Zukunftsethik, Kontraktualismus und gerichtete Pflichten
Zusammenfassung der Projektergebnisse
In diesem Projekt wurde untersucht, inwiefern wir gerichtete Pflichten gegenüber künftigen Personen haben und ob der moralische Kontraktualismus eine tragfähige theoretische Grundlage solcher Pflichten ist. Der moralische Kontraktualismus versteht Moralität als hypothetisches Einverständnis zwischen vernünftigen Akteuren in einem Verhältnis gegenseitiger Anerkennung. Handlungen sind diese Ansicht zufolge moralisch falsch, wenn die Prinzipien, welche die Handlung erlauben, von den betroffenen Individuen vernünftigerweise zurückweisbar sind. Ist der moralische Kontraktualismus grundsätzlich geeignet, Pflichten gegenüber künftigen Personen zu begründen, und wenn ja, was folgt hieraus für ihre Ansprüche? Das Projekt hat gezeigt, dass sich T. M. Scanlons moralischer Kontraktualismus als eine plausible Ethik dessen, was wir zukünftigen Generationen schulden, verteidigen lässt. Es wurde gezeigt, dass der Scanlonsche Kontraktualismus plausible Antworten auf wichtige Herausforderungen der Zukunftsethik liefert, wie etwa die sogenannte Asymmetrie, die abstoßende Folgerung und den Longtermismus. Zudem hat dieses Projekt gezeigt, dass sich auch das Nichtidentitätsproblem lösen lässt. Hierfür hat das Projekt zunächst systematisch mögliche Lösungsansätze für das Nichtidentitätsproblem aus Perspektive des moralischen Kontraktualismus identifiziert und kritisch diskutiert. Der sogenannte Typenansatz und der nicht-komparative Wohlergehensansatz wurden zurückgewiesen und gezeigt, dass diese keine geeignete Grundlage gerichteter Pflichten im Kontraktualismus darstellen. Aus dieser Diskussion ließ sich schließen, dass nicht-komparative Einwände zwar eine vielversprechende Basis für die Begründung gerichteter Pflichten sind. Allerdings kann hierbei nicht das absolute Wohlergehen der betroffenen Personen einschlägig sein, sondern wir sollten stattdessen Gründe der Zurückweisung jenseits des Wohlergehens heranziehen. Auf dieser Erkenntnis aufbauend wurde eine neue Scanlonsche Antwort auf das Nichtidentitätsproblem entwickelt und verteidigt, welche auf Fairness basiert. Dieser Sichtweise zufolge schulden wir zukünftigen Generationen einen fairen Umgang mit natürlichen Ressourcen, welcher ihren und unseren Interessen an diesen natürlichen Ressourcen das gleiche Gewicht gibt. Daraus ergibt sich, dass zukünftige Generationen einen Einwand gegen die Übernutzung natürlicher Ressourcen haben, selbst wenn wir mit den betroffenen Personen keine überschneidende Lebenszeit haben und daher nicht mit ihnen kooperieren oder interagieren können, und dass dieser Einwand auch in Nichtidentitätsfällen besteht. Weiterhin wurden in diesem Projekt diejenigen Pflichten konkretisiert, die sich aus den Ansprüchen zukünftiger Generationen ergeben. Dabei wurden z.B. Überlegungen zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung angestellt, sowie konkrete Pflichten des Klimaschutzes vor dem Hintergrund eigentumsrechtlicher Überlegungen diskutiert und ausbuchstabiert.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Was schulden wir künftigen Generationen? Nachhaltigkeit und die Idee des Generationenvertrags. In: Der blaue Reiter. Journal für Philosophie, 2021, S. 70-73
Meyer, Kirsten
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Was schulden wir künftigen Generationen? Klimawandel und Ressourcenverbrauch als Probleme der Zukunftsethik. In: Ethik und Unterricht 89, 2022, S. 4-8
Meyer, Kirsten
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Bildung als Beitrag zur Generationengerechtigkeit. In: M. Brinkmann/G. Weiß/Markus Rieger-Ladich (Hrsg.): Generation und Weitergabe. Erziehung und Bildung zwischen Erbe und Zukunft. Beltz Juventa 2023, S. 168-184
Meyer, Kirsten
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Generationengerechtigkeit als Wegweiser in die Zukunft? Eine Diskussion verschiedener Konzeptionen der Zukunftsethik. In: Zeitpolitisches Magazin 20 (42), 2023, S. 8-10
Meyer, Kirsten
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Moral Education Through the Fostering of Reasoning Skills. Ethical Theory and Moral Practice, 27(1), 41-55.
Meyer, Kirsten
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Das Recht auf Eigentum und die Pflichten gegenüber künftigen Generationen. Das Recht auf Eigentum, 191-211. Brill | mentis.
Meyer, Kirsten
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Die moralischen Ansprüche zukünftiger Menschen. Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 72(3), 432-437.
Meyer, Kirsten
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Navigating Nonidentity. Journal of Ethics and Social Philosophy, 29(1).
Martin, Desa Valeska
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Moralischer Kontraktualismus und das Nichtidentitätsproblem. Zeitschrift für Praktische Philosophie, 11(2).
Martin, Desa Valeska
