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Sibirischer Sprachbund: Wirklichkeit oder Schein? Die Suche nach gemeinsamen Rara

Antragsteller Dr. Mark Schmalz
Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 452731774
 
Ich schlage eine eingehende grammatische Untersuchung der sibirischen Sprachen vor, die zum Ziel die Feststellung von strukturellen Gemeinsamkeiten hat, die durch Kontakt zwischen unverwandten einheimischen Sprachen Sibiriens entstanden sind. Während aus vergleichenden Studien von verwandten sibirischen Sprachen beachtliches Wissen gewonnen werden konnte, sind verallgemeinernde Schlüsse über Sibirien vom Gesichtspunkt der Areallinguistik bisher kaum gezogen worden und dazu gegenteilig. Obgleich bezüglich dessen, ob Sibirien einen Sprachbund darstellt, unter Gelehrten Meinungsverschiedenheit herrscht, zeugen die Daten aus den Kontaktzonen in Sibirien von gegenseitiger sprachlicher Beeinflussung, die in manchen Fällen seltene strukturelle Typen hervorgebracht hat. Das Ziel dieses Vorschungsvorhabens besteht darin, Kontakterscheinungen in vier solchen Kontaktzonen zu untersuchen, um eine Aussage darüber treffen zu können, ob sie einen Nachweis für die Annahme von Mikrosprachbünden in Sibirien liefern bzw. die Vorstellung untermauern, das ganze Sibirien sei ein Sprachbund, die in der letzten Zeit Gegenstand akademischer Debatte geworden ist. Das hauptsächliche im Projekt anzuwendende methodologische Prinzip ist die Einschätzung der typologischen Markiertheitsgrades der festgestellten gemeinsamen strukturellen Zügen, der als Maß zur Unterscheidung von echten arealen Zügen und zufälligen Ähnlichkeiten dienen soll, da es unwahrscheinlich ist, dass seltene Eigenschaften in mehreren Sprachen unabhängig entstehen. Die untersuchten Kontaktzonen werden nach vier Parametern bewertet: allgemeiner Entlehnungswahrscheinlichkeit, Kontaktintensität sowie Sprachbeteiligung und Merkmalsprominenz. Diese werden jeweils folgende Gegebenheiten widerspiegeln: die Wahrscheinlichkeit, dass eine gegebene Kontaktzone tatsächlich auch ein Sprachbund ist, den wahrscheinlichen Grad der Intensität des Sprachkontakts darin und den relativen Beitrag der Mitgliedsprachen sowie der diagnostischen Merkmale zum arealen Charakter der untersuchten Kontaktzone. Außerdem wird vorgeschlagen, wie die taxonomischen/geographischen Grenzen von Sprachbünden aufgrund ihrer Merkmalssätze festgestellt werden können.Es wird davon ausgegangen, dass diese Methode eine Möglichkeit zur einwandfreien Identifizierung und zum konsequenten Vergleich von Sprachbünden bieten wird, was auf der Grundlage der Data aus dem als Referenz dienenden Balkansprachbund und dem festlandsüdostasiatischen Sprachbund überprüft wird.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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