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Die antike Stadtanlage von Athribis bei Sohag
Antragsteller
Professor Dr. Christian Leitz
Fachliche Zuordnung
Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 467053756
In den ersten drei Grabungskampagnen wurden bereits große Teile der Pylontürme sowie das Tempeltor ausgegraben. Mit 52 m (100 Ellen) Breite ist der Pylon fast so groß wie derjenige des Luxor-Tempels. Neue Kartuschen belegen Ptolemaios VIII. als Bauherrn, Reliefs von Min und Repit deuten auf die Kultempfänger, dazu sehr seltene Darstellungen zweier Dekansterne und einem bislang unbekannten Stiergott. Die Freilegung weiterer Reliefs und Texte am Pylontor stehen auf der Agenda. An der Felsfassade verdichten sich Hinweise auf ein Felsheiligtum. Daher möchten wir die großen, gestörten Schuttmassen hinter dem Pylon beseitigen, um die inneren Tempelräume und die Tempelaußenmauer zu finden sowie die westliche Pylonwand freizulegen. Auch der noch teils verschüttete Eingangsbereich des Tempels soll ausgegraben werden, um das Tempeltor vollständig zu erfassen. Direkt nördlich des Tempels fanden wir viele Magazine aus Lehmziegeln, manche mit Gewölbe, die dem Geländeabfall gen Osten terrassiert folgen. An diese schließen sich mehrstöckige Wohngebäude an (Priesterhäuser?). Weitere Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude erscheinen bereits in Mauerkronen und sollen in den folgenden Kampagnen weiter ausgegraben und analysiert werden. Dann wird ein ganzes Quartier aus Lehmziegelhäusern mit mindestens zwei Stockwerken sichtbar. Futter- und Anbindestellen sowie ein Stall belegen die profane Nutzung des Tempels in spätrömischer Zeit. Weitere Erkenntnisse ergibt die Freilegung der von Sebachin nicht gestörten Schichten hinter dem Pylonnordturm, denn sie ermöglicht die Rekonstruktion der Geschichte des Tempels nach seiner primären Nutzung. Bedeutende Befunde dieser Epoche stammen aus der Siedlung: hoch erhaltene Mauern mit z.T. farbigem Verputz. Hier sollen in den Folgejahren weitere Gebäude an verschiedenen Stellen der Siedlung ergraben werden, hoffentlich auch höher gelegene Strukturen wie ursprünglich geplant, um durch Bauten aus ptolemäischer und mittelalterlicher Zeit die Stratigraphie in der Siedlung zu ergänzen. Ergebnisse zur Architektur und ggf. der Funktionen sind dort schnell zu erwarten, weil viele Mauerkronen oberflächig bereits sichtbar sind. Aus der Spätantike stammen die Befunde im Westflügel des Klosters, wo vielleicht die Schlafräume der Nonnen lagen. Begonnen wurde der südlichste Raum, weitere sollen in jeder Kampagne folgen. Hoch anstehende Mauern versprechen wichtige Befunde, um die baulichen Strukturen und Funktionen der Räume des Westflügels zu klären. Somit konnte der Großteil der geplanten Ziele bisher erreicht werden. Der Pylon-Tempel wurde bereits von Schutt befreit, so dass seine Umrisse deutlich werden. Die umliegenden Bereiche füllen sich nach und nach mit Gebäuden und ermöglichen ein besseres Verständnis des Tempels, seiner umliegenden Profanbauten und der Einbindung in die Stadtanlage, visualisiert durch einen permanent aktualisierten Generalplan.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
