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Kirchliches Recht und kirchliche Reformimpulse im Wandel des merowingisch-frühkarolingischen Frankenreichs: Der Überlieferungskomplex um die Collectio Vetus Gallica.

Fachliche Zuordnung Mittelalterliche Geschichte
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 459815395
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Rahmen der Edition und detailreichen Untersuchung der Collectio Vetus Gallica, der frühesten systematischen Kirchenrechtssammlung des Frankenreiches, konnte Hubert Mordek (Kirchenrecht und Reform, 1975) einem Bereich seiner Forschungsergebnisse nur einen geringen Teil der Publikation widmen. Die zu Beginn des 7. Jahrhunderts entstandene Sammlung wurde wohl im zweiten Viertel des 8. Jahrhunderts im Kloster Corbie grundlegend überarbeitet und erweitert. Dabei wurde eine größere Anzahl von kirchenrechtlich relevanten Texten unterschiedlicher Herkunft an den Text der Sammlung angefügt, auf deren Edition und weitergehende inhaltliche Analyse Mordek verzichtete. Hier hat das Projekt angesetzt, um das ganze Corpus von Sammlung und Begleittexten erstmals vergleichend zu analysieren. Dabei ließ sich feststellen, dass diese zumeist nicht nur äußerlich bzw. formal mit der Sammlung verbunden, sondern dieser als inhaltliche Ergänzungen, z.T. sogar mit gegensätzlicher Tendenz, hinzugefügt worden waren. Auch in der weiteren Überlieferung und der Rezeption in späteren Kanonessammlungen sind Grundtext und Begleittexte häufiger, als bisher festgestellt, als zusammengehörend aufgefasst worden. Die mit der Vetus Gallica verbundene Überlieferung war zudem in vielen Fällen wesentlich für die langfristige Wirkung der Begleittexte. Einzelne dieser Überlieferungen bieten jeweils besonders charakteristische, mitunter auch inhaltlich bedeutsame Textfassungen, die, besonders folgenreich beim Protokoll der römischen Synode von 721, von der Forschung bisher verkannt oder noch nicht angemessen berücksichtigt worden waren. Für einige dieser Textfassungen wurden deshalb erstmals kritische Editionen erarbeitet, die von der Projektbearbeiterin Helena Geitz im Rahmen ihrer Dissertation publiziert werden. Entgegen der ursprünglichen Erwartung ergaben sich aus der Perspektive der überlieferungsgeschichtlichen Verbindung mit der Vetus Gallica auch für den vieldiskutierten Libellus Responsium des Papstes Gregor des Großen, der seit einigen Jahren in einer kritischen Edition von Valeria Mattaloni (2017) zugänglich ist, Differenzierungen oder auch Korrekturen zur Beurteilung der Abhängigkeiten der zahlreichen Textfassungen. Die vergleichende Untersuchung von Inhalt, Überlieferung und Rezeption der Begleittexte, unter denen das noch in 27 Handschriften überlieferte Penitentiale Excarpsus Cummeani und das auf diesem fußende Pentientiale Remense wiederum eine besonders differenzierte Überlieferungs- und Textgeschichte aufweisen, ermöglicht schließlich auch einen neuen Blick auf Kontext und Entstehungsbedingungen der Vetus-Gallica-Redaktion. Einiges spricht dafür, dass beide der von Mordek unterschiedenen Textklassen in Corbie entstanden sind, vielleicht sogar parallel bzw. in einem komplexen Redaktions-, Erweiterungs- und Austauschprozess. Dessen Dynamik hat sich besonders in der von Mordek mit Rücksicht auf die Schwerpunkte der (späteren!) Überlieferung benannten „Süddeutsche Klasse“ niedergeschlagen.

 
 

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