Detailseite
Projekt Druckansicht

Territorialisierung in der Belarusischen Sozialistischen Sowjetrepublik: Verschiebungen von Grenzverläufen und Maßnahmen zur Flächendurchdringung von 1918 bis 1941

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 454283236
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das DFG-Projekt „Territorialisierung in der Belarusischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Verschiebungen von Grenzverläufen und Maßnahmen zur Flächendurchdringung von 1918 bis 1941“ thematisiert neben der Verwaltung des Landes auch die Identität seiner Bewohner. Es versteht sich damit als Beitrag zur Lösung der „belarusischen Frage“. Mangels eindeutiger Kriterien zur Bestimmung der Grenzen und der Fläche des Landes stellte die Belarus nach dem Ersten Weltkrieg einen europäischen Sonderfall dar. Es gab vor den in der Zwischenkriegszeit fünf Mal erfolgten Grenzverschiebungen keine verbindliche Übereinkunft über die geografischen Randgebiete dieses Landes. Die Zugehörigkeit von Territorien zu einem Land namens Belarus ließ sich mangels verlässlicher Indikatoren wie historischer, religiöser, sprachlicher, ethnischer, agrarverfassungsrechtlicher, wirtschaftsgeografischer oder naturräumlicher Grenzen nur schwer legitimieren. Ausschlaggebend waren machtpolitische Argumente und Faktoren. Gerade deshalb erfolgten Grenzziehungen aller Größenordnung willkürlich. Die Repräsentanten der Nationalbewegung und die Angehörigen der Kommunistischen Partei setzten dort auf eine politische Entität Belarus, wo mehrheitlich Belarus:innen lebten. Angestrebt wurde ein Nationalstaat bzw. eine ethnisch definierte Sowjetrepublik. Doch war bei der Imaginierung, Kartierung und Kreierung einer belarusischen Entität unklar, wer überhaupt der belarusischen Ethnie angehörte. Aufgrund der Sprache konnten einzig gegenüber der litauischen und der lettischen Ethnie eindeutige Unterscheidungen getroffen werden. Da sich die belarusischen Territorien zudem nicht naturräumlich abgrenzen ließen, taugte die Geografie ebenfalls nicht zur Containerbildung. Vielmehr erfolgte die Schaffung des belarusischen Territoriums durch einen Verwaltungsakt „von oben“: Fortan zählten diejenigen zu den Belarusinnen und Belarusen, die durch die BSSR repräsentiert wurden. Letzten Endes verdankte die BSSR nicht nur ihre Existenz, sondern auch ihre sukzessive Vergrößerung der Tatsache, dass ihre Nachbarn in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg eine belarusische Entität nicht ernst genommen hatten. In der Tat vertraten die Akteure belarusischer Politik im Zeitalter des Imperialismus keinerlei irredentischen Ziele. Gerade diese Unscheinbarkeit, das „Unpolitische“ der belarusischen Ethnie trug zum Erfolg, zur kaum bemerkten Etablierung eines belarusischen Territoriums und schließlich eines autonomen Staates bei.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Übersicht über verschiedene Transliterationen des Belarusischen von der kyrillischen Schrift in die Lateinische, 18.12.2020
    Diana Siebert:
  • Border Demarcations, Territory and the Potential for Conflict in the Belarusian Socialist Soviet Republic: Theses on Territorialization between 1918 and 1941. In: Analysing conflict settings. Case studies from Eastern Europe with a focus on Ukraine. Ed. by Andrea Gawrich, Peter Haslinger and Monika Wingender. Wiesbaden 2022, S. 261-278
    Diana Siebert & Thomas M. Bohn
  • Die Territorialisierung der Belarus als BSSR, 1918-1941. Politische Willkür, Geografismus oder Ethnizismus? 480 Seiten, angenommen vom Harrassowitz Verlag Wiesbaden für die Reihe „Historische Belarus-Studien”
    Diana Siebert
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung