Detailseite
Projekt Druckansicht

Effektive Schulsteuerung: Leistungssteigerung und Verringerung von Leistungsdifferenzen in der Bildung? Eine Fünf-Länder vergleichende und längsschnittliche Analyse

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2021 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 461386736
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Schulreformen, die darauf abzielen, die schulischen Leistungen (Qualität) zu verbessern und den Einfluss des familiären Hintergrunds auf die Leistungen (Gerechtigkeit) zu verringern, stehen seit drei Jahrzehnten weltweit auf der Agenda. Diese Reformen haben einen gemeinsamen Kern: Schulautonomie, freie Schulwahl, Wettbewerb zwischen Schulen, manageriale Schulleitung, hohe Lehrerqualität und testbasierte Rechenschaftspflicht der Schulen. Ein einflussreicher Träger dieser Reformen ist das Netzwerk politischer Berater rund um das Programme for International Student Assessment (PISA) der OECD. Eine Netzwerkanalyse dieser Berater hat einen Kern eng verbundener Akteure aufgezeigt, die politische Empfehlungen weltweit durch Patronage-Beziehungen zu lokalen Administratoren verbreiten. Auf dieser Grundlage untersuchten wir, inwieweit Reformen im Sinne der globalen Agenda mit Verbesserungen der Bildungsqualität und -gerechtigkeit in acht Ländern verbunden waren, die ihrem je eigenen Entwicklungspfad folgen: im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Schweden, Finnland, USA, Kanada, Südkorea und Singapur. Wir überprüften erstens die Literatur zu den Reformen und ihren Effekten in diesen Ländern. Zweitens haben wir anhand von PISA-Daten mehrstufige lineare Regressionsanalysen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen den Steuerungsinstrumenten der Reformagenda und der individuellen Schülerleistung sowie ihren Effekt auf die Verringerung des Einflusses des sozioökonomischen Hintergrunds zu testen. Unsere Literaturrecherche sowie unsere mehrstufigen linearen Regressionsanalysen der PISA-Daten der Testwellen 2000, 2009 und 2015 haben keine Hinweise darauf erbracht, dass marktorientierte Reformen im Vereinigten Königreich, Schulmonitoring-Reformen in Deutschland, marktorientierte Reformen in Schweden und Dezentralisierungsreformen in Finnland zu sichtbaren Erfolgen geführt hätten. Der individuelle und schulische sozioökonomische Status und – in geringerem Maße - die Schuldisziplin sind von entscheidender Bedeutung. Eine weitere mehrstufige Regressionsanalyse für die USA, Kanada, Südkorea und Singapur anhand von PISA-Daten der Testwellen 2009 und 2015 hat dieselben Ergebnisse erbracht. In einer weiteren Studie zu diesen Ländern untersuchten wir die Effekte von vier Lernstrategien auf die PISA-Ergebnisse der Schüler: Memorisieren, Kontrolle, Internalisierung und Elaboration/Transfer. Von diesen Strategien war nur Kontrolle, also Lernen im Prüfungsmodus, signifikant positiv mit den PISA-Ergebnissen verbunden. Das zeigt, dass PISA die konfuzianische Tradition des Lernens für Prüfungen prämiert, nicht jedoch die Elaboration im Sinne der westlichen Tradition der Aufklärung. Dennoch war der Effekt nicht stark genug, um den Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds signifikant zu reduzieren. Da es keine Belege gibt, welche die globale Reformbewegung unterstützen, ist unsere zentrale politische Empfehlung, die Agenda dieser Bewegung zu überdenken.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung