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Markush-Strukturen in pharmazeutischen Patenten und ihr Effekt auf Forschungswettbewerb in der Medikamentenentwicklung

Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Accounting und Finance
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 460047178
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersucht die Verwendung von Markush-Strukturen in pharmazeutischen Patenten und ihre Auswirkungen auf den Wettbewerb in der Forschung und Entwicklung (FuE) im Bereich der Arzneimittelentwicklung. Markush-Strukturen sind eine chemische Notation, die eine große Anzahl verwandter Moleküle in kompakter Form spezifiziert. Die Verwendung von Markush-Strukturen ermöglicht den Schutz eines breiten Spektrums chemisch verwandter Verbindungen unter einem einzigen Patentanspruch. Diese Praxis ist in der pharmazeutischen Industrie besonders weit verbreitet. Markush-Strukturen ermöglichen es den Unternehmen, sich Patentrechte für eine potenziell große Anzahl verwandter chemischer Einheiten zu sichern, ohne jedes Molekül einzeln in einem Patent aufführen zu müssen. Diese Möglichkeit ist zwar für die Patentinhaber von Vorteil, da er einen breiten Schutzbereich schafft und das Wettbewerbsrisiko verringert. Aus gesamtökonomischer Perspektive könnte dies jedoch zu einem unvorteilhaften Rückgang der Innovationsaktivität führen. Das Projekt schließt eine kritische Lücke in der bestehenden Literatur, indem es die erste umfassende empirische Analyse des Vorkommens von Markush-Strukturen in pharmazeutischen Patenten durchführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Markus-Strukturen in pharmazeutischen Patenten weit verbreitet sind und jeweils eine sehr große Zahl von verwandten Molekülen schützen. Die Analyse einer großen Anzahl von Patenten zeigt außerdem, dass "Markush-Patente" bei den Patentämtern offenbar nicht übermäßig Prüfungskapazitäten in Anspruch nehmen, da sie keine längeren Prüfungszeiten aufweisen und auch nicht häufiger in Nichtigkeitsverfahren angefochten werden. Laufende Arbeiten untersuchen, ob diese Strukturen follow-on Innovation einschränken, indem sie die durch ihren breiten Schutzbereich die Möglichkeiten der Wettbewerber zur Entwicklung alternativer Wirkstoffe innerhalb derselben Arzneimittelklasse eingrenzen. Dies kann die Marktexklusivität patentierter Arzneimittel verlängern und so die Einführung konkurrierender Therapien verzögern, die ein besseres Wirksamkeits- oder Sicherheitsprofil aufweisen oder einfach billiger sind. Die aus dieser Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse sind für politische Entscheidungsträger, Patentämter und andere Akteure in der Pharmaindustrie von großer Bedeutung. Durch ein tieferes Verständnis des strategischen Einsatzes von Patenten, insbesondere durch Markush-Ansprüche, leistet das Projekt einen Beitrag zu den laufenden Debatten über Patentpolitik, Wettbewerb und die öffentliche Gesundheit. Es unterstreicht die Notwendigkeit ausgewogener Patentstrategien, die Innovationen fördern und gleichzeitig sicherstellen, dass die Öffentlichkeit von neuen und wirksamen Therapien profitieren kann.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Mapping Markush. Research Policy, 51(10), 104597.
    Wagner, Stefan; Sternitzke, Christian & Walter, Sascha
  • “Mapping Markush” Annual conference of the European Policy of Intellectual Property Association EPIP, Cambridge, 2022.
    Wagner, Stefan
  • “Available databases in the space of the pharmaceutical industry.” DRUID23, Lisbon, Portugal, 2023.
    Wagner, Stefan
  • “Economics of AMR R&D incentives: Cost of inaction and action.” 1st Roundtable on Economics of AMR R&D incentives, AMR Action Fund, Paris, France, 2023.
    Wagner, Stefan
  • “Exploring patterns of pharmaceutical post-marketing withdrawal” 5th AI & Strategy" Consortium, Srini Raju Centre for IT and the Networked Economy at the Indian school of Business, Hyderabad, India, 2024.
    Wagner, Stefan
 
 

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