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Aufklärung des Einflusses der Mikrostruktur auf die oxidative Langzeitkorrosion von Urandioxid: Ein fundamentaler Ansatz von der Synthese und Korrosion bis hin zur Elektronenmikroskopie und atomistischer Simulation an vereinfachten Modellsystemen

Fachliche Zuordnung Glas und Keramik und darauf basierende Verbundwerkstoffe
Mechanische Eigenschaften von metallischen Werkstoffen und ihre mikrostrukturellen Ursachen
Mineralogie, Petrologie und Geochemie
Thermodynamik und Kinetik sowie Eigenschaften der Phasen und Gefüge von Werkstoffen
Förderung Förderung von 2021 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 455439961
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersuchte den Einfluss von Lanthanoid-Dotierung und Mikrostruktur auf die oxidative Korrosion von UO₂-basierten Modellsystemen. Im Fokus stand die Hypothese, dass Korngrenzen entscheidend zur Gesamtkorrosion beitragen. Dotierte UO₂-Keramiken wurden hergestellt und im Detail analysiert. Die Korngrenzen sowie die Orientierung der Körner wurden mithilfe von klassischer Rasterelektronenmikroskopie (REM), Mikroelementanalytik (energy dispersive X-ray analysis, EDX) und Elektronenstrahlrückstreubeugung (electron backscatter diffraction, EBSD) analysiert, um ihren Einfluss auf die Auflösung zu untersuchen. Für hochauflösende Detailanalysen wurde fortgeschrittene Transmissionselektronenmikroskopie (TEM) eingesetzt. Im Rahmen des Projekts ist es gelungen, Proben mit bis zu 99% der theoretischen Dichte zu erzeugen, mit abnehmender Porosität der Keramiken abhängig vom Dotierungsgrad, sowohl bei Nd- als auch bei Gd-Dotierung. Die Analyse der Korngrößenverteilungen zeigte erst bei der höchsten Gd- und Nd-Dotierung (8 at.-% bezogen auf U) eine Verkleinerung der Bandbreite der Korngrößenverteilung. EBSD-Untersuchungen der Kornorientierungen ergaben typische Orientierungen der Körner für das kubische System bei allen Proben. Auch die Korngrenztypen und ihre statistische Häufigkeit war bei allen Proben ähnlich. Aufgrund ihrer Relevanz für die Simulationen wurden spezielle kohärente (coincident site lattice, CSL) Korngrenzen des reinen UO2 detailliert untersucht, die aber lediglich Kohärenz in Bereichen von weniger als 100 nm aufwiesen. Zufällig gewählte Korngrenzen mit einem hohen Missorientierungswinkel wiesen sowohl in reinem UO2 als auch in dotierten Proben ein Urandefizit auf. Bei den dotierten Proben trat an dieser Stelle zusätzlich eine Anreicherung von Nd oder Gd auf. Beschleunigte Auflösungsexperimente in H2O2 zeigten einen abnehmenden Grad der Auflösung mit zunehmender Dotierung, mit einer höheren Stabilität der Nd-dotierten Proben im Vergleich zu den Gd-dotierten. Elektronenmikroskopische Beobachtungen konnten einen Zusammenhang zwischen der Reaktivität von Korngrenzen, Oberfläche und Dotierungsgrad herstellen. Zusätzlich wurden atomistische Simulationen von Korngrenzen durchgeführt, um die Defektthermodynamik zu bestimmen. Da UO2 in der Regel einen Sauerstoffüberschuss aufweist, wurden zwei Defektmodelle in Betracht gezogen: U5+-Kationen, deren Ladung durch (i) Sauerstoffzwischengitterionen oder (ii) Uranleerstellen kompensiert wird. Segregationsenergien dieser Defekte wurden an einer bestimmten Korngrenze bestimmt; die daraus resultierenden Daten wurden als Input für Kontinuumssimulationen verwendet. Aus den Ergebnissen wurde ein Mechanismus für die bevorzugte oxidative Korrosion von Korngrenzen vorgeschlagen: U5+-Kationen sind in und in der Nähe der Korngrenze angereichert. Daraus wurde auch ein Weg zur Abschwächung der Korngrenzkorrosion vorgeschlagen: die Dotierung von UO2 mit Akzeptorkationen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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