Vulnerabilität Westamazonischer Auenwald-Baumarten auf hydrogeomorphologische Störungsregime zur Abschätzung der Auswirkungen von Staudämmen und des Klimawandels
Physische Geographie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Auenwälder entlang der schwebstoffreichen Weißwasser-Flüsse des Amazonas-Beckens (Várzea) gehören zu den artenreichsten Wäldern der Erde. Neben den periodischen Überschwemmungen unterliegen diese Wälder hohen Erosions- und Sedimentationsraten durch stetige Flussbettverlagerungen. Viele Baumarten sind zunehmend durch hydrogeomorphologische Veränderung bedroht, die sich aus großflächiger Entwaldung, Klimawandel, und den Bau von Dämmen durch die Anlage von Wasserkraftwerken ergeben. Deshalb untersucht dieses Projektvorhaben die Vulnerabilität der wichtigsten Baumarten der Várzea-Wälder entlang dreier Flüsse Boliviens gegenüber sich verändernder, hydrogeomorphologischer Regime. Am Rio Mamoré, Beni und Madre de Dios wurden jeweils zwei Untersuchungsräume (Ober-, Unterlauf) gewählt, in welchen floristische Untersuchungsflächen von mindestens jeweils 2,25 ha eingerichtet wurden (13,6 ha insgesamt). Alle Bäume >= 10 cm Durchmesser wurden in Stammumfang und Höhe vermessen und in ihrer Art bestimmt. Zudem wurden von den 93 häufigsten Baumarten Holzbohrkerne entnommen, um die jährlichen Wachstumsraten und Vitalität in Abhängigkeit von den Umweltvariablen Überflutungshöhe, physikalisch-chemische Bodeneigenschaften und geomorphologischer Flussdynamik zu erfassen. Letztere wurde durch jährliche Erosions- und Sedimentationsraten während der letzten 40 Jahre über die Auswertung historischer Satellitenbild-Daten ermittelt. Insgesamt wurden 6766 Bäume und 470 Baumarten erfasst. Die Flutamplituden entlang der Flussabschnitte waren kurz (< 2,7 m) und variabel. Die Bodeneigenschaften zwischen den Ober- und Unterläufen variierten in ihrer Korngrößenzusammensetzung und Fertilität. Die geomorphologische Dynamik war an den mäandrierenden Abschnitten der Unterläufe wesentlich stärker als an den gestreckten Abschnitten der Oberläufe, und umfasste 80% aller Flächenumlagerungen während der letzten 40 Jahre. Artenreichtum und -Zusammensetzung sind vergleichbar mit denen der Várzea-Wälder Zentralamazoniens, sind aber im Gegensatz zu diesen nicht mit Überflutungshöhe und -Dauer, sondern mit den edaphischen und geomorphologischen Variablen korreliert. Somit unterscheiden sich die Waldbestände hinsichtlich der Artenzusammensetzung hauptsächlich zwischen den unterschiedlichen Sukzessionsstadien, sowie zwischen ihrer Lage an den jeweiligen Ober- und Unterläufen. Die oberirdische Holzbiomasse betrug im Mittel 255 Mg ha^-1, die mittleren Alter der Bestände variierten zwischen 16 (Pionierstadium) und 136 Jahren (spätes Sekundärstadium). Der Biomassenzuwachs betrug durchschnittlich 2,2 Mg ha^-1 Jahr^-1 und bis zu 9,6 Mg ha^-1 Jahr^-1 in den frühen Sukzessionsstadien, und zeigte weder signifikante Abhängigkeiten zur Überflutungshöhe und -Dauer noch zu den Bodeneigenschaften. Insgesamt zeichnen sich die untersuchten Várzea-Wälder durch einen hohen Artenreichtum, aber durch eine wenig spezifische Artenzusammensetzung aus, da die meisten Baumarten auch in den terrestrischen Regenwäldern W-Amazoniens dokumentiert sind. Auf Landschaftsebene deutet dies auf eine vergleichsweise hohe Resilienz der Baumarten gegenüber potenziell sich verändernder, hydrogeomorphologischer Regime hin.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Surge of peatland destruction by an advancing front of artisanal gold mining in Amazonia. Environmental Research Letters, 20(4), 044001.
Daichendt, Natalie; Janovec, John P.; Tobler, Mathias W.; Wittmann, Florian; Latrubesse, Edgardo M.; Hastie, Adam; Morandeira, Natalia & Householder, J. Ethan
