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Umkämpfte Solidarität. Solidaritätsdynamiken zwischen sozialpolitischem Tagesgeschäft und Krise

Fachliche Zuordnung Soziologische Theorie
Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 459765303
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt „Umkämpfte Solidarität. Solidaritätsdynamiken zwischen sozialpolitischem Tagesgeschäft und Krise“ untersucht die Entwicklung des deutschen Wohlfahrtsstaates seit 2003 mit einem Fokus auf die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II). Zentrale Fragestellung ist, wie sich Solidaritätsverständnisse in sozialstaatlichen Reformprozessen und in Krisenzeiten verändern und wie solidarische Praktiken in der Sozialpolitik von staatlicher Seite und von zivilgesellschaftlichen Akteuren wechselseitig Bezug aufeinander nehmen. Das Projekt gliedert sich in drei Teilprojekte: Teilprojekt 1 untersucht die staatliche Solidarität, indem es die normativen und institutionellen Veränderungen der GKV und des SGB II im Zuge der und nach den Hartz-Reformen analysiert. Teilprojekt 2 widmet sich der Rolle der Zivilgesellschaft im Sozialstaat, indem es die Reaktionen zivilgesellschaftlicher Akteure auf Veränderungen der staatlichen Sozialpolitik untersucht. Teilprojekt 3 beschäftigt sich mit Solidarität in Krisenzeiten, insbesondere während der COVID-19-Pandemie, und untersucht, wie Krisen soziale Solidarität sowohl fördern als auch infrage stellen können. Empirisch basiert die Untersuchung auf der Auswertung von über 290 Primärdokumenten und 20 problemzentrierten Interviews mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, die mithilfe von Maxqda analysiert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Solidarität im deutschen Sozialstaat trotz marktorientierter Reformen weiterhin eine zentrale Rolle spielt, sich jedoch die normative Bedeutung dieses Begriffs in seiner Verwendung durch staatliche Akteure verschiebt. Die Transformation sozialstaatlicher Leistungen im Rahmen der Hartz-Reformen verdeutlicht die zunehmende Verschiebung von universellen zu selektiveren Solidaritätsmodellen, die die Eigenverantwortung der Individuen betonen. Die im politischen Diskurs verhandelten Kategorien werden teilweise medial und äußerst öffentlichkeitswirksam in stereotypisierende Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen von Leistungsbeziehenden übersetzt. Demgegenüber stehen universalistisch geprägte Solidaritätsvorstellungen und -praktiken zivilgesellschaftlicher Organisationen, die häufig in Dissens zur staatlichen Sozialpolitik treten.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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