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Von Admiral bis Zebrafink. Tiere und Tierlaute in der Musik nach 1950

Antragstellerin Susanne Heiter
Fachliche Zuordnung Musikwissenschaften
Förderung Förderung von 2021 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 457789113
 
Ausgehend von einer Sammlung von etwa 150 Kompositionen, Improvisationen, Klanginstallationen, Happenings und Performances wird die kompositorische Arbeit mit Tieren und Tierlauten zwischen 1950 und 2017 aus analytischer und historischer Perspektive untersucht. Als zentral erweisen sich zwei Themen, die in diesen Werken verhandelt werden: Erstens entstehen Thesen darüber, was Musik sei, wenn die Lautäußerungen von Tieren so benannt werden – und das passiert auch dann, wenn sie in andere, menschliche Klangumgebungen einkomponiert sind.Zweitens werden Thesen darüber gebildet, welche Fähigkeiten nötig seien, um eine solche Musik zu produzieren und über welche dieser Fähigkeiten Tiere verfügen, oder – im Unterschied zum Menschen – eben nicht verfügen. Beide Begriffsfelder sind allerdings äußerst diffus: Weder die Frage, was Musik sei, noch die Frage, über welche musikbezogenen Fähigkeiten Tiere verfügen, kann allgemeingültig beantwortet werden. Die Unschärfe in beiden Feldern eröffnet einen Deutungsspielraum, der in Musikstücken, in denen Musiker mit Tieren oder mit deren Lautmaterial arbeiten, stets auf neue, sehr produktive Weise abgetastet wird.Im ersten Teil der Arbeit werden etwa dreißig Werke hinsichtlich der Bedingungen untersucht, die es ermöglichen, mit lebenden Tieren, mit auf Tonträgern aufgezeichneten Tierstimmen oder mit der Nachahmung des (Laut-)Verhaltens von Tieren zu arbeiten, um aus dem jeweiligen Gefüge aus Akteuren, Klängen und Paratexten die vorgängige Konzeptualisierung von ‚Musik‘ und ‚Tier‘ herauszupräparieren.Im zweiten Teil werden dieselben Werke historisch und gesellschaftlich kontextualisiert. Innerhalb des Untersuchungszeitraums lässt sich dabei eine charakteristische Verschiebung der Gewichtung der beiden Fragen nach dem Wesen der Musik und der Musikalität der Tiere ausmachen, die an drei historischen Phasen gezeigt wird: Erstens stand in den 1950er und 60er Jahren die Frage nach den Grenzen von Musik und die Suche nach neuen kompositorischen Materialien und Techniken im Mittelpunkt. Zweitens wirkten sich die Ende der 1960er Jahre eingeleiteten gesellschaftlichen Umbruchprozesse – insbesondere auch die Umweltbewegung – auch auf die Wahrnehmung von Tieren und die künstlerische Arbeit mit ihnen aus. In aktuellen Werken werden drittens Tierlaute vermehrt als individualisierte Äußerungen begriffen, deren Musikalität und Kunstcharakter untersucht werden kann. Längst herrscht Konsens darüber, dass man zwar mit Klängen jeder Art komponieren kann und es steht zur Diskussion, inwiefern die Laute und Gesänge einzelner Tierarten selbst Musik sind. Diese Frage wurde im 20. Jahrhundert wiederholt in verschiedenen Wissensfeldern diskutiert. Vor dem Hintergrund der wissenschafts- und ideengeschichtlichen Entwicklungen können viele der neueren Werke mit Tieren daher als Beitrag zu einem interdisziplinären Diskurs an der Schnittstelle zwischen Ornithologie und Bioakustik, Musikwissenschaft und Musikpraxis gedeutet werden.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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