Netzwerk Offenes Mittelalter
Angewandte Sprachwissenschaften, Computerlinguistik
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Im Rahmen des Netzwerks wurde das Potenzial von LOD für die mediävistische Forschung aus interdisziplinärer Perspektive ausgelotet. In sechs thematisch fokussierten Treffen diskutierten die Mitglieder des Netzwerks gemeinsam mit weiteren Expert:innen zentrale Herausforderungen der Erschließung historischer Artefakte, insbesondere mit Blick auf den Umgang mit Multimodalität, Fuzziness und der Nachhaltigkeit der eingesetzten Verfahren. Ein zentrales Ergebnis ist die Einsicht, dass sich durch den Einsatz gemeinsamer Standards und offener Datenformate nicht nur historische Überlieferung verdichten lässt, sondern auch neue Anwendungen im Bereich des maschinellen Lernens (z. B. Wissensgraphen oder Retrieval-Augmented Generation) möglich werden. Besonders betont wurde dabei die Rolle der Mediävistik als Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und Informatik. Darüber hinaus ist es gelungen, die Potenziale digitaler Methoden in die mediävistische Fachcommunity hineinzutragen und deren Relevanz sichtbar zu machen. Im Rahmen der Netzwerkaktivitäten konnten zudem ECR gezielt eingebunden und nachhaltig gefördert werden. Neben zahlreichen Publikationen und Outreach-Aktivitäten hat das Netzwerk Kooperationen angestoßen und Akteur:innen aus verschiedenen Fachcommunitys zusammengebracht. Die entstandenen Kontakte und der intensive Austausch tragen langfristig zur besseren Sichtbarkeit und digitalen Vernetzung mediävistischer Forschung bei. Trotz pandemiebedingter Einschränkungen konnten alle Aktivitäten des Netzwerks wie geplant umgesetzt werden, zunächst vollständig digital. Die eigens entwickelte Covid-Strategie erwies sich als vorteilhaft: Internationale Expert:innen konnten unkompliziert eingebunden und Teilnahmehürden deutlich gesenkt werden. Im Projektverlauf kam es zu Veränderungen in der Zusammensetzung, bedingt durch die strukturell unsicheren Beschäftigungsverhältnisse vieler ECR. Gleichzeitig entstanden zusätzliche, teils unerwartete Impulse - etwa die Bildung neuer Arbeitsgruppen zu Digitalen Editionen und Game Studies. Darüber hinaus entwickelten sich aus der Zusammenarbeit neue Konzepte zur nachhaltigen Sicherung von Forschungsdaten und zur Verknüpfung heterogener Datenbestände. Besonders fruchtbar erwies sich das Zusammendenken von LOD-Anwendungen mit KI-gestützten Verfahren, etwa zur kritischen Analyse und Einordnung bestehender Korpora.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
-
Eindeutig Uneindeutig. Zur Modellierung von Unschärfe in der Mediävistik, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte
Luise Borek, Katharina Zeppezauer-Wachauer & Nora Ketschik
-
Zotero-Bibliografie zur MHDBDB-Textreihentypologie als open library
Katharina Zeppezauer-Wachauer; Marco Heiles; Julia Höpfner & Leonie Weiß
-
Eine digitale Geschichte der germanistischen Mediävistik. Keynote des Workshops „Schnittstelle Mediävistik“ vom 3. und 4. April 2023. Salzburg
Andrea Rapp
-
Eine digitale Textreihentypologie für deutschsprachige Texte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Showcase eines kontrollierten Vokabulars in SKOS. in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 6 (2023), S. 6–39
Katharina Zeppezauer-Wachauer und Marco Heiles, unter Mitarbeit von Julia Höpfner & Leonie Weiß
-
Normdaten in den Geisteswissenschaften. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, 53(3), 781-796.
Busch, Nathanael & Müller, Diana
-
Textreihen. Eine digitale Textreihentypologie der historischen Wissens- und Gebrauchsliteratur als LOD. Vortrag im 7. HWGL-Abendkolloquium des Netzwerks Historische Wissens- und Gebrauchliteratur e.V., digitale Veranstaltung über Zoom, 22.06.2023
Marco Heiles & Katharina Zeppezauer-Wachauer
-
Workshop „Schnittstelle Mediävistik“ im Rahmen des DFG-Netzwerks „Netzwerk Offenes Mittelalter“ zu Linked Open Data, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte, 18. Mai 2023
Alan Lena van Beek & Luise Borek
-
Methodenkritik. Einblicke und Lessons Learned im Umgang mit Linked Open Data, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte
Nora Ketschik & Max Grüntgens
-
Github-Tutorial: CSV/XML to RDF
Christopher Pollin
-
mhdbdb text series – Textreihentypologie: controlled vocabulary in SKOS. Vocabulary to represent Middle High and Early Modern German text series
Katharina Zeppezauer-Wachauer; Marco Heiles; Julia Höpfner & Leonie Weiß
-
Themenheft Schnittstelle Mediävistik. Luise Borek, Karoline Döring, Nora Ketschik und Katharina Zeppezauer-Wachauer (Hg., 2025): Schnittstelle Mediävistik. Kollaborationen der Mittelalterforschung im digitalen Zeitalter. Heidelberg: Heidelberg University Publishing (Das Mittelalter 30(1))
Luise Borek
