Detailseite
Projekt Druckansicht

Rumänische Wanderarbeiter*innen in der deutschen Baubranche. Eine klassifikationstheoretische Studie

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 466017966
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Rumänische Bauarbeiter bewerten ihre Arbeit in der deutschen Bauwirtschaft als ‚Sklavenarbeit‘, ihre Unterkünfte gelten ihnen als ‚Schlangenlöcher‘. Warum sind diese Arbeiter*innen trotz derart negativer Bewertungen zu einer solchen Arbeit bereit? Dieser Forschungsfrage widmete sich unser ethnografisches Forschungsprojekt in einer klassifikationssoziologischen Perspektive, indem es den für deren Bereitschaft konstitutiven Klassifikationen nachging. Unser Forschungsziel bestand in der Entwicklung einer Theorie zur Erklärung jener Bereitschaft, die auch die Auswirkungen auf die teils widerrechtlichen Arbeitskontexte eruiert. Hierzu folgten wir den Arbeitsbewertungen rumänischer Bauarbeiter von ihrer Unterkunft in Deutschland bis in ihre rumänischen Heimatdörfer, in die sie regelmäßig zurückkehren. Besonders konzentrierten wir uns hierbei auf a) die Voraussetzungen dieser Wanderarbeit und deren Folgen für den Arbeitskontext, b) die Ansprüche der Wanderarbeiter an ihre Arbeit, c) die Rolle von Klassifikationen im Arbeitskonflikt sowie d) die Klassifikationen ihres Herkunftskontexts. Im Zuge unserer 30-monatigen Feldforschung stießen wir zunächst auf die verdichteten Klassifikationen ‚Sklavenarbeit‘ und ‚Schlangenloch‘, deren Bedeutungsebenen wir analysierten. Anschließend rekonstruierten wir sechs Klassifikationsmuster, die im sozialen Mikrokosmos der Beschäftigten etabliert sind und jeweils eine Begründung für die Bezeichnungen ‚Sklavenarbeit‘ oder ‚Schlangenloch‘ bereitstellen. Jedes dieser Muster ist mit dem rumänischen Kontext verbunden, wie auch die diese Bewertungen stützenden Diskurse und Praktiken. Bei den Handschlagabkommen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten handelt es sich um solche Praktiken, die in den von uns untersuchten Arbeitskonflikten den Konfliktverlauf strukturierten. Indem unsere Studie die Rolle von Klassifikationen im Arbeits- und Lebenskontext rumänischer Bauarbeiter entlang ihrer Bereitschaft herausgearbeitet hat, sich unter prekären Konditionen auf deutschen Baustellen zu verdingen, gelang es ihr, die klassifikatorischen Voraussetzungen von teils widerrechtlicher Arbeit im transnationalen Feld aufzudecken.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung