Umkämpfte Solidarität. Solidaritätsdynamiken zwischen sozialpolitischem Tagesgeschäft und Krise
Empirische Sozialforschung
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt „Umkämpfte Solidarität. Solidaritätsdynamiken zwischen sozialpolitischem Tagesgeschäft und Krise“ untersucht die Entwicklung des deutschen Wohlfahrtsstaates seit 2003 mit einem Fokus auf die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II). Zentrale Fragestellung ist, wie sich Solidaritätsverständnisse in sozialstaatlichen Reformprozessen und in Krisenzeiten verändern und wie solidarische Praktiken in der Sozialpolitik von staatlicher Seite und von zivilgesellschaftlichen Akteuren wechselseitig Bezug aufeinander nehmen. Das Projekt gliedert sich in drei Teilprojekte: Teilprojekt 1 untersucht die staatliche Solidarität, indem es die normativen und institutionellen Veränderungen der GKV und des SGB II im Zuge der und nach den Hartz-Reformen analysiert. Teilprojekt 2 widmet sich der Rolle der Zivilgesellschaft im Sozialstaat, indem es die Reaktionen zivilgesellschaftlicher Akteure auf Veränderungen der staatlichen Sozialpolitik untersucht. Teilprojekt 3 beschäftigt sich mit Solidarität in Krisenzeiten, insbesondere während der COVID-19-Pandemie, und untersucht, wie Krisen soziale Solidarität sowohl fördern als auch infrage stellen können. Empirisch basiert die Untersuchung auf der Auswertung von über 290 Primärdokumenten und 20 problemzentrierten Interviews mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, die mithilfe von Maxqda analysiert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Solidarität im deutschen Sozialstaat trotz marktorientierter Reformen weiterhin eine zentrale Rolle spielt, sich jedoch die normative Bedeutung dieses Begriffs in seiner Verwendung durch staatliche Akteure verschiebt. Die Transformation sozialstaatlicher Leistungen im Rahmen der Hartz-Reformen verdeutlicht die zunehmende Verschiebung von universellen zu selektiveren Solidaritätsmodellen, die die Eigenverantwortung der Individuen betonen. Die im politischen Diskurs verhandelten Kategorien werden teilweise medial und äußerst öffentlichkeitswirksam in stereotypisierende Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen von Leistungsbeziehenden übersetzt. Demgegenüber stehen universalistisch geprägte Solidaritätsvorstellungen und -praktiken zivilgesellschaftlicher Organisationen, die häufig in Dissens zur staatlichen Sozialpolitik treten.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Practices of Solidarity in the COVID-19 Pandemic. Culture, Practice & Europeanization, 6(1). Nomos Verlag.
Börner, S.
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The revival of solidarity in disasters — a theoretical approach. Culture, Practice & Europeanization, 6(1), 158-178.
Sasse-Zeltner, Ulrike
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Poverty, Social Welfare and Social Policy. Annual Meeting of the ISA RC19, Universität Vilnius, 08/2022
Kahnert, P.
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Solidaritätspraktiken und -diskurse in der Gesetzlichen Krankenversicherung: Wohlfahrtsstaatstheoretische Perspektiven und wohlfahrtsstaatliche Selbstbeschreibungen. In: Hofmann, C. M./ Spiecker gen. Döhmann, I. (Hg.): Solidarität im Gesundheitswesen. Strukturprinzip, Handlungsmaxime, Motor für Zusammenhalt? Berlin: Peter Lang Verlag, 69-86
Börner, S.
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Wohlfahrtsstaatliche Transformation als Prozess der Ent-/Solidarisierung. Deformation oder Transformation?, 49-69. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Börner, Stefanie
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Der Wohlfahrtsstaat als politische Quelle sozialer Solidarität. Eine institutionentheoretische Perspektive. Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 48(4), 489-511.
Börner, Stefanie
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European Social Policy and the COVID-19 Pandemic. Oxford University PressNew York.
Börner, Stefanie & Seeleib-Kaiser, Martin
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Introduction. European Social Policy and the COVID-19 Pandemic, xix-xxxviii. Oxford University PressNew York.
Börner, S. & Seeleib-Kaiser, M.
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Krisenspezifische Solidarität. Der Stellenwert wohlfahrtstaatlicher Solidarität in Krisenzeiten. Zeitschrift für Soziologie, 52(2), 126-142.
