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Alternative Medien – Alternative Öffentlichkeiten – Alternative Realitäten? Nutzer*innen und Nutzungsweisen von systemkritischen Alternativmedien und ihre Bedeutung im Medienrepertoire im Zeitverlauf

Fachliche Zuordnung Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 467295482
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt „Alternative Medien – Alternative Öffentlichkeiten – Alternative Realitäten“ untersuchte über drei Jahre (2021-2024) die Nutzung systemkritischer Alternativmedien. Dabei standen Motive und Erwartungen für die Zuwendung zu alternativen Medien sowie deren Konsequenzen im Fokus. Konsequenzen wurden erstens hinsichtlich der Zusammensetzung von Medienrepertoires, also der Gesamtheit der durch Personen genutzten Medien und die Rolle der Alternativmedien darin, beforscht. Zweitens waren Konsequenzen hinsichtlich politischer Positionierungen und Perspektiven auf die soziale und politische Wirklichkeit in Deutschland von Interesse. Drittens beforschten wir Konsequenzen für kommunikative Anschlusshandlungen und Positionierungen. Alternative Medien stehen heute zunehmend im Verdacht, gezielt Desinformation, Verschwörungsmythen und Polarisierung zu fördern, können andererseits aber auch weiterhin Plattformen für legitime Kritik sein oder von ihren Nutzer:innen als solche wahrgenommen werden. Die empirische Untersuchung erfolgte durch eine dreiwellige qualitative Panelstudie mit insgesamt 33 Nutzer:innen. Ziel der Langzeitstudie war es, die langfristige Entwicklung der Mediennutzung zu analysieren und zu verstehen, wie sich die Rolle von Alternativmedien im Medienrepertoire der Nutzer:innen entwickelt. Dabei wurde untersucht, inwieweit ihre Nutzung mit der Abkehr von traditionellen Öffentlichkeiten und einer Hinwendung zu alternativen (Medien-)Realitäten einhergeht. Eine Gefahr für Demokratie und gesellschaftliches Miteinander wäre darin zu sehen, wenn das Fundament einer gemeinsamen Wirklichkeitsinterpretation verloren ginge und durch ideologisch geladene alternative Realitäten ersetzt würde. Hierzu wurde untersucht, unter welchen Bedingungen die Nutzung alternativer Medien zu einer Distanzierung vom demokratischen Diskurs und einer Radikalisierung führen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass Schlüsselereignisse wie die Covid-19-Pandemie, geopolitische Herausforderungen wie der Ukraine-Krieg, aber auch der eskalierende Krieg Israels gegen die terroristische Hamas die Hinwendung zu Alternativmedien begünstigten, aber nicht nachhaltig relevant blieben. Ein zentraler Befund des Projekts ist, dass neben Gemeinschaftsgefühl und affektivem Engagement drei zentrale Selbst-Erzählungen bei der Zuwendung zu und Nutzung von Alternativmedien eine Rolle spielen: die Opfererzählung, das Auserwählten-Narrativ, und die Normalitätsversicherung. Tendenziell gewannen Alternativmedien über die Zeit hinweg im Repertoire an Zentralität, traditionelle journalistische Quellen wurden, sofern sie Teil des Repertoires blieben, mit einer antagonistischen Haltung genutzt. Im Längsschnitt zeigte sich, dass systemkritische Positionen durch die Nutzung von Alternativmedien verstärkt werden können. Die Ergebnisse helfen die Rolle alternativer Medien in einer heterogenen Öffentlichkeit, die mit Herausforderungen wie Desinformation und Polarisierung konfrontiert ist, zu verstehen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Conceptual amiguities, historical peculiarities, theoretical complexities. A bottom-up approach to rethink Alternative Media & Counter Public Spheres. Vortrag im Rahmen der ECREA Communication History Section Preconference. Oktober, via Zoom
    Schöppl, K.
  • The theft of counter-publics? Rethinking conceptual and methodological challenges for affective publics of resistance after the Corona-Pandemic. Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der European Communication Research and Education Association (ECREA). Oktober, Aarhus, Dänemark
    Schöppl, K. & Schwarzenegger, C.
  • Ambivalences of News Avoidance: Alternative media use between dissatisfaction, a search for happiness and radicalization. Votrag im Rahmen der International Association for Media and Communication Research (IAMCR) Konferenz. Juli, Lyon, Frankreich
