Effektive Schulsteuerung: Leistungssteigerung und Verringerung von Leistungsdifferenzen in der Bildung? Eine Fünf-Länder vergleichende und längsschnittliche Analyse
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Schulreformen, die darauf abzielen, die schulischen Leistungen (Qualität) zu verbessern und den Einfluss des familiären Hintergrunds auf die Leistungen (Gerechtigkeit) zu verringern, stehen seit drei Jahrzehnten weltweit auf der Agenda. Diese Reformen haben einen gemeinsamen Kern: Schulautonomie, freie Schulwahl, Wettbewerb zwischen Schulen, manageriale Schulleitung, hohe Lehrerqualität und testbasierte Rechenschaftspflicht der Schulen. Ein einflussreicher Träger dieser Reformen ist das Netzwerk politischer Berater rund um das Programme for International Student Assessment (PISA) der OECD. Eine Netzwerkanalyse dieser Berater hat einen Kern eng verbundener Akteure aufgezeigt, die politische Empfehlungen weltweit durch Patronage-Beziehungen zu lokalen Administratoren verbreiten. Auf dieser Grundlage untersuchten wir, inwieweit Reformen im Sinne der globalen Agenda mit Verbesserungen der Bildungsqualität und -gerechtigkeit in acht Ländern verbunden waren, die ihrem je eigenen Entwicklungspfad folgen: im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Schweden, Finnland, USA, Kanada, Südkorea und Singapur. Wir überprüften erstens die Literatur zu den Reformen und ihren Effekten in diesen Ländern. Zweitens haben wir anhand von PISA-Daten mehrstufige lineare Regressionsanalysen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen den Steuerungsinstrumenten der Reformagenda und der individuellen Schülerleistung sowie ihren Effekt auf die Verringerung des Einflusses des sozioökonomischen Hintergrunds zu testen. Unsere Literaturrecherche sowie unsere mehrstufigen linearen Regressionsanalysen der PISA-Daten der Testwellen 2000, 2009 und 2015 haben keine Hinweise darauf erbracht, dass marktorientierte Reformen im Vereinigten Königreich, Schulmonitoring-Reformen in Deutschland, marktorientierte Reformen in Schweden und Dezentralisierungsreformen in Finnland zu sichtbaren Erfolgen geführt hätten. Der individuelle und schulische sozioökonomische Status und – in geringerem Maße - die Schuldisziplin sind von entscheidender Bedeutung. Eine weitere mehrstufige Regressionsanalyse für die USA, Kanada, Südkorea und Singapur anhand von PISA-Daten der Testwellen 2009 und 2015 hat dieselben Ergebnisse erbracht. In einer weiteren Studie zu diesen Ländern untersuchten wir die Effekte von vier Lernstrategien auf die PISA-Ergebnisse der Schüler: Memorisieren, Kontrolle, Internalisierung und Elaboration/Transfer. Von diesen Strategien war nur Kontrolle, also Lernen im Prüfungsmodus, signifikant positiv mit den PISA-Ergebnissen verbunden. Das zeigt, dass PISA die konfuzianische Tradition des Lernens für Prüfungen prämiert, nicht jedoch die Elaboration im Sinne der westlichen Tradition der Aufklärung. Dennoch war der Effekt nicht stark genug, um den Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds signifikant zu reduzieren. Da es keine Belege gibt, welche die globale Reformbewegung unterstützen, ist unsere zentrale politische Empfehlung, die Agenda dieser Bewegung zu überdenken.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Effektive Schulsteuerung: Nur eine Illusion? Interview ZU Daily
Münch, R.
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New Public Management in der Schule: Ein Erfolgsmodell? In: sowi-online
Münch, R.
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Bildungsgerechtigkeit: Noch hat man gar nichts erreicht. Interview ZU Daily
Münch, R.
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Der bildungsindustrielle Komplex – Schule und Unterricht im Wettbewerbsstaat. Streitgespräch mit Klaus Bullan. Rosa-Luxemburg-Stiftung. Gesprächskreis Bildungspolitik, 15. Dezember 2022
Münch, R. & Klaus Bullan
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Der bildungsindustrielle Komplex. Video-Impuls zur Tagung „Bildung und digitaler Kapitalismus“, Remscheid, 20.-21. Juni, 2022
Münch, R.
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Dialog Erwachsenenbildung: Interview mit Dieter Nittel, Fernuniversität Hagen zum Thema „Bildungsindustrieller Komplex.“ Fernuniversität Hagen, 11. April, 2022
Münch, R. & Dieter Nittel
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Die Herrschaft der Inzidenzen und Evidenzen. Regieren in den Fallstricken des Szientismus. Frankfurt/New York: Campus. ISBN 978-3-593-51603-5
Münch, R.
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Education regime and creativity: the Eastern Confucian and the Western Enlightenment types of learning in the PISA test. Cogent Education, 9(1).
Muench, Richard; Wieczorek, Oliver & Gerl, Robin
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Effektive Schulsteuerung? Bilanz einer globalen Reformagenda. Video-Impuls zur Tagung „Bildung und digitaler Kapitalismus“, Remscheid, 20.-21. Juni, 2022
Münch, R.
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Equity lost: Sweden and Finland in the struggle for PISA scores. European Educational Research Journal, 22(3), 413-432.
Muench, Richard; Wieczorek, Oliver & Dressler, Julian
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Globale Bewegung der Bildungsreform: eine Erfolgsgeschichte? In: Bildung.Table
Münch, R.
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Governing the school: Results of three decades of neoliberal reform. University of Bergen, Norway, June 15, 2022
Münch, R.
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Improving schooling through effective governance? The United States, Canada, South Korea, and Singapore in the struggle for PISA scores. Comparative Education, 59(1), 59-76.
Münch, Richard & Wieczorek, Oliver
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In search of quality and equity: The United Kingdom and Germany in the struggle for PISA scores. International Journal of Educational Research Open, 3, 100165.
Muench, Richard & Wieczorek, Oliver
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Wissenschaft und Politik: Wirklich die Zahlen sprechen lassen?
Münch, R.
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Commentary on Heinz-Dieter Meyer: The Logic of Administration and the Logic of Education. Did Managers trump Educators? Reflections on Two Decades of Ed Reform. State University of New York, Albany, March 30, 2023, online
Münch, R.
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Field-crossing social capital and patronage as cornerstones of the transnational OECD-PISA network infrastructure. Comparative Education, 59(4), 544-563.
Wieczorek, Oliver; Münch, Richard; Brand, Alexander & Schwanhäuser, Silvia
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Alle Macht der OECD? lautstark. Herausgeber GEW NRW, 04/2024, S. 24-25
Münch, R. & Wieczorek, O.
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Effektive Schulsteuerung? Bilanz einer globalen Reformagenda. Weinheim und Basel: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799—7910-4
Münch, R. & Wieczorek, O.
