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Die Zyklizität von seismischer und aseismischer Verformung in der unteren kontinentalen Kruste

Antragsteller Dr. Sascha Zertani
Fachliche Zuordnung Mineralogie, Petrologie und Geochemie
Geologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 461241592
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die meisten Erdbeben kommen in den oberen ~15 km der Erdkruste vor. Darunter sagen klassische Festigkeitsmodelle, dass die kontinentale Kruste fließt, und keine Erbeben vorkommen. Geophysikalische, petrologische und strukturgeologische Beobachtungen jedoch zeigen, dass auch in der unteren Kruste Erbeben vorkommen, wenn diese trocken ist. Das Projekt hatte zum Ziel zu verstehen wie spröde (seismische) und duktile (aseismische) Verformung in der unteren Kruste interagieren. Hierfür wurde die frühere untere kontinentale Kruste – heutzutage an der Oberfläche – in Lofoten, Nordnorwegen als natürliches Labor ausgewählt. Die in Lofoten aufgeschlossene untere Kruste hat eine ungeklärte geologische Geschichte. Das Gebiet ist vor allem für amphibolitfazielle Pseudotachylite, erstarrte Reibungsschmelze die auf ehemalige Erdbeben hinweist, und duktile Scherzonen bekannt. Der größte Teil des Gesteinsvolumens weist jedoch keine verwandten Strukturen auf und erhält magmatische Paläoproterozoischen Gesteine. Bisher wurde angenommen, dass sich die Pseudotachylite und Scherzonen während der Kaledonischen Kollision (430-400 Ma) gebildet haben. Es waren jedoch bisher keine robusten geochronologischen Daten verfügbar. In diesem Projekt gelang es uns durch in-situ Apatit U-Pb Datierung und mikrostrukturelle Analysen das Alter der Pseudotachylite auf 426 ± 11 Ma zu bestimmen. Dieses Alter ist wichtig um die geologische Geschichte dieser Pseudotachylite zu verstehen, welche in vielen Studien verwendet werden um tiefe Erdbebenprozesse zu untersuchen, und ist das erste mal, dass das Alter vom Pseudotachyliten der unteren Kruste direkt bestimmt wurde. Ein weiterer rätselhafter Aspekt der tektonometamorphen Geschichte dieser unteren Kruste sind die vereinzelten Eklogitvorkommen, die auf die Versenkung der Gesteine zu Hochdruckbedingungen hinweisen. Wann während der geologischen Geschichte dieses metamorphe Ereignis stattfand ist wichtig um den tektonischen Kontext der seismischen Aktivität in der unteren Kruste zu verstehen. Diese Eklogite werfen auch die Frage auf, warum der Großteil des Volumens des Lofoten Blocks während des Hochdruckereignisses unverändert blieb, und Eklogitisierung nur lokal vorkam. Vorherige Altersdatierung der Eklogite haben ein Alter von 399 Ma ergeben. Uns ist es gelungen die Abfolge der Ereignisse in Verbindung mit der Eklogitisierung herauszuarbeiten. Strukturgeologische, elektronenmikroskopische und geochronologische Untersuchungen zeigen, dass die Eklogitisierung vor der amphibolitfaziellen Verformung passierte, und dass diese vor 413 Ma beendet war. Eklogitisierung geschah daher in der frühen Kollisionsgeschichte oder davor. Unsere Analysen zeigen außerdem, dass Eklogitisierung räumlich beschränkt war, da Paläoproterozoische Strukturen als Kanäle für Verformung, den Fluß von Fluiden, und Metamorphose dienten, während der Rest des Gesteinsvolumens unverändert blieb.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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