Narrative weiblicher Erschöpfung um 1900 und 2000
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt zielte darauf ab, mittels der Verknüpfung einer diskursanalytischen und geschlechtertheoretischen Perspektive mit einem narratologischen Ansatz, Narrative weiblicher Erschöpfung um 1900 und 2000 herauszuarbeiten und zu systematisieren, d.h. die jeweiligen Diskurse um Erschöpfung, Weiblichkeit und Arbeit sowie ihre konkrete Ausformung in Motiven und narrativen Strukturen sichtbar zu machen und zu analysieren. Dabei sollten die synchronen und diachronen Verbindungen, d.h. die Ähnlichkeiten zwischen weiblichen Erschöpfungsnarrativen um 1900 und 2000 und das Aufgreifen narrativer Muster in gegenwärtigen Erzähltexten weiblicher Erschöpfung, herausgearbeitet werden. Im Zentrum des Projekts stand die Frage, wie in Erzähltexten um 1900 und 2000 von weiblicher Erschöpfung erzählt wird, sowohl im Dialog mit medizinischen, psychiatrischen und psychoanalytischen Perspektiven als auch in Abgrenzung von ihnen. Daran anknüpfend wurde untersucht, inwieweit sich spezifische Erzählverfahren in der Darstellung weiblicher Erschöpfung zeigen und spezifische Narrative weiblicher Erschöpfung identifizieren lassen. Das Projekt ging von der Annahme aus, dass weibliche Erschöpfung dezidiert mit gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Machtstrukturen in Verbindung steht, die zentral um die Verhandlung von Arbeit kreisen. Das Korpus bestand aus Prosatexten von Autorinnen aus dem Zeitraum 1895-1920 sowie aus dem Zeitraum ab 2000. Grundlegend für die Textauswahl war die zentrale Verhandlung weiblicher Erschöpfung, entweder durch eine implizite Darstellung von Erschöpfungssymptomen oder explizit durch eine Krankheitsdiagnose. In die Analyse wurden des Weiteren psychiatrische und psychoanalytische Texte miteinbezogen, die zentrale Diskurse von Erschöpfung aufgreifen und konstruieren.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Video-Abstract zum Projekt „Narrativer weiblicher Erschöpfung um 1900 und 2000“ (Wissenschaftstag #4GenderStudies 2022, Margherita-von-Brentano-Zentrums, FU Berlin.
Fassio, Marcella Isabelle
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Neoliberale Arbeitswelten und Erschöpfung in Kathrin Rögglas wir schlafen nicht und Kathrin Weßlings Super, und dir?. Literatur und Arbeitswelten, 57-74. Brill | Fink.
Fassio, Marcella Isabelle
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Vorstellung des Postdoc-Projekts im Portraitfilm „Gesichter aus dem Walter Benjamin-Programm der DFG“ 2023.
Fassio, Marcella Isabelle
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Schreiben in / von psychischen Krisen. Heilkraft der Literatur, 349-370. Springer Berlin Heidelberg.
Fassio, Marcella Isabelle
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Schwangerschaft, Mutterschaft und Erschöpfung Gabriele Reuters Das Tränenhaus und Helene Böhlaus Halbtier! In: Literaturwissenschaft in Berlin. März 2024.
Fassio, Marcella Isabelle
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Weibliche Erschöpfung als Praktik der Verweigerung und des Protests. Gabriele Reuter Aus guter Familie und Antonia Baum Vollkommen leblos, bestenfalls tot. In: Denise Dumschat-Rehfeldt et al. (Hg.): Literatur am Ende. Marburg: Büchner 2024, S. 175–188.
Fassio, Marcella Isabelle
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Wissenschaftliches Poster „Narrative weiblicher Erschöpfung – Zwischen Frauenbewegung und Reproduktionsarbeit“ 2024.
Fassio, Marcella Isabelle
