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Entwicklung von Affektregulationsstrategien zur Vermeidung von kollektivem Teameinbruch

Antragstellerin Dr. Vivian Vanessa Wergin
Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 460447311
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Kollektiver Teameinbruch beschreibt einen plötzlichen, unerwarteten und extremen kollektiven Leistungseinbruch einer Sportmannschaft während eines wichtigen Spiels oder Wettbewerbs. Ein solcher Teameinbruch wird durch ein kritisches Event, wie beispielsweise Fehler im eigenen Team, den Leistungseinbruch eines*r Schlüsselspieler*in oder Entscheidungen des Schiedsgerichts, ausgelöst. Im Rahmen dieses Projekts wurden individuelle und interpersonelle Emotionsregulation als mögliche Strategien zur Intervention von kollektivem Teameinbruch untersucht. Im Rahmen einer ersten qualitativen Studie zeigte sich, dass Sportmannschaften, wenn sie nach einem kritischen Event einen Teameinbruch erlebten, andere und weniger effektive Emotionsregulationsstrategien anwendeten, als wenn sie ihre Leistung nach einem kritischen Event stabilisieren konnten. Ineffektive Strategien beinhalteten das Unterdrücken und Ausdrücken negativer Emotionen auf individueller Ebene und Schuldzuweisungen und reduzierte Interaktionen auf interpersoneller Ebene, während sich das Akzeptieren von Fehlern und Perspektivwechsel als effektive Strategien auf individueller und gegenseitige Ermutigungen sowie das Vorleben positiver Emotionen auf interpersoneller Ebene erwiesen. Einige Mannschaften zeigten darüber hinaus Anzeichen einer emotionalen Leere in Teameinbruchsituationen und eine Tendenz, Emotionsregulation in diesen Situationen zu vermeiden. Diese Erkenntnisse konnten in einer zweiten quantitativen Studie bestätigt werden, welche zudem zeigte, dass ineffektive Emotionsregulationsstrategien, wie das Unterdrücken oder Ausleben von negativen Emotionen, dazu führen, dass Sportler*innen die Regulation als anstrengender und ermüdender empfinden als beim Anwenden effektiver Strategien. Eine dritte, experimentelle Studie verdeutlichte die Unterschiede von positiven und negativen interpersonellen Emotionsregulationsstrategien auf die Teamleistung, wobei Teams, welche positive Strategien anwendeten, insbesondere wenn sie ein kritisches Event erlebten, eine signifikant bessere Leistung abrufen konnten als Teams, die keine oder negative Strategien anwendeten. Diese Erkenntnisse eröffnen erste Einblicke in mögliche Interventionen für kollektiven Teameinbruch. Individuelle und interpersonelle Emotionsregulationsstrategien stellen einen vielversprechenden Ansatz dar, um einem sich entwickelnden Teameinbruch entgegenzuwirken. Basierend auf diesen Ergebnissen können Interventionsprogramme für Sportmannschaften sowie auch für Trainer*innen und praktizierende Sportpsycholog*innen entwickelt werden. Die Ergebnisse sind darüber hinaus auch auf Teams in anderen Organisationen übertragbar. Wenn man in Betracht zieht, dass schlechte Teamleistungen weltweit zu einem Verlust von 7 Billionen US-Dollar führen (10% des weltweiten Bruttoinlandsproduktes), können die Ergebnisse dieses Projektes maßgeblich zur Verbesserung von Teamleistungen in einer Vielzahl von Kontexten beitragen.

Link zum Abschlussbericht

https://doi.org/10.23668/psycharchives.21417

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Individual vs. Team Sport Failure—Similarities, Differences, and Current Developments. Frontiers in Psychology, 13.
    Wergin, V. Vanessa; Mallett, Clifford J. & Beckmann, Jürgen
  • “Just Pretend to be Okay!” – Individual and Interpersonal Emotion Regulation in Collective Team Collapse Situations. NASPSPA Conference, Toronto, Canada.
    Wergin V. V., Wolf. S. A., Schwender, J. & Mallett, C.
  • “Like Emotional Zombies” - Individual and Interpersonal Emotion Regulation of Sport Teams in Collective Team Collapse Situations. ASP Congress, Stuttgart, Germany.
    Wergin, V. V., Pasco, S., Mallett, C. & Wolf, S.
  • Hyping your team up or pulling it down? Impact of interpersonal emotion regulation on team performance in collective collapse situations. FEPSAC Congress, Innsbruck, Austria.
    Wergin, V. V., Wolf, S. A., Shore, G. & Mallett, C.
  • Negative Team Performances Within a Competition. Psychology of Crises in Sport, 75-89. Springer Nature Switzerland.
    Wergin, V. Vanessa
  • Struggling to do well – development and maintenance of performance crises in professional soccer, NASPSPA Congress, New Orleans, USA.
    Wergin, V. V., Jaitner, D., Boehlke, N. & Wolf, S.
 
 

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