    Schwarzenegger, C. & Schöppl, K.
  • Avoid, resist, turn elsewhere: Alternative media use as a form of news avoidance and media resistance. Vortrag im Rahmen der International Communication Association (ICA) Preconference „News avoidance, resistance, and related audience practices: definitions, predictors, and consequences“. Mai, Toronto, Kanada
    Schöppl, K. & Schwarzenegger, C.
  • Misstrauen in – Misstrauen durch – Misstrauen dazwischen. Medien-Misstrauen und die Nutzung von alternativen Medien. Vortrag im Rahmen der DGPuK Jahrestagung der Fachgruppe Soziologie der Medienkommunikation. November, Mannheim, Deutschland
    Schöppl, K. & Schwarzenegger, C.
  • “Alternative authenticity?“ How users of alternative media negotiate authenticity. Vortrag im Rahmen der International Communication Association (ICA) Preconference „Mis/disinformation and the Artifices of Authenticity and Authentication“. Mai. Toronto, Kanada
    Schöppl, K. & Schwarzenegger, C.
  • „Lass‘ uns die Geschichte neu schreiben“ – Geschichte und Vergangenheit in der visuellen Kommunikation von alternativen Medien. Vortrag im Rahmen der DGPuK Jahrestagung Kommunikationsgeschichte. März, Leipzig, Deutschland
    Schöppl, K.
  • „Wissen Sie, ich hab‘ Angst, mich gerade zu radikalisieren…“ – Rekrutierung, Erhalt & Adaption als Herausforderungen in einer qualitativen Langzeitstudie zu Nutzer:innen alternativer Medien. Vortrag im Rahmen der 4. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden. April, Augsburg, Deutschland
    Schöppl, K., Angrick, V., Pfau, T. & Schwarzenegger, C.
  • 100+ Alternative Ways to be a Victim. Perceptions of Victimhood among Alternative News Media Users. Vortrag im Rahmen der ECREA-Preconference “We are all victims now” – Emotions and affects of victimhood identities in media and mediatised politics and culture. September, Ljubljana, Slowenien
    Schöppl, K. & Schwarzenegger, C.
  • Alternative media and the fluid dynamics of trust and distrust: implications for social cohesion and democracy. Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der European Communication Research and Education Association (ECREA). September, Ljubljana, Slowenien
    Schwarzenegger, C. & Schöppl, K.
  • Kein Vertrauen ist auch keine Lösung . Vielschichtigkeit und Inkonsistenzen in der Nutzung (Alternativer) Nachrichtenmedien. Eingeladener Vortrag an der Universität Mainz im Rahmen der Vortragsreihe Trust Talks
    Schwarzenegger, C.
  • Trust Isn't Lost, It's Just Somewhere Else: Understanding Distrust in Traditional Media and Exploring Alternatives. Eingeladener Vortrag im rahmen des Workshops Trust, distrust and epistemic crisis, in Stockholm, Schweden
    Schwarzenegger, C.
  • Alternative Medien, Alternative Werte? Alternativmedien als Orte der öffentlichen Wertaushandlung und ihre Implikationen für soziale Kohäsion. Angenommen für die 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft Öffentlichkeit(en) und ihre Werte. März, Berlin, Deutschland
    Schöppl, K. & Schwarzenegger, C.
  • Die Antidemokraten sind immer die anderen. Über das Gefühl selbst Werte zu verteidigen und auseinanderdriftende Wirklichkeiten. Eingeladener Vortrag im Rahmen des Workshops Erosion demokratischer Werte? Antidemokratische Akteure in der Öffentlichkeit, März, Berlin, Deutschland
    Schwarzenegger, C.
  • Gegenöffentlichkeit als Gefühl? Alternative Medien und Public Dissent als Wille und Vorstellung ihrer Nutzer:innen. Publizistik, 70(1-2), 73-97.
    Schöppl, Katharina & Schwarzenegger, Christian
  • Hard to Reach Groups in der qualitativen Langzeitforschung: Herausforderungen und Lösungsansätze zur Rekrutierung und Bindung. Medien • Kultur • Kommunikation, 65-87. Springer Fachmedien Wiesbaden.
    Schöppl, Katharina & Schwarzenegger, Christian
  • Qualitative Langzeitforschung. Medien • Kultur • Kommunikation. Springer Fachmedien Wiesbaden.
    Schwarzenegger, Christian; Wimmer, Jeffrey; Schöppl, Katharina & Waldenburger, Lisa
  • The Comfort of Victimhood: Emotional Engagement and Media Choices in Alternative Media Spaces. Angenommen für die 75th International Communication Association (ICA) Conference. Juni, Denver, USA
    Schöppl, K. & Schwarzenegger, C.
 
 

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