiker Neuerungen. Aber dass sich auf diesem Gebiet noch etwas Wesentliches getan hat und insbesondere das Verständnis der Prädikation vertieft wurde, bedarf eines Nachweises. Den sollte das Projekt durch den Aufweis zentraler Unstimmigkeiten der (vor-)chrysippeischen Sprachkonzeption erbringen, die zu beheben dringlich war, dazu durch den Aufweis, dass es in der Prädikationstheorie angesichts der überlieferten drei stoischen Definitionen des Prädikats in der Tat einen Fortschritt gab, und drittens durch eine Verknüpfung der beiden Stränge. Wegen der verkürzten Projektzeit waren aber Umplanungen erforderlich. Danach zeigte sich bald, dass die erwarteten Ungereimtheiten nicht in der Schärfe nachweisbar waren, die für die ins Auge gefassten Konsequenzen erforderlich gewesen wäre. Vor allem wäre es voreilig, die Prädikatdefinition Apollodors (DL 7,64) schon für einen deutlichen Fortschritt im stoischen Prädikationskonzept zu halten. Die Leitidee des Projekts musste daher anders verfolgt werden. Das geschah auf zwei Arten, die jede zu einer Online-Publikation führten. Erstens wurde ein Unterthema des Projektantrags aufgenommen: Zenon von Kitions Votum zu der alten Fairnessregel ›Audiatur et altera pars‹. Es prangerte nicht nur zeitgenössische Missstände an, sondern war auch eine grundsätzliche Kritik. Als solche forderte es in mehrerlei Hinsichten die Dialektik heraus. Diese Aspekte zusammenzufassend kann man sagen, Zenon habe taktvoll, aber mit Nachdruck dazu aufgefordert, im Gerichtswesen Urteilskraft zu pflegen. Wenn die Zusammenfassung stärker auf die Sprachlogik der Stoa abzielen und auf Diogenes von Babylon vorblicken soll, könnte sie lauten: Um gründlicher zu werden, müsse die Dialektik der ›Artikuliertheit‹ der Sprache besser gerecht werden, oder der ›Gegliedertheit‹ menschlicher Existenz. Zweitens wurden die Dialektik-Fragmente Diogenes von Babylons untersucht, des ersten bedeutenden Stoikers nach Chrysipp. Trotz seines Einflusses auf die Grammatiker gibt es von ihm nur wenige Fragmente zur Dialektik, vor allem in DL 7,55 ff., die wegen vieler begrifflicher Sprünge außerdem in schlechtem Zustand sind und in einer inhomogenen Umgebung stehen. Sie wurden also unter besonderer Beachtung der Umgebungsbedingungen studiert, mit dem Ergebnis, dass Chrysipps Beschreibung der Dialektik, sie betreffe das Bezeichnende und das Bezeichnete, für ihn selbst noch keine Gliederung des Fachs darstellte und für Diogenes kein fertiger Rahmen war, um seine Schrift Περὶ φωνῆς darin einzupassen. Die Stimme ist zwar etwas ›Bezeichnendes‹; aber was und wie sie ›bezeichnet‹, ist offen. Ihre Analyse ist begrifflich unübersichtlich, übergeht die Musikstimme und muss unter Beachtung weiterer Quellen neu aufgeschlüsselt werden, besonders mit Blick auf die ›Artikuliertheit‹ menschlicher Sprache. Diese ›Gliederung‹ könnte einen neuen Ansatzpunkt bieten, die Prädikation zu verstehen und anzugeben, was ›A bedeutet B‹ für Diogenes hieß. Er scheint die Unzulänglichkeit der üblichen Zugänge zu dieser Frage verstanden und sich nach einem neuen Ansatz umgetan zu haben. Das weiter zu erkunden, bleibt künftiger Forschung vorbehalten.
Publications
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Mit pfiffiger Logik gegen alte Weisheit? Zenon von Kition und die Regel ›Audiatur et altera pars‹. Konstanz 2023. (Umfang: V + 56 Druckseiten). Online-Publikation
Hülser, K.
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Diogenes von Babylons Fragmente zur Dialektik. Vorstudie im Hinblick auf eine neue Ausgabe. Konstanz 2024. (Umfang: VI + 91 Druckseiten). Online-Publikation
Hülser, K.