Börner, Stefanie & Sasse-Zeltner, Ulrike
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Umkämpfte Solidarität. Solidaritätsdynamiken zwischen sozialpolitischem Tagesgeschäft und Krise. Tagung: Umkämpfte Solidarität - Deutungswandel, Konfliktaustragung und Krisenbewältigung im heutigen Wohlfahrtsstaat, Otto-von- Guericke-Universität Magdeburg, 11/2023
Börner, S.; Kahnert, P. & Pietzko, J.
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“Poverty and the German Welfare State. Dynamics of inclusive exclusions”. 29th annual FISS conference: Social Security Systems: Challenges, Responses, Impacts and Sustainability, Universität Antwerpen/Stockholm, 06/2023
Kahnert, P.
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„Armut als Abjekt. Zur sozialpolitischen Verhandlung einer beständigen Wohlfahrtskrise“ Coffee Lectures, EHS Darmstadt, 07/2023
Kahnert, P.
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„Soziale Sicherheit im/mit/ohne Staat? Sozialpolitik von unten im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaates“ Tagung Political Theory in Times of Uncertainty. Panel: Sicherheit in unsicheren Zeiten? Konstellationen umkämpfter Sicherheitsverständnisse, Universität Bremen, 09/2023
Pietzko, J.
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„Von Hartz IV zum Bürgergeld. Weniger Konditionalität – mehr Selbstbestimmung?“ Sozialpolitische Fachtagung: Der weite Weg zum Bürgergeld, EAH Jena, 06/2023
Börner, S. & Kahnert, P.
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Konfliktlinien komplementärer Wohlfahrtsproduktion. Eine Verhältnisbestimmung zwischen Sozialstaat und Zivilgesellschaft. Mittelweg 36 6 (1-2): 3-24. ISBN 978-3-86854-779-5
Börner, S.; Kahnert, P. & Pietzko, J.
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The Welfare State as a Sorting- Machine. Categories and Classification Processes in Social Policy. Sonderheft der Zeitschrift für Sozialreform 71 (1), ISSN 0514-2776
Börner, S.; Brettschneider, A. & Fehmel, T.
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Umkämpfte Solidarität. Krisenbewältigung und Konflikte im heutigen Sozialstaat. Sonderheft des Mittelweg 36 6 (1–2)
Börner, S.; Kahnert, P. & Pietzko, J.
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Von Hartz IV zum Bürgergeld – weniger Konditionalität, mehr Selbstbestimmung?. Der weite Weg zum Bürgergeld, 15-37. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Börner, Stefanie & Kahnert, Philipp
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„Armut als Abjekt. Dynamiken sozialer Abjektion in der Grundsicherung für Arbeitssuchende.“ 14. Armutskonferenz. Armut überwinden – ein Zukunftsprogramm. Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Salzburg, 04/2024
Kahnert, P.
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„Armut als Abjekt. Dynamiken sozialer Abjektion in der Grundsicherung für Arbeitssuchende.“ Konferenz des DIFIS-Issue-Networks „Armutsforschung: theoretische Ansätze, empirische Zugänge, politische Perspektiven. Universität Duisburg-Essen, 02/2024
Kahnert, P.
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„Konfliktlinien komplementärer Wohlfahrtsproduktion. Eine Verhältnisbestimmung zwischen Sozialstaat und Zivilgesellschaft“ FIS Forum und Social Policy Biennale, DIFIS Konferenz. Berlin, 11/2024
Kahnert, P. & Pietzko, J.
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„Selbstorganisiert gegen Armut und Ausgrenzung? Über sozialpolitische Realutopien“ 14. Armutskonferenz. Armut überwinden – ein Zukunftsprogramm. Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Salzburg, 04/2024
Pietzko, J.
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Editorial: Der Sozialstaat als „Sortiermaschine“ – Kategorien und Kategorisierungsprozesse in der Sozialpolitik. Zeitschrift für Sozialreform, 71(1), 1-14.
Brettschneider, Antonio; Börner, Stefanie & Fehmel, Thilo
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Kulturell fremd und ökonomisch verwertbar? Massenmediale Attributionen auf syrische und ukrainische Geflüchtete im Hinblick auf ihre Arbeitsmarktintegration. Soziale Welt, 76(1-2), 7-31.
Börner, Stefanie; Kahnert, Philipp; Langer, Nadine & Pietzko, Julian
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Umkämpfte Menschenbilder in der Grundsicherung Contested Perceptions of Man Within Basic Income Support. Sozialer Fortschritt, 74(11–12), 703-723.
Börner, Stefanie; Kahnert, Philipp & Pietzko, Julian
