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Hü und hott unter Stress – neurohormonelle Moderatoren von offenbarten Präferenzen

Fachliche Zuordnung Biologische Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 458314306
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Wir untersuchten die Auswirkungen von Stress und stressrelatierten Neuromodulatoren auf die ökonomische Rationalität und soziale Präferenzen. Ein Hauptziel war es, festzustellen, ob Stress ökonomische Präferenzen in einem Maße verändert, dass die interne Entscheidungskonsistenz als Goldstandard für ökonomische Rationalität reduziert wird. Interne Konsistenz wurde mit dem sog. Critical Cost Efficiency Index (CCEI) gemessen. Unsere Ergebnisse zeigten, dass weder psychosozialer Stress noch die pharmakologische Beeinflussung des Stresssystems mit Hydrocortison und Yohimbin einen signifikanten Einfluss auf Rationalität oder Entscheidungskonsistenz hatten. Während explorative Ergebnisse auf einen schwachen Zusammenhang zwischen chronischem Stress und geringerer Entscheidungskonsistenz hinwiesen, war die allgemeine Schlussfolgerung, dass akuter Stress ökonomische Rationalität nicht beeinträchtigt. Um zu verstehen, warum wir keine Auswirkungen von Stress oder Stress-Neuromodulatoren auf die Entscheidungskonsistenz nachweisen konnten, haben wir die Reliabilität des CCEI und verwandter Rationalitätsindizes bestimmt. Die Analyse mehrerer Datensätze mit über 1.600 Teilnehmern ergab, dass die am häufigsten verwendeten Rationalitätsindizes, einschließlich des CCEI, eine geringe Test-Retest-Zuverlässigkeit aufweisen. Wir stellten fest, dass die Varianz der Rationalitätsindizes im Prinzip nicht interpretierbar war. Dies stellt ihre Verwendbarkeit als Trait Measure in der verhaltensökonomischen Forschung in Frage, was erklären könnte, warum wir keine Auswirkungen von Stress auf die Rationalität feststellen konnten. Des Weiteren untersuchten wir, wie Stresshormone soziale Präferenzen beeinflussen, insbesondere soziale Entscheidungen in Gruppenkonflikt-Situationen. Eine placebokontrollierte psychopharmakologische Studie ergab, dass Cortisol altruistisches Verhalten gegenüber Mitgliedern der eigenen Gruppe förderte und so die sozialen Bindungen zwischen Gruppenmitgliedern stärkte, während Noradrenalin den sogenannten parochialen Altruismus verstärkte und die Teilnehmer dazu brachte, einer Outgroup finanziellen Schaden zuzufügen. Diese Ergebnisse stellen die traditionelle Dichotomie in Frage, dass Stress entweder Fight-or-Flight- oder affiliatives Verhalten (tend-and-befriend) fördert, und legen stattdessen nahe, dass beide Reaktionen gleichzeitig auftreten können, je nach Kontext und der besonderen Zusammensetzung der neurohormonellen Stressreaktion. Unsere Ergebnisse haben Implikationen für das Verständnis der Neurobiologie von Gruppenkonflikten: Sie können erklären, warum soziale Gruppen in Konfliktsituationen häufig intern einen stärkeren Zusammenhalt entwickeln, während sie gegenüber Außenstehenden eine erhöhte Feindseligkeit zeigen. Insgesamt deuten die Forschungsergebnisse darauf hin, dass Stress zwar keinen signifikanten Einfluss auf ökonomische Rationalität hat, jedoch soziale Präferenzen beeinflusst, insbesondere im sozialen Gruppenkontext. Entscheidend ist, dass unsere Ergebnisse die Reliabilität ökonomischer Rationalitätsmaße in Zweifel ziehen und ihre Nützlichkeit als individuelle Trait Measures der Rationalität in Frage stellen. Diese Erkenntnisse tragen zu einem tieferen Verständnis der neurobiologischen Mechanismen bei, die prosozialem Verhalten und Entscheidungsfindung unter Stress zugrunde liegen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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