Bischöfliche Herrschaft im Vergleich. Verwaltungspraktiken und Verwaltungskulturen in Erz- und Hochstiften des spätmittelalterlichen Reichs, ca. 1440-1520
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt hat zahlreiche neue Erkenntnisse zur bislang kaum erforschten bischöflichen Verwaltungskultur erbracht. Dies zeigten auch die Beiträge der vier Promovierenden und die Vorträge zu weiteren Fallbeispielen wie Würzburg, Speyer, Minden oder Riga auf der Abschlusstagung, deren verschriftlichte Beiträge 2026 in der renommierten Reihe der 'Studien zur Germania Sacra' erscheinen sollen. Die Dissertationen haben entscheidend zur empirischen Fundierung der Projektthesen beigetragen. Während die «Schnittfeld-» These gestützt wurde – in Lübeck und in Bamberg agierten Bischof, Domkapitel, lokale Amtsträger und städtische Eliten in einem dynamischen Aushandlungsraum; in Konstanz und Mainz zeigte sich die Verwaltung als stabilisierender Raum überpersoneller Loyalitäten und fachlicher Expertise – konnte die «Schrittmacher»- These nur in Teilen bestätigt werden: Verwaltungshandeln erwies sich als pragmatisch und reaktiv auf strukturelle Herausforderungen. Darüber hinaus bestätigten die vier Dissertationsprojekte die analytische Tragfähigkeit der im Antrag formulierten fünf Forschungsschwerpunkte. Die Dissertationen haben die Entstehung und den Wandel von Karrieremustern, Handlungsspielräumen und Wissensformen innerhalb der Verwaltung aufgezeigt und zugleich herausgearbeitet, welche Praktiken das administrative Alltagsgeschäft bestimmten, wie sich Wissen dabei verbreitete und transformierte, wie Verwaltung als Bühne politischer und sozialer Konkurrenz funktionierte und welche Formen von Amtsidentität und Selbstverständnis sich im spätmittelalterlichen Verwaltungspersonal beobachten lassen. Ein zentrales Ergebnis war die Entwicklung und Umsetzung einer projektinternen Nodegoat-Datenbank. Diese diente der prosopographischen Erfassung, relationalen Visualisierung und systematischen Analyse von Akteursnetzwerken und Verwaltungskarrieren. Ergänzend wurde ein einfaches Nutzerinterface erstellt, das eine niederschwellige Nutzung durch externe Forschende ermöglicht.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Fratres, Kanoniker und Parteigänger. Ein Plädoyer für eine bischofsorientierte Erforschung der mittelalterlichen Domkapitel, in: Historisches Jahrbuch 143 (2023), S. 357–379
Andreas Bihrer
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Understanding Modern Views on the Middle Ages Through Research-led Learning. A Teaching Report. in: Gamevironments 20 (2024), p. 153–168
Andreas Bihrer & Philipp Frey
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Ungebetene Gäste? Mittelalterliche Könige zu Besuch bei Bischöfen von der Karolingerzeit bis zum Ende des Mittelalters, in: Zu Gast beim Bischof. Halberstadt als königlicher Aufenthaltsort im frühen und hohen Mittelalter, hg. von Stephan Freund, Simon Groth und Christoph Mielzarek (Palatium. Studien zur Pfalzenforschung in Sachsen-Anhalt, Bd. 10), Regensburg 2024, S. 165–187
Andreas Bihrer
