Kompetenzentwicklung Großschreibung in der Sekundarstufe (KeGS)
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die satzinterne Großschreibung stellt bei Schüler*innen und Erwachsenen eine der Hauptfehlerquellen innerhalb der Orthographie dar, obwohl die Groß‐ und Kleinschreibung ab der Grundschule regelmäßig Thema des Rechtschreibunterrichts ist. Dabei dominiert ein wortartbasierter Vermittlungsansatz, nach dem Substantive großgeschrieben werden. So lernen Schüler*innen im zweiten Schuljahr, dass Namenwörter großgeschrieben werden, die Menschen, Tiere oder Gegenstände bezeichnen. Alternativen syntaxbezogenen Ansätzen zufolge wird der Kern einer Nominalgruppe (z. B. das laute Singen) unabhängig von der Wortartzugehörigkeit großgeschrieben. Zudem deuten Studien zu impliziten Lernansätzen darauf hin, dass sich ein kontrastiver Umgang mit syntaktischen Strukturen positiv auf die richtige Schreibung auswirken kann, ohne dass dabei Großschreibstrategien thematisiert werden. Ob eine syntaxbezogene Vorgehensweise in der Sekundarstufe wirksam ist, wie bei diesen Schüler*innen der Konzeptwechsel von einem wortartbezogenen zu einem syntaktischen Lernen am besten gelingen kann und welche Effekte implizite Lernbedingungen haben, wurde im Projekt "Kompetenzentwicklung Großschreibung in der Sekundarstufe" (KeGS) in einer Prä-Post-Follow-up-Interventionsstudie im 7. Schuljahr untersucht. Die Intervention fand mit digitalen Lernkursen in sechs Unterrichtsstunden statt. Untersucht wurde die differenzielle Wirksamkeit von vier didaktischen Ansätzen auf die produktiven und rezeptiven Kompetenzen der Schüler*innen. Insgesamt konnte in der KeGS-Studie die Effektivität einer syntaxbasierten Förderung der satzinternen Großschreibung bei Schüler*innen im siebten Schuljahr gezeigt werden. Es zeigt sich u. a., dass sich die Leistungen der Schüler*innen vom Prä- zum Posttest in allen Gruppen signifikant verbesserten. Insgesamt konnten die Schüler*innen der Interventionsgruppe ihre Großschreibfähigkeiten also genauso stark ausbauen wie die Schüler*innen der Kontrollgruppe. Beim syntaktischen Lesen steigerte die ‚implizite‘ Lerngruppe ihre Leistungen signifikant stärker als die Schüler*innen der wortartbezogenen Gruppe, die hier am schwächsten abschneidet.
