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SP1 Dynamische Diagnostik und Mechanismen chronischer lumbaler Rückenschmerzen – Optimierung analytischer Methoden und klinischer Erkenntnisse

Fachliche Zuordnung Orthopädie, Unfallchirurgie, rekonstruktive Chirurgie
Förderung Förderung seit 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 439742772
 
In der ersten Förderperiode der FOR 5177 wurde eine umfassend charakterisierte Studienpopulation von über 2.500 Probandinnen und Probanden aufgebaut. Diese umfasst sowohl asymptomatische Personen als auch Personen mit akuten, intermittierenden oder chronischen Schmerzverläufen (cLBP) – mit und ohne begleitende funktionelle und/oder morphologische Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Neben klinischen Untersuchungen und MRT-Bildgebung wurden 24-Stunden-Messungen der Wirbelsäulenform und -bewegung im Alltag, Ganganalysen sowie umfangreiche psychosoziale Erhebungen (z. B. zu Schmerzeigenschaften, Lebensqualität, psychischer Belastung und sozialen Faktoren) durchgeführt. Unsere Auswertungen zeigten, dass funktionelle Auffälligkeiten bei cLBP seltener direkt am Ort der Schmerzlokalisation in der Lendenwirbelsäule selbst, sondern häufiger in angrenzenden Regionen, insbesondere der thorakalen und der cervikalen Wirbelsäule sowie dem Becken, zu finden sind. Beispielsweise zeigten eine verminderte Mobilität in Hüfte und Halswirbelsäule eine deutliche Verbindung mit cLBP. Neben Mobilitätsdefiziten angrenzender Körperregionen wurden darüber hinaus acht weitere Schlüsselparameter identifiziert, die eine klare Differenzierung zwischen Personen mit und ohne cLBP ermöglichten; darunter psychosoziale Belastungen und strukturelle Veränderungen (z. B. Bandscheibendegeneration). Während die erste Förderperiode auf die systematische Erhebung struktureller, funktioneller und psychosozialer Merkmale fokussierte, liegt der Schwerpunkt in der zweiten Förderphase auf der vertieften Analyse kompensatorischer Mechanismen in angrenzenden muskuloskelettalen Regionen, von der thorakalen und zervikalen Wirbelsäule bis zum Becken und den unteren Extremitäten. Ziel ist es, muskuläre und biomechanische Anpassungsstrategien zu identifizieren, die zur Chronifizierung von Rückenschmerzen beitragen können. Wir gehen davon aus, dass frühzeitig erfassbare kompensatorische Veränderungen in benachbarten Körperregionen, kombiniert mit strukturellen und biopsychosozialen Parametern, als robuste Prädiktoren für die Chronifizierung von Rückenschmerzen dienen können. Diese Erkenntnisse sind essenziell, um cLBP subtypisieren zu können, ein zentraler Schritt, um der klinischen Heterogenität gezielt zu begegnen, differenzierte Diagnosen zu ermöglichen und wirksamere, personalisierte Therapien zu entwickeln. Die große Heterogenität der Studienpopulation, hinsichtlich Schmerzverlauf, Schmerzlokalisation, funktionellen Einschränkungen und morphologischen Veränderungen, stellt in dieser Phase einen entscheidenden Vorteil dar: Sie ermöglicht die Analyse komplexer Zusammenhänge und bildet die klinische Realität differenziert ab. Dies schafft die Grundlage zur Identifikation distinkter Mechanismen, die spezifischen Subgruppen von Rückenschmerzpatientinnen und Rückenschmerzpatienten zugrunde liegen.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
Mitverantwortlich(e) Professorin Dr. Lena Fleig
 
 

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