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SP5 BACKtivity: Dynamische Erfassung psychosozialer Prozesse und körperlicher Aktivität bei Personen mit unteren Rückenschmerzen im Alltag und in der Gesundheitsversorgung

Fachliche Zuordnung Orthopädie, Unfallchirurgie, rekonstruktive Chirurgie
Förderung Förderung seit 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 439742772
 
Während der ersten Förderperiode etablierte SP5 die PRIA (Psychologie und Rückengesundheit im Alltag) Dynamic Daily Life Stichprobe (n=222), um mithilfe von smartphone-basierten Alltagsbefragungen und Bewegungssensoren (Ambulantes Assessment, AA) theoriebasierte Dynamiken zwischen psychosozialen Variablen und Gesundheitsverhalten bei gesunden Personen und Personen mit unteren Rückenschmerzen (uRs; ≥12 Wochen) zu untersuchen. Das AA erwies sich als akzeptable und durchführbare Methode zur alltagsnahen Datenerhebung. Überraschenderweise berichteten viele Personen mit uRs über eine geringe schmerzbedingte Beeinträchtigung und überdurchschnittliche körperliche Aktivität (KA). Analysen unserer intensiven Längsschnittdaten auf intraindividueller Ebene zeigten, dass Personen in Momenten mit weniger Bewegungsangst und höherer schmerzbezogener Selbstwirksamkeit eine niedrigere Schmerzintensität und bessere Rückengesundheit angaben. Erste Forschungsergebnisse aus einer interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (IMPT) in einer Kooperationsklinik stützen die Bedeutung psychosozialer Ressourcen für die Genesung: Verbesserungen der Schmerzintensität hingen stärker mit psychischer Gesundheit als mit körperlicher Funktionsfähigkeit zusammen. Die Zusammenhänge zwischen Schmerzintensität und KA variierten je nach KA-Domäne und zeitlicher Auflösung der Messungen. Während die momentanen Zusammenhänge zwischen freizeitbezogener KA und Schmerzintensität positiv waren, zeigte sich auf interindividueller Ebene kein Zusammenhang. Dies unterstreicht die Bedeutung der Analyse von Prozessen sowohl auf intra- als auch interindividueller Ebene. In der zweiten Förderphase werden wir das AA auf Personen mit ausgeprägteren psychosozialen und funktionellen Beeinträchtigungen ausweiten, um zu untersuchen, wie sich die psychosozialen Prozesse a) im Alltag manifestieren, b) während einer IMPT entwickeln, c) durch eine Just-in-Time Adaptive Intervention (JITAI) verändern und d) mit dem sozialen Kontext (z. B. Gesundheitsfachkräften) zusammenhängen. Ergänzend wird das AA mit 24-Stunden-Funktionsmessungen kombiniert und mit Tierexperimenten verglichen. Wir erwarten, dass sich die intraindividuellen Zusammenhänge zwischen psychosozialen Faktoren und Schmerzerfahrungen über verschiedene Zeitskalen hinweg und von interindividuellen Zusammenhängen unterscheiden. Wir nehmen an, dass bei IMPT-Teilnehmenden psychosoziale Variablen steilere Veränderungsverläufe zeigen als die Schmerzwahrnehmung. Insgesamt sind drei intensive längsschnittliche Beobachtungsstudien im Alltag und in zwei IMPT-Settings geplant. Abschließend testen wir die Machbarkeit einer JITAI zur Förderung bewegungsbezogener Gewohnheiten. Durch die Erfassung theoriebasierter, psychosozialer Prozesse im Alltag ergänzt SP5 die Forschungsgruppe um eine besondere psychologische und methodische Perspektive. Dies liefert wichtige Impulse für die interdisziplinäre Diagnostik sowie für individualisierte Prävention und Behandlung.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
 
 

